Das
Buch soll interessante Geschichten erzählen und mich über die Alpenpässe
tragen. Glück auf!
Christian alias TheHoff
Partner und sportlicher
Leiter im Teamn GND-Cycling:
- Jan Wilkening
- Stteinbock
- 100km in 2:32h
- + unendlich Alpenpasserfahrung
- Heidelbergradler
- Mitbewohner Zimmer 102
- Niedersachsen meets Rlp.
- Hätte noch auf Lehramt studieren können
- SVG / SLD " Experte
- Lebendes Musikarchiv
Grußwort
{von Jan}
Lieber Christian "TheHoff" Hoffmann,
Als Wasserträger und Edeldomestike des Teams GND Cycling ist es mir eine
besondere Ehre, Dir ein Grußwort in dein Poesiealbum zu schreiben. Das Grußwort
lautet "Hallo!"
Apropos Hoff: Ich hoffe, dass du auf den Alenpässen nicht allzu lange auf
mich warten musst!
Und was ich total cool finde: Ich habe auch A Rh pos.
Petri heil wünscht
Thejanwho
PS: "Jump in my car" " sagt das eigentlich der Fahrer des Besenwagens?
Grußwort
{meiner Eltern}
Hallo Christian,
hier die Widmung für dein Roadbook.
Für deine Radtour durch halb Europa wünschen wir dir:
- Angenehmes Wetter
- Keinen Gegenwind
- Nette Bekanntschaften
- Keine noch so winzigen Löcher im Schlauch
- Gut geölte Kette
- Akzeptable Höhenunterschiede
- Keinen Muskelkater
- Gastfreundliche Schweizer, Österreicher, Italiener (sind eh nett), Kroaten
und Ungarn.
- Freie und saubere Campingplätze
- Keine Frust
- Kondition ohne Ende
- Und und und und und
...................................
vor allem gesunde Heimkehr
Mum und Dad
Grußwort
{von Christoph}
Hallo du alter Radsportler
Viel Spaß, Erfolg und Durchhaltevermögen für die ultimative Tour des Alps.
Pass gut auf Dich auf und vergiss nicht: Wenn du auf einmal nur noch total
bunte Wörter liest, dann hör mit den Pillen und Spritzen auf: Das ist es
nicht wert.
Toi, Toi, Toi,
Christoph
03.08.2006 11:22Uhr
Ort: EC9, Bad Bellingen
Liebes Tagebuch,
{das druckt durch, nächstes Mal mit Kugelschreiber}
der Urlaub ist klasse! Wir sitzen viel und essen und trinken und manchmal
läuft DB-Servicepersonal an uns vorbei. Draußen regnet es noch nicht, wartet
bestimmt bis wir den schützenden Waggon verlassen. Gleich muß ich mit Hefeklos-Jan
die ersten 5000 Höhenmeter (subjektiv) bezwingen. Man darf gespannt sein.
Christian
03.08.2006 16:00Uhr
Prolog: 42,60km 2,29h Fahrtzeit
Das große Essen
à dazu die unzähligen Höhenmeter von Zürich nach Gross und eine Extrawand
kurz vor Einsiedeln. Ich bin so gut. Nie geschoben.
Jan testet gerade den Gaskocher, im Moment mit negativem Erfolg. Es gab
eben Kaffee und leckeren Stachelbeerbaiserkuchen, den Jans Mutter selbst
buk. Außerdem bescheinigte sie ihm kognitive Dissonanzen, aber wir wollen
morgen trotzdem fahren. Übrigens setzte der Regen pünktlich zu unserer Ankunft
ein " es ist toll, wenn Dinge funktionieren tun. Apropos: Der Campingkocher
tut das nämlich nicht, genauer gesagt: Er ist kaputt. Die Gaskartuschen
nehmen wir trotzdem mit; man kann das Gas ja auch einatmen, ne Kerze anzünden
und die Dinge kalt essen.
Christian 18:02Uhr
Stand 3.8.2006
Gewichte in kg (Kilogramm)
Raisa Ricola Jan Christian
Beladen 37,2 35,1 82,6 79,6
Solo 18,0 16,3 79,5 77,3
04.08.2006
Buchs: Hallo Tobias!
Wir heißen unseren neuen Mitfahrer willkommen. Hier erste Zeilen von ihm:
"Servus Mitradler, wie geil ist das denn?!! Endlich Urlaub, endlich radeln,
endlich Party, unendlich geil..."
