8. Etappe, 14. August: Kaliningrad - Zelenogradsk - Nida

Distanz
87,59 km
Fahrzeit
3 h 50 min
Geschwindigkeit
22,81 km/h
Höhenmeter
142 m
Höchster Punkt
40 m NN
V max.
36,68 km/h

Jan: Sonntagswetter für die Kurische Nehrung

Mit Litauen befinden wir uns nun schon im vierten Land in acht Tagen. Gefühlt kommt es mir schon viel länger vor als acht Tage bei dem, was wir schon alles gesehen haben.

Der Tag begann mit zwei freudigen Überraschungen: Keine Wolke am Himmel, und Tobi und Steffen hatten Königsbergs Nachtleben wohlbehalten überstanden und beim Frühstück lustige Anekdoten zu erzählen. Wenn es für Steffen und einer weiteren Russin auch erstmal nicht für den Beginn einer dauerhaften Beziehung gereicht habt, so hat er doch Skype-Kontaktdaten austauschen können. Mal gespannt, ob er nun auch unter die Russischlernenden geht.

Nach einem Mini-Auffahrunfall bei der Nordausfahrt aus Kaliningrad erwarteten uns 30 km auf der autobahnähnlich ausgebauten Strasse, deren Kennzeichen ausgestanzte kleine blaue Schiffchen auf der Fahrbahnmitte war. Da hat ein Stanzwerk ein gutes Geschäft gemacht. Als wir in Zelenogradsk wieder die Ostsee erreicht hatten, begann die Strasse holprig zu werden, und wir passierten eine kilometerlange Autoschlange, da Autofahrer auf dem russischen Teil der Nehrung Maut zahlen müssen. Auf der Nehrung selber war die Strasse dann entsprechend verkehrsarm, und nach etlichen km durch Kiefernwäldern machten wir die erste Mittagspause bei km 66 bei einem idyllischen unerwarteten Restaurant mit integrierter Bäckerei mit demonstrativ deutschem Brot und Kuchen.

Nach 2x20 Minuten warten passierten wir ca. eine Stunde dahinter problemlos die russisch-litauische Grenze, hinter der wir bei Kaiserwetter am frühen Nachmittag Nida erreicht. Hier hatte Thomas Mann 1929 schon ein Sommerhaus gebaut und 1930-1932 die Sommerferien verbracht. Eine gute Wahl, wie ich finde, denn hier gibt es hinter nordsee- oder atlantikähnlichen Dünen den ersten richtigen Strand seit Sopot, der Aufgrund des Sonntags und Bilderbuchwetters auch zu Steffens Freude eine Menge Trubel herrscht, sowie für uns den ersten Campingplatz dieser Tour, so dass das erste Mal auf dieser Tour wirklich Sommergefühl aufkommt. Den Abend liessen wir noch in einem ebenfalls gut frequentierten Strandrestaurant mit Bundesliga-Live, Vollmond und herrlichem Blick auf die Dünen ausklingen. So kann es weitergehen.

Christian: Urlaub aus dem Prospekt

Ein gutes Hotelfrühstück und zwei leicht verkaterte Mitfahrer gestalteten den Morgen und fast hätte es bei Tobi und Steffen für ein Abenteuer gereicht. So aber gibt es zumindest ein Foto und Steffen ist noch bei der „Fehleranalyse“, ob es denn nun am eigenen Alkoholpegel lag oder daran, dass die temporäre weibliche Begleitung plötzlich „einfach weg“ waren. So kam es dann auch, dass er mir, wahrscheinlich immer noch in Gedanken, ausgangs Kaliningrad die Gepäcktasche per Auffahrunfall weggekickt hatte.

Wir rollten easy aus Königberg hinaus und befanden uns auf einer fast schon unverschämt gut ausgebauten Straße wieder in Richtung Ostsee, die Jan besonders mit ihren verzierten Laternenmasten zu begeistern wusste. Da auch diesmal der Wind wieder günstig stand erreichten wir im Handumdrehen die Kurische Nehrung, die zur Hälfte auf russischen, zur andern Hälfte auf litauischem Boden steht. Dass er hier etwas besonderes sein muss, merkt man eigentlich erstmal nur an den Autoschlangen, die sich auf der einzigen Straße dort gebildet hatte. Vom Meer sah man zunächst recht wenig. Tobi hielt die Gegend für angemessen hier die ersten offiziellen BaltEx-Roll- Videos zu machen und so fuhren wir stressfrei und mit einer Packung Schoko Crossies von einer deutsch-angehauchten Bäckerei und einer gehörigen Portion Spaß in Richtung Schlagbaum, der uns erst mal wieder raus aus Russland führen sollte (ich sah diesmal davon ab, in Grenznähe irgendwelche Fotos zu machen).

Kurz nach dem Landeswechsel erwartet uns Nida bei perfektem Sommerwetter und ein Campingplatz sorgt für die erste Zeltnacht der Tour. Die Nehrung ist hier nicht sonderlich breit und wir nehmen die Ostseeseite zum baden und Badenixen schauen. Die Haffseite bleibt dem Abendprogramm vorbehalten, wo es das meiner Meinung nach bisher beste Bier der Tour gibt: Memel Bräu. Auch sonst lässt sich hier an Nida absolut nichts aussetzen. Es wirkt alles wie eine Mischung aus Nordfriesland und Schweden, dazu gibt es Jubel, Trubel, Heiterkeit sowie deutschsprachige Speisekarten und Werbeschilder. Zum Abschluss machen wir noch ein paar Bilder an der Waterkant im Vollmond für unsere potentiell Kontaktanzeigen, falls es mit der Weibchenfindung auf herkömmlichen Weg doch nichts wird. Leider hat das Campingplatz-Restaurant schon geschlossen und so wird es nichts mehr mit dem Tagesabschlussbier, auf das ich mich gefreut hatte – ist aber auch nicht sooo schlimm. Tobi erwirbt noch eine Stunde W-Lan-Flatrate für Litauen und wir betten uns recht zeitig auf die Isomatte.

Es ist auf dieser Tour wahrlich imposant, welche unterschiedlichen Eindrücke man immer wieder nach nur einer Tagesetappe serviert bekommt.

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