6. Etappe, 12. August: Danzig - Elblag - Frombork

Distanz
97,89 km
Fahrzeit
4 h 31 min
Geschwindigkeit
21,68 km/h
Höhenmeter
366 m
Höchster Punkt
191 m NN
V max.
50,11 km/h

Jan: Wärmer, trockener, näher an Russland

Heute erreichten uns die Regentropfen erst nach unserer Ankunft in Frombork. Beim Frühstück in unserem sehr empfehlenswerten Happy Seven-Hostel in Danzig trafen wir noch zwei vielleicht etwas jüngere Tourenradler aus München, die von München über Prag hierher geradelt waren und nun auf dem Weg nach Warschau waren.

Wir verliessen Danzig über die Kraftfahrstrasse 7 und frassen schnell die ersten 40 km nach Nowi Dwor Gdanski, dem Ort mit dem GND-Kennzeichen. Dort testeten wir als Tour-Tradition den McDonald’s zu Spottpreisen, wurden dafür allerdings von Wespen belästigt. Ab NDG folgten wir paradiesischen idyllischen Nebenstrassen bis zu einer romantischen Oldschool-Fähre über die Nogat, und erreichten bei km 66 Elblag. Hier entschieden wir uns gegen eine ausführliche Stadtbesichtigung und machten nach einer Tankstellenpause noch 30 für Baltex-Verhältnisse bergige km bis Frombork.

Aufgrund des einsetzenden Regens entschieden wir uns hier wieder gegen Zelten und fanden ein privates Zimmer bei einer Frau, die immerhin die Worte Strasse, Schlüssel und Handtuch auf deutsch beherrscht und damit schon mehr als die meisten von uns Polnisch. Der Strand Fromborks erwies sich zunächst als wenig spektakulär, man kann hier in die Ostsee einen Kilometer weit hineingehen wie in den Plattensee, ohne dass man kraulen könnte. Spektakulär ist hingegen der Dom Fromborks, der im 14. Jahrhundert errichtet worden ist, und der das Grab von Kopernikus (1543) beinhaltet, in dem wir noch eine Messe bestaunen durften. Ebenfalls in unser Herz geschlossen haben wir die niedliche Kellnerin in der Pizzeria, in der der Service zwar etwas unorthodox daher kam, aber mit einem Lächeln ist so etwas schnell vergessen. Die letzten Zloty hauten wir dann fürs Frühstück in der Pension auf den Kopf. Abschliessend hat es mir in Polen sehr gut gefallen und die Leute machen hier nicht den “Asi”-Eindruck, der landläufig vielleicht über gewisse osteuropäische Länder vorherrscht. Russland, wir kommen!

Christian: Danke Polen!

Tag 6 des großen Abenteuers. Beim unkonventionellen Hostelfrühstück lernen wir zwei Jungs kennen, die von München über Prag gekommen sind und nun durch die Masuren weiter nach Warschau fahren möchten. Diese beiden und zwei Ausgang Danzigs entgegenkommende, ältere Radtouristen bringen uns erst einmal von der Vorstellung ab, die einzigen Velotourer im Osten zu sein.

Es rollte weiter sehr gut und Tobis Wunsch entsprechend besuchen wir nach 40 Überlandstraßenkilometern einen McDonalds in einer Stadt, deren Kennzeichen „GND“ lautet. Und GND + Sommertour + McDonalds gehören einfach zusammen. Hier genieße ich das Special-Angebot echter Chickenwings, die aber für meinen Geschmack etwas zu scharf geraten sind. Den Melonenfehler vom AlpenExress nicht wiederholend schaffe ich es aber, drei meiner Flügel je bei Jan, Steffen und Tobi gegen einen Teil ihrer Speisen zu tauschen. Nach dieser Pause geht es über ruhigere Nebenstraßen im idyllischen Weichsel-Delta weiter, was trotz ein paar Kilometern Umweg genau die richtige Entscheidung war. Es erwartet uns eine Gratisfähre und die Elblager Brauerei (gehört wohl zu Zywiec, was wiederum zu Heineken gehört), an der wir aber nur vorbeigefahren, nicht aber eingekehrt sind – viel besser als auf der LKW-geplagten Hauptstraße. Elblag selbst schneiden wir nur mit einer Rat an einer ESSO-Tanke, die für mich einen frischen Hotdog und für Steffen ein kühlkettenunterbrochenes Eis bereit hält. Btw. Begleitet mich heute die ganze Zeit Julis „Elektrisches Gefühl“ abwechselnd mit „Vladimir Putins Cousine“ im Ohr, aber je nur die 15 sekündigen Refrains.

Zu unserem Etappenort Fromburg, der den Vorzug gegenüber Elblag erhalten hatte, galt es noch eine kleine Bergkette zu überwinden, die ich bei jeder anderen Sommertour bestimmt nicht extra im Roadbook erwähnt hätte. Beim BaltEx aber ist sowas eher eine Besonderheit. Nun, in Fromburg selbst fanden wir im zweiten Anlauf direkt eine nette Bleibe, von der wir uns direkt nach Zimmerbezug über verwucherte Bahnlinie auf den Weg zum Strand machten. Ein Badeparadies, für alle, die nicht schwimmen wollen (mehr als knietief wird das Wasser hier einfach nicht) und denen es auch nicht zu kalt war. Um das im Ort ansässige Kopernikuskloster kommt man nicht herum, eine riesen Anlage und irgendwie beeindruckend. Wir errechneten unseren abschließenden Finanzbedarf in Polen und kehrten in eine Pizzaria ein, wo es die Bedienung mit dem wohl süßesten Lächeln Polens gab, mit der zusammen wir sogar noch ein Foto abstauben konnten.

Vor der Feierabendglocke lassen wir uns von einem heimattreuen Polen mit Zigarette hinterm Ohr durch den Ort zu einer 24h-Hotelrezeption führen, bei der wir das wohl letzte Bier in Polen käuflich erwarben und unserem unfreiwilligen Guide zum Dank auch noch ein eben solches in die Hand drücken.

Fazit: Ich mag dieses Land. Geile Tour bisher! (Auch wenn ich heute Abend zum ersten mal nicht Wizzard gewonnen habe (Für einen Platz vor Steffen hat es dennoch allemal gereicht ;) )

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