10. Etappe, 16. August: Plunge - Saldus

Distanz
104,3 km
Fahrzeit
4 h 18 min
Geschwindigkeit
24,26 km/h
Höhenmeter
307 m
Höchster Punkt
159 m NN
V max.
41,9 km/h

Jan: LIT/LAT

Bei Omelett und Pfannkuchen überlegten wir uns, wie der 2. Weltkrieg wohl in Zeiten von Social Media, Twitter, Facebook & Co. ausgesehen hätte. Wahrscheinlich ziemlich anders. Ob die Gegend zwischen Plunge und Saldus sich grossartig verändert hat in den letzten Jahren, ist schon eher fraglich, wenn man mal von den mittelhohen Plattenbauten der einzigen nennenswerten Siedlung zwischen diesen Provinzstädten namens Mazeikiai absieht.

Mit einem atemberaubenden 27er-Schnitt waren wir die ersten 57 km bis zum Supermarkt dort durch den Zemaitijos-Nationalpark geheizt. Hier hauten wir während eines perfekt abgepassten Mini- Regenschauers (typisch Baltex) die letzten Litas für eine Mittagspause auf den Kopf. Wäre man Fan der legendären litauischen Basketballer (3 x Bronze bei Olympia, 2003 Europameister), hätte man hier sicher nochmal genausoviel für Fanartikel ausgeben können. Nach 12 weiteren km erreichten wir den ziemlich ungesund ausschauenden lettischen Grenzfluss, hinter dem man sich nochmal 30 Jahre zurückversetzt wähnte. Verlassene Häuser und Höfe, fast gar kein Autoverkehr, und vor 16 Uhr erreichten wir Saldus beim km 104, eine gespenstisch anmutende Western-Stadt (12 000 Einwohner) mit einer Kulisse wie aus einem Helge-Schneider-Film.

Und auch hier erreichte uns, diesmal beim Abheben der ersten Lats, der Regenschauer, als wir schon von der Strasse herunter waren. Schnell hatten wir dort ein sehr neues, sauberes Hotel im Hundertwasserstil mit der besten Dusche der ganzen Tour gefunden. In Saldus selber war dann so gut wie gar nichts los, es gab noch eine schöne weisse Kirche, einen Busbahnhof mit kuriosen Typen, diverse bis in den späten Abend geöffnete Supermärkte, und eine Pizzeria, in der wir fürstlich für wenig Geld assen und trinken. Christians Meinung, Lettland habe einiges zu bieten, aber eher nicht hier, trifft den Nagel auf den Kopf. Man kann aber auch wieder mal nichts an Lettland wirklich kritisieren. Ich nehme die Letten als sehr gelassen, freundlich und gut Englisch sprechend wahr.

Christian: Unterm Strich ein neues Land

Heute schreibe ich von einem klassischen Überführungstag. Auf dieser Tour geben sich solche Überführungsetappen und Highlights in nie dagewesener Regelmäßigkeit die Klinke in die Hand. Zu berichten habe ich ein weiteres Mal von gellendem Rückenwind, der uns in Windeseile in die Nähe den letzten Ort vor der Grenze zu Lettland brachte. Als städtisches Highlight hat für uns ein großer Supermarkt hergehalten, der uns für die restlichen Währungsreserven eine opulente Stärkung brachte und bei dem wir auch noch einen kleinen Regenschauer abwarteten.

Eine schnurgerade Straße führte uns zum Grenzübergang. Eine imposant große, betonierte Fläche mit rostigen Hallen und Überdachungen drauf, erinnerte etwas abseits der eigentlichen Straße daran, dass es einmal Zeiten gab, in denen es hier nicht so leicht war, einen Kilometer weiter zu kommen. Nun aber zeugt nur ein Grenzschild vom Landeswechsel, an dem die LKWs unbeeindruckt mit beängstigender Geschwindigkeit durchbrettern. Der kleine Grenzfluss vermag wegen seiner Farbe und auf ihm schwimmenden Schaumkronen auch keine Idylle zu stiften, wer weiß, vielleicht nehmen die Letten einfach nur gerne ein Schaumbad. Egal, denn nun werden wir ein neues Land für den GND erkunden und warten einfach mal ab, was uns erwartet. Das ist zunächst eine weiterhin eher langweilige Straße, auf der wir unsere Kilometer fressen. Skurrile Fahrpläne des ÖPNV zeugen davon, dass wir uns schon im Dunstkreis des noch ca. 20 km entfernten Saldus befinden, wo wir dann auch pünktlich vor dem nächsten Starkregenschauer ankommen. Glück muss man haben und das ist uns regentechnisch beim BaltEx echt hold. Die Straßen im Ort werden gerade saniert und richtig viel los scheint hier auch nicht zu sein.

Doch inmitten mehrerer saloonartiger Häuser steht ein schickes, neues Hotel, wo wir auch problemlos zwei Zimmer für uns organisieren können. Nach dem üblichen Prozedere stürzen wir uns dann in Getümmel des Ortes und entdecken einen neu aufgemotzen Marktplatz, eine schicke kleine Kirche, touristische Hinweisschilder auf deutsch und russisch sowie ein Einkaufzentrum und ein Supermarkt, in dem man keine Bilder machen darf, STEFFEN!!! Viel ist es also nicht, aber wenn man sich in manchen deutschen Kleinstädten mal umguckt, haben diese auch nicht immer viel mehr zu bieten. Wir haben zur Abendunterhaltung eine SB-Pizzeria auserkoren, die uns mit allem versorgt, was wir brauchen, nämlich leckerem Essen, Getränken und einem Tisch zum Wizzard spielen. Die „Saloons“, diese Pizzeria, die man so in jede amerikanische Sitcom einsetzen könnte – ich weiß es nicht, aber vielleicht gibt es ja einen besonderen Bezug hier zu den USA (konnte beim Abtippen aber bei Wikipedia nichts in der Richtung finden). Zum Abschluss überreichte Jan Tobi noch eine Packung preiswerter Pralinen (d.h., sie sind geschmacklich ihren Preis angemessen, was ich absolut bezeugen kann) für dessen tollkühnen Gewinn einer Wizzard-Party.

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