13. Etappe, 19. August: Svetciems - Pärnu

Distanz
95,07 km
Fahrzeit
4 h 16 min
Geschwindigkeit
22,32 km/h
Höhenmeter
106 m
Höchster Punkt
38 m NN
V max.
31,47 km/h

Jan: Immer weiter nach Norden

Nach 13 Tagen hat unser Baltikum-Express das 6. und letzte Land dieser Tour, Estland, erreicht. Beim Betrachten eines nicht heissgemachten Opels und der lettischen Modefarbe Pink an allen Ecken gaben wir noch die letzten Lats für Frühstück aus, bevor uns McDonald’s und die Biermarke A. Le Coq* nach 22 km im nördlichsten baltischen Staat willkommen hiessen.

Hier wies uns ein Radwegschild links von der Hauptstrasse eine Alternativroute entlang an idyllischen Strandhäusern im skandinavischen Holzbaustil bei sehr wenig Autoverkehr. Bei km 45 legten wir die erste Pause seit 13 Tagen ein, bei der man wieder mit Euro bezahlen konnte. Dafür versteht man im Estischen nun wirklich gar nichts mehr, diese Sprache ist eher wie Finnisch. Bei bestem Wetter - Sonne, 20°C, kein Gegenwind - hatten wir trotz eines sehr späten Starts (rund 11 Uhr) kurz vor 16 Uhr Pärnu erreicht.

Dank Lonely Planet und ein paar Handzeichen von Einheimnischen fanden wir hier einen Campingplatz 2 km vom Stadtzentrum entfernt. Trotz bedrohlicher Wolken und Lufttemperaturen unter 20°C liessen wir uns auch in Estland das Baden in der tellerflachen Ostsee nicht nehmen. Der Strand von Pärnu ist schon nicht schlecht, die Innenstadt würde ich eher als beschaulich bezeichnen, so wie eine deutsche Kreisstadt, in der man auch in der Fussgängerzone immer mindestens ein gut laufendes Restaurant. Das Bier heisst hier Saku, ich empfehle weiterhin Soljanka an kühlen Tagen wie heute, sowie das zur Gewohnheit gewordene separate Bestellen der Beilagen.

Christian: Shootings in Prachtumgebung

Auch der Gaskocher soll nicht umsonst mitgefahren sein. Daher benutzen Jan und ich ihn für ein paar Tassen Morgenkaffee, während wir dem anderen Zelt noch eine Weckfrist von einer Stunde gewähren. Gut geschlafen habe ich allemal, mir aber leider heute zum wiederholten Mal an der Klotür dermaßen den Kopf gestoßen, das die Frage nicht lautet, ob ich eine Beule bekomme, sondern wie groß sie werden wird. Am nächsten Supermarkt machen wir dann offiziell Frühstückshalt, weshalb Steffen und ich beauftragt werden, die letzten Lats in möglichst gutem Preis-Leistungs- Verhältnis in ein Teamfrühstück umzusetzen, was uns meiner Meinung nach auch enorm gut gelungen ist.

Wie schon bei den vorherigen Grenzübertritten liegt auch der nach Estland eigentlich mitten im nichts, also an keiner besonderen Landmark, die auf einen Grenzverlauf genau an dieser Stelle hinweisen würde (den McDonalds im ehemaligen Zöllnerhäuschen kann man zwar auch nicht als Landmark bezeichnen, aber trotzdem als etwas eigenartig Besonderes). Wir werden direkt auf eine angenehme Nebenstraße umgelenkt, wo wir von Autoverkehr fast ungestört durch pittoreske kleinen Ortschaften fahren, die mich an Schweden-Bildbände erinnern. Das Ziel des Tages in Pärnu, also erneut eine Etappenlänge unter 100 km, aber da wir hier ein letztes Mal in der Ostsee baden können und auch weil der Ort eine Art Sopot Estlands sein soll steuern wir den eher unorthodox gelegenen Campingplatz an, bevor wir uns auf den Weg zum Meer machen. Auf dem Weg gönne ich mir an einem Kiosk noch einen heißen Tee, denn es ist heute ein gutes Stück kühler als gestern und von meinem Eindruck ist die Wassertemperatur hier höher als die der Luft. Die Ostsee zeigt sich erneut flach, jetzt weiß man, wo der Balaton in der Schule abgeschrieben hat.

Ich glaube, dass der Ort hier wirklich was kann, wenn man die Innenstadt sieht. Viele Blumenkästen, schön renovierte Fassaden und einige Geschäfte und Gastronomie lassen es hier aussehen wie in einem ostfriesischen Strandbad, aber hier ist kaum was los. Ob gerade keine Ferien sind oder es nur an dem bescheidenen Wetter liegt weiß ich nicht. Jedenfalls war es keine Mühe einen Platz im Restaurant in der Nähe des Heizpilzes zu bekommen. Endlich mal wieder Schnitzel. Ohne großartige weitere Erlebnisse gehen wir zurück zum Campingplatz und ins Bett. Morgen wollen wir Tallinn erreichen, das sind ein paar Kilometer mehr als heute. Gute Nacht.

Seitenanfang