17. Etappe, 25. August: Krasnoje Bryzgovo - Sankt Petersburg

Distanz
82,41 km
Fahrzeit
3 h 51 min
Geschwindigkeit
21,35 km/h
Höhenmeter
127 m
Höchster Punkt
151 m NN
V max.
41,9 km/h

Jan: Another mission accomplished

Die Leute in unserem Wildzeltdorf waren wirklich eine Wucht und verdienen den Lance der Tour. Zur Krönung brachte die ca. 12jährige Julia uns noch Souvenir-Glasfiguren aus Sankt Petersburg und ein Foto mit ihrem “Veloclub”, bestehend aus ca. 10 Altersgenossen und - genossinnen, auf dem hinten ihre 22-km-Hausstrecke und ihre E-Mail-Adresse aufgezeichnet war.

Nach einem Frühstück aus den letzten Resten erwarteten uns 44 km durch dichten Nebel, bis das Ortseingangsschild Sankt Petersburgs uns zu einem ausgiebigen Fotoshooting einlud. Es folgten weitere 20 km durch die Plattenbauten der 4-Millionen-Stadt, bis wir den Anfang meines Stadtplans erreicht hatten. Die letzten km liefen entlang der Fontaka-Strasse entlang eines Kanals, bis wir den Nevski Prospekt, die Hauptstrasse der Stadt, erreicht hatten. Dort kämpften wir uns noch durch recht dichten Nachmittagsverkehr auf die andere Seite der Neva, wo sich unser Hostel befinden sollte.

Nachdem wir eine Weile um den Häuserblock geirrt waren, begegneten uns freundliche Twens, die sich als Hostelbesitzer bzw. -personal erwiesen und uns den Weg ins nirgendwo ausgeschilderte Hotel wiesen. Laut Besitzer müsste er für Schilder eine Unsumme an den Vermieter bezahlen, der denkt, er würde eine Art Hotel betreiben. Dort haben wir ein Sechsbettzimmer nur für unsere Räder und uns - ideal. Zwar wurde am Abend noch Claudias EC-Karte geschluckt, das liess uns auch bei besten äusseren Bedingungen (es sollte keinen Regen mehr bis zum Abflug geben) nicht verderben. Wir haben also auch diese Sommertour erfolgreich abgeschlossen - diesmal 1811 km in 17 Tagen, womit der 107er-Schnitt wieder fast erreicht ist, ohne dass es geplant gewesen wäre.

Christian: Da!

Leichte Spannung mischt sich bei mir immer mit Wehmut, wenn das Tourziel näher kommt. Einerseits hat man es geschafft, aber andererseits soll das dann auch das Ende sein? Nein, sicherlich nicht und wir kämpfen uns durch unheimlich feuchten Nebel die ersten Kilometer über die Landstraße, wobei ich Scheibenwischer für meine Brille gut gebrauchen könnte – zum Glück habe ich Brillenputztücher dabei ☺ Unsere Gastgeber von gestern überholen uns zufällig auf ihrem Weg zurück nach Sankt Petersburg und fahren hupend und winkend an uns vorbei.

Und dann rollen wir auf das Schild zu, haben es geschafft. Hallo Sankt Petersburg. Gänsehaut!

Klar dürfen hier die obligatorischen Fotos nicht fehlen und wir kosten das Gefühl, welches mit Worten nicht zu beschreiben ist, außer dass es süchtig macht, erst einmal voll aus. Doch wer nun mit einem baldigen Feierabend rechnet, der hat die Rechnung ohne diese riesige X-Millionenstadt gemacht. Auf einer Distanz ähnlich wie Bonn – Sinzig rollen wir über riesig breite Straßen und endlose Plattenbauten in Richtung des City-Prospekts. Die Plattenbauten sehen hier gar nicht so schlimm aus wie bei uns und auch ist es hier gar kein Stempel sozialer Segregation dort zu wohnen, vermute ich. Im Zentrum Sankt Petersburg, von der Größe her ähnlich einer ganzen deutschen Kleinstadt, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich will das hier eigentlich gar nicht groß beschreiben, denn es gibt da bei der schieren Anzahl an Sehenswürdigkeiten nur zwei Möglichkeiten: Entweder selbst anschauen oder einen Reiseführer durchblättern.

Unser Hostel ist etwas schwer zu lokalisieren, obwohl wir den Wohnblock schon längst gefunden haben. Irgendwann werden wir dann vom Hostelbesitzer im Hof persönlich in Empfang genommen und in die Räumlichkeiten geleitet. Ein Zimmer mit sechs Betten, fünf für uns, eins für unsere Drahtesel. Zeit werden wir in den nächsten drei Tagen hier wohl genug haben und so sortieren wir uns gemächlich, das Zelt muss erneut zum trocknen aufgehangen werden und zu Fuß machen wir uns auf in die Stadt, wo sich die Geldbeschaffung als sehr schwierig erweist. Claudias Karte wird komplett vom Automaten gefressen und Tobi bekommt seine zwar zurück, jedoch ohne das angeblich verbuchte Geld. Wir lassen den Abend etwas dekadenter mit der traditionellen Ankunftszigarette, einer Wasserpfeife und diversen Kaltgetränken ausklingen.

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