11. Etappe, 17. August: Saldus - Riga

Distanz
120,78 km
Fahrzeit
4 h 43 min
Geschwindigkeit
25,69 km/h
Höhenmeter
259 m
Höchster Punkt
120 m NN
V max.
43,5 km/h

Jan: Zurück in der Zivilisation

Riga selbst ist fantastisch, aber viele Highlights hatte die heutige Einfahrt in die lettische Hauptstadt selbst nicht zu bieten. Nach Omelett und Pfannkuchen (darauf ist hier Verlass) erhielt Christian eine Instruktion zur Fahrradreinigung von Werkzeugmeister Tobi, und schnell hatten wir die ersten 56 km bis zu einer kleinen Tankstelle abgerissen. Wir überquerten noch einen Fluss und kamen dann noch in den Genuss eines 10 km langen Baustellenabschnitts. Von da an fuhren wir auf einer autobahnähnlichen Strasse am Flughafen vorbei ins sonnige Riga, wo ich mich spätestens nach der Überquerung der Daugava wieder an meinen (damals von Zahnschmerzen gezeichneten) eintägigen Aufenthalt von 2008 erinnerte.

Unser von Australiern geführtes Hotel befindet sich im östlichen Ende der Stadt. Gerade nach zwei Tagen Niemandsland war Riga wirklich ein Highlight und konnte mich noch mehr begeistern als 2008 - wunderschöne Innenstadt, sehr lebendig, und dennoch völlig unhektisch. Hier spielen Strassenkapellen und fahren Fahrradrikschas, die angesichts der sehr überschauberen Grösse Rigas aber etwas deplatziert scheinen.

Zum Essen ging es in ein von unserem Hostel empfohlenes Selbstbedienungsrestaurant, was Christian und Steffen etwas zu überfordern schien, Tobi aber voll und ganz zufriedenstellte. Den Abend liessen wir im 26. Stock der Radisson-Hotelbar bei Mischgetränken mit dem sehr empfehlenswerten Riga-Balsam sowie mit Live-Open-Air-Rock-n-Roll in der Innenstadt in einem Biergarten mit 20 Bieren ausklingen. Im Vergleich mit Riga können viele westeuropäische Städte in meinen Augen nach Hause gehen. Mal schauen, wann Nachteule Steffen im Hostel auftaucht.

Christian: Der Hauptstadtexpress beginnt

Der Tag erwacht und für heute haben wir uns die lettische Hauptstadt al Ziel gesetzt. Wird auch mal wieder Zeit, nach zwei Tagen in der Einöde. Das Hotelfrühstück war ähnlich wie das Hotel selbst, nämlich tipp topp. Der Kellner wirkte fast schon etwas demütig, ließ aber keinen Wunsch nach Kaffeenachbestellung oder ähnlichem offen. Und schon finden wir uns auf der Straße wieder, der Rückenwind pustet weiterhin (schon nichts besonderes mehr) und die an Highlights arme Straße führt uns direkt auf Riga zu. Tobi sorgt nach der ersten Tankstellenpause für etwas Abwechslung, indem er sich nach einem Fahrraddefekt (irgendwas hat geschliffen, sich verkantet und ist dann angeschmolzen – das muss man sich auch mal reinziehen, einen solch heißen Reifen fahren wir, muahahaha) plötzlich nicht mehr bei uns befand, aber per SMS schnell auf die kurzen Verzögerungen im Betriebsablauf hinwies. In der Wartezeit konnten wir einen Bautrupp bei der Kernsanierung der Straße beobachten, die sich tatsächlich super fahren ließ.

Riga begrüßt seine Gäste mit großen Lettern am Ortseingang und macht auf Anhieb einen sehr sympathischen Eindruck. Schöne historische Gebäude, ein geschäftiges Treiben, nette Menschen und eine gute Atmosphäre. Ich frage mich überhaupt öfters, wie es kommt, dass manche Orte eine positive, manche aber auch eine eher schlechte Atmosphäre ausstrahlen, obwohl man das nicht immer an handfesten Parametern festmachen kann. Egal, denn Riga ist jedenfalls sehr schön und unser Hostel, das von einem Australier betrieben wird, lässt keine Wünsche offen – ok, wir müssen unsere Zeug in den fünften Stock tragen, aber das passt schon. Kurze Unklarheit gibt es noch über den sicheren Abstellort für unsere Fahrräder, zur Wahl standen das Treppenhaus unten oder das nochmals durch eine Tür gesicherte Treppenhaus etwas weiter oben. Auf Empfehlung des Hosteliers entschieden wir uns dafür, die Räder lieber noch ein paar Treppenstufen hinaufzuwuchten, bevor wir am nächsten Morgen zwei da stehen haben (ganz nette Eifler Ausdrucksweise für einen Diebstahl finde ich).

Wir erkunden die Stadt auf eigene Kappe, was wir auch können, nachdem wir einen aufdringlichen Fahrradtaxifahrer, den Steffen irgendwie angelockt hatte, wieder abwimmeln konnten und auch ein paar Tipps aus dem Hostel mitgenommen haben. Als Nörgeltouri könnte man bestimmt sagen: „Das ist aber touristisch hier“. Ist es vielleicht auch, aber es ist schön. An einem zentralen Platz spielt eine junge Kombo flotte Straßenmusik und wir beschließen, dass die ideal passend für ein Intro-Video unserer Sommertour ist. So fragen wir die Jungs, ob wir sie auf Video aufnehmen dürfen, geben ihnen etwas Geld für die Vereinskasse und legen los mit unserer musikuntermalten Vorstellungsrunde. Die Band scheint sich einen Spaß daraus gemacht zu haben und stellen mit dem nächsten Song die Musikrichtung einfach mal auf Funeral-Sound um. Egal, wir ziehen unser Video durch und machen uns alsbald auf den zum Abendessen, welches zwar ungewohnt in einem SBRestaurant stattfand, aber nichts desto weniger super deftig und lecker war. Der nächsten Empfehlung folgten wir auch und begaben uns ins Radisson-Hotel in die höchste Etage, wo sich eine Bar vorfand und einen herrlichen Blick über ganz Riga freigab. Dazu serviert wurde ein Rigabalsam, den ich auch wirklich brauchte, und einen Caipirinha, der aber nur mäßig wie ein solcher schmeckte.

Zum Abschluss ging es noch einmal ins innerstädtische Getümmel, wo ich in einem Straßenlokal mit großer Bierauswahl und live-Musik unbeabsichtigt ein Starkbier auswählte. Sehr gechillt lassen wir hier den Abend ausklingen und eigentlich möchte ich hier noch stundenlang sitzen bleiben, Bier trinken, klönen und der Band zuhören – Holiday! Aber auch der schönste Abend geht mal zu ende und wir begeben uns zu 75% zurück ins Hostel, bis auf Steffen, der sich ein weiteres Mal ins Nachtleben stürzt und auf jeden Fall mit Georg zusammen das Party/Nighlife-Referat im GND übernehmen kann.

Seitenanfang