04.08.2006
19:09Uhr
Gesamt: 150,34km 7:23h
Tag: 109,74km 4:54h
Rhein ins
Abenteuer:
Heute zum ersten Mal Kilometer gefressen. Aber es ging eigentlich ohne größere
Anstrengungen, bergab und gerade, so dass sich unsere Stärkung bei Wilkenings
(Sauna, Züricher Geschnetzeltes, - Flasche Wein, 1 Bier .....) erst mal
nicht auswirkte. Walensee, Sarganz, Vaduz, Buchs. Toll ist alles, aber groß
was passiert ist auch nicht. McDonalds sponserte unsere Rast in Lichtenstein
mit Kaffee, Cappuccino, einem Browny und einer heißen Apfeltasche. Aber
bevor ich solche unnötigen Details weiterschreibe, höre ich wohl besser
mal auf. Eben gab es übrigens Nudeln und Tobias mag keine Pilze. Dafür hatten
wir eine rasante Abfahrt sagt Jan, außerdem eine 25%-Steigung am Walensee,
der der tollste See der Schweiz ist (heißt es). OK, jetzt fragen wir uns,
ob wir am Balaton zum Osten oder zum Westen {des Sees} sollen. Party vs.
Plan. Jan hat heute noch für sagenhafte 89,-CHF einen neuen Gaskocher gekauft.
Wo ist mein Bier. Apropos Bier: Tine wollte uns ja heute in Vaduz besuchen,
gab uns dann aber kurz vorher einen Korb. Da ist man sprachlos.
Bis später
Christian
05.08.2006 20:19Uhr
Ort: Gasthof Sonne in Imst
Wettersituation: scheiße
Gesamt: 294,38km 15:00h
Tag: 144,04km 7:37h
Endlich da, herrlich!
Mein erster Alpenpass ist geschafft. Der Respekt davor aber keineswegs gesunken.
1802Meter! Jetzt sitzen wir hier, Tobias lümmelt sich auf dem Bett und Jan
duscht. Bei RTL2 haben gerade zwei Gangster ne alte Frau die Treppe runter
geworfen. Jan empfiehlt uns lockere Dehnübungen. Was ist denn heute sonst
noch passiert? Eine Frau zwischen Feldkirch und Bludenz beschwerte sich,
dass wir sie nicht mit der Fahrradklingel erschrecken sollen, kurz vor der
Passhöhe war eine geile Kaschemme, in der ein offener Kamin loderte undein
Gast sich über das angewärmte Bier beschwerte: Sein Zitat: "Es gibt zwei
Dinge die scheiße sind: Kaltes Bier und warme Frauen!" ?!?
Jan war übrigens als erster am Pass (na klar!), ich als zweiter mit nur
12 Minuten Abstand (Korrektur von Jan "nein, nur 5!") und noch mal 13 Minuten
später kam TobiTo.
{Grußwort
der Bedienung des Gasthof Sonne} "Das Team des Gasthaus Sonne
wünscht Ihnen viel Glück und Spaß bei der Radtour nach Wien!"
Das Schokorouten-Cycling-Team sagt "Danke"
Das Essen und das Trinken
im Gasthof Sonne war ohne Mängel. Insgesamt ist der Gasthof Sonne super
knorke, weil wir hier das letzte 3-Bett-Zimmer im ansonsten überfüllten
Imst bekommen haben und es einem Motorrad-Pärchen und v.a. einer Motorrad-Gang
aus Italien vor der Nase weggeschnappt haben (könnt ihr mal sehen, dass
man sich mit nem WM-Titel nix kaufen kann)
Warum Schokoladenroute? Weil wir von Zürich nach Gross die Lind-Fabrik passierten
und uns in Bludenz an der Milka-Fabrik erfreuen duften . Yeah yeah! (Kommentar
von Jan: "à und heute lag Schoki auf dem Bett")
Nochmal zurück zum "Rasthaus" kurz vorm Arlbergpass. Der coole Wirt, der
den Flyod des Tages bekommt, erinnerte Jan und mich an Kurt Felix. Heute
Abend kommt übrigens "Verstehen Sie Spaß" im Fernsehen, aber Frank Elstner
ist uns zu crazy. Außerdem verstehen wir keinen Spaß, schon gar nicht, wenn
die Bankkarte im Ausland mal wieder den Dienst versagt oder wir auf einem
45cm breiten Pfad durch einen 1,40m tiefen Tunnel fahren müssen. Und weil
Jan sich jetzt schon die Decke über den Kopf zieht sage ich Gute Nacht
PASST!
Christian
06.08.2006
17:44Uhr
Ort: McDonalds Innsbruck
Gesamt: 364,69km 18:31h
Tag: 70,31km 3:31h
Die drei von der Tanke
" oder: Wie und wo man bei einer Halbetappe die Zeit vertrödeln kann
Nun ja, was machen drei Vollblutsportler bei McDonalds? Genau: Abwarten
und Kaffee trinken. Und Leute gucken, weil das toll ist. Gerade ich, der
Schubladen so gut kennt wie kaum ein anderer (naive Selbstüberschätzung)
freut sich, hier einige Klischee-Amis und Asiaten sowie ne ganze Menge anderer
skurriler Personen zu sehen.
Aber von Beginn an. Gut geschlafen haben wir im Gasthof Sonne, aber das
war ja klar bei der Mörderetappe davor. Unser Wunsch, es möge doch am Morgen
regnen, damit wir uns nicht umsonst gegen Camping entschieden haben, wurde
mehr als erfüllt.
Die Frühstücksdame war wohl noch nicht ganz auf der Höhe ihrer professionellen
Freundlichkeit angelangt, aber wir wurden trotzdem satt. Danach hieß es
Sachen einpacken und Füße gegen den Regen in Mülltüten einpacken. Sah wohl
amüsant aus, denn oben beschriebenes Fraulein kommentierte dies mit einem
Fingerzeig auf unsere neuen Schuhe und dem Kommentar " he he he he he".
Es ging los und regnete erst mal nicht. Ich erzählte Jan und Tobias mal
wieder von meinen abstrusen Träumen und trat in die Pedale. Auf dem ersten
Teilstück erwarteten uns ein paar giftige, unerwartete und unnötige Anstiege.
Während Tobias die meiste Zeit von Bademeister Paule trällerte hatte ich
zwei Ohrwürmer: "What have I done to deserve this" " ein Evergreen der sagenhaften
Petshop-Boys. Zweiter Hit war die Fernsehmusik zur Kinderserie meiner Kindheit
"Eichhorn Puschel". Jan wirft heute Wings of speed" von Paul Weller und
gestern "Snowden" von "Doves" ins Rennen.
Vor Telfs fanden wir unsere erste Tanke. Leider geschlossen obwohl sie laut
Aushang hätte offen haben sollen. Allerdings war es hier trocken. Hier durften
wir einige, meistens Deutsche, durchwinken, die zwangsweise hier lang fuhren,
da der Fernpass wegen der Deutschlandtour gesperrt war.Und weil wir etwas
später noch 2 Stunden an einer geöffneten BP-Tankstelle verbracht haben,
hier ein kurzer Abriss unserer Erfahrungen. Vorher noch kurz, dass wir die
Dtl.-Tour auch in Telfs schauen konnten und daher leider nicht mehr nach
Seefeld hoch mussten.
Kennzeichen Kommentar
SU- Da ist alles jesperrt, müssen wir eben die Autobahn nehmen
NOH- Radrennen " so was blödsinniges
F- Bescheuert
GAP- Können Sie mir bitte mal tanken, ich bin Rollstuhlfahrer
NK- Ist hier noch offen
Den Abend ließen wir
wie gewohnt mit Pasta und Bier ausklingen, diesmal in Innsbruck. Markus,
ein Erasmus-WG-Mitbewohner von Jan, gewährte uns Unterschlupf. Er ist extra
aus Linz angereist, um uns Theresienbier vorzustellen. Wir stellten fest,
dass Markus doch recht untypisch, aber cool ist. Er passt nicht wirklich
in die Informatikerschublade und er trinkt als Österreicher kein Bier. Das
lässt mich auch drüber hinweg sehen, dass als mein zweites Getränk ein Radler
anstatt ein Bier aufgetischt wurde. Wer weiß, wofür es gut war...
Christian
07.08.2006
16:46Uhr
Ort: Campingplatz in Klausen / Italien
Gesamt: 466,33km 23:15h
Tag: 101,64km 4:44h
Wo wir gerade sind,
was wir gerade machen, wie wir uns gerade