5. Etappe, 11. August: Gdynia - Sopot - Danzig

Distanz
25,7 km
Fahrzeit
1 h 32 min
Geschwindigkeit
16,82 km/h
Höhenmeter
86 m
Höchster Punkt
44 m NN
V max.
37,69 km/h

Jan: Wir sind Deutsche, wir müssen hier schwimmen (auch wenn es Oktober ist)

Willkommen beim wettertechnischen Tiefpunkt dieser Tour - 15°C und Nieselregen den ganzen Tag. Da wir heute nur 23 km zu bewältigen hatten, nahmen wir das Rührei und den für den Grossteil der Truppe widerlichen Kaffee heute erst um 8.30 Uhr ein und gammelten danach noch auf unserem Zimmer hierum.

Dann machten wir uns unter dem wolkenverhangenen Himmel auf nach Sopot. Der vermeintliche Radweg am Strand in Gdynia hörte leider schon nach 700 Metern auf, dafür fing auf der Strasse nach Sopot bald ein weiterer Radweg an, der uns vor die Tore dieses Seebads in der Mitte zwischen Gdynia und Danzig brachte. Dort fanden wir einen richtig aufpolierten Kurort auf, der sicher noch fantastischer ist, wenn das Wetter weniger herbstlich ist. So gab es hier zwar viele Stände und Touristen, aber wir waren hier - eigentlich mitten in der Hochsaison - bei besagten 15°C definitiv die einzigen Badenden. So kalt war das Meer eigentlich nicht, aber trotzdem mussten wir uns danach mit der zweiten Wizard-Runde (Christian gewinnt bislang immer) und heisser Schokolade aufwärmen.

Danach fanden wir tatsächlich einen perfekten autofreien Radweg bis an die Stadtgrenze von Danzig, bis wir Strassenbahn und Hauptstrasse in die verregnete Innenstand folgten. Wir fanden schnell unser gebuchtes Hostel, was eine bei diesem Wetter sicher sinnvolle “no-shoes-policy” hat und auch von einer Geographin betrieben wird. Die Zimmer sind liebevoll thematisch gestaltet, wir schlafen in einer Bücherei mit geschätzt tausend Büchern, ein anderes erinnert mit seinen Landkarten an mein Zuhause oder das El Lokal in Zürich, ein weiteres ist einfach grün und soll einen Dschungel darstellen.

Für uns ist es ganz neu auf dieser Tour, dass man sechs Stunden durch die Stadt gehen kann und immer noch etwas neues entdecken kann - Danzig hat auch unglaublich viel zu bieten, schöne Häuser, viele Restaurants und Strassencafés mit Heizdecken an Tagen wie heute. Um die Ecke bei unserem Hostel gibt es übrigens noch die empfehlenswerte Degustacija-Bar mit ca. 100 Bieren. Dafür gibt es aber kein warmes Wasser im Hostel und nach deren Angaben auch nicht in sonstigen Häusern der Stadt. Zudem fliegen Möwen durch die Stadt und erinnern an die unmittelbare Nähe zum Meer. Nach diesen herbstlichen ersten 500 km freuen wir uns nun, dass die abendliche Wettervoraussage für die nächsten Tage wieder über 20 Grad anzeigt.

Christian: Happy 4 RadTOURISTEN

Heute stehen hammerharte 20 km vor uns, die man durch geschickt eingebaute Radwegantäuschungen durchaus mal auf 25 km verlängern kann. Es liegt Regen in der Luft und wir beschließen, den Weg nach Danzig durch einen Stopp in Sopot, angepriesen als das Mallorca Polens, zu halbieren. Wieder ein Fall für „alles richtig gemacht“, denn heute ist es wie gestern, nur mit noch mehr Regen in der Luft und eigentlich nicht an eine Sommertour erinnerndem Wetter.

In Sopot springen wir nach Tobis „einfach reinlaufen“ – Vorlage natürlich in die sonst menschenfreie Ostsee. Sooo kalt ist die auch gar nicht und es ist einfach nur schön, nun drin zu sein und damit ein weiteres Ziel erreicht zu haben. Die hier anwesenden kleinen, blauen Quallen (GND-Wappen-Tiere!) fühlen sich ebenso sehr wohl hier und stellen für den menschlichen Körper wohl werden eine Gefahr noch eine Beeinträchtigung dar. In einer der vielen Strandbars wärmen wir uns an heißen Getränken und der aufkommende Regen führt zu einem längeren Aufenthalt, einer weiteren Wizzard – Runde und gereicht mir zu einem erneuten Durchmarsch-Sieg (ist mir langsam selber unheimlich).

In einer vermeintlichen Regenlücke setzt sich unser Tross später in Richtung Danzig in Bewegung, über einen sehr schönen, an Norddeutschland erinnernden Radweg steuert Jan alias „Der Navigator“ zielsicher und direkt das Happy Seven Hostel an. Das Hostel ist hammer. Die no-shoes-policy ist mir zwar erstmal neu, aber die Zimmer sind nach unterschiedlichen Themen gestaltet (Reise, Bibliothek, Sport und Dschungel) und die super poshe Geographin an der Rezeption lässt uns die nassen Fahrräder einfach im Treppenhaus parken – total unkompliziert. An der guten Stimmung ändert auch nicht, dass es kein warmes Wasser gab (angeblich ein Problem des gesamten Stadtteils). Dialog mit der Geographin: Sie: „We are sorry, perhaps you take a shower later“ Ich: „No, we can also shower with cold water. I think we need it” Sie: “Yeah, I think so too” Zweite Rezeptionistin: “Wow, that was posh”

Danzig ansich: Keine große Beschreibung, sondern einfach selbst besuchen würde ich raten. Sehr sehr schöne Hanse-Stadt aus dem Bilderbuch, wo wir eine Art all-inclusive-Urlaub simulieren. Will heißen ab 15 Uhr ging es eigentlich nur noch um die Frage, wo man was essen und trinken wird. Wir nutzen zwar öfters die Außengastronomie, brauchen aber tatsächlich die bereitgelegten Decken und nutzen die Sonnenschirme als Regenschirme. Den Tagesabschluss macht eine Kneipe direkt unter unserem Hostel, in der es massig Biersorten und Bierdeko gibt. Und halbwegs bierseelig denke ich mir wieder, dass man wirklich ein eigenes Hostel eröffnen sollte und das es mal wieder ein geiler Tourtag war.

Mein Geheimtipp übrigens: Waffel mit Schokosoße und Sahne. Das schlägt jedes Tartuffo!

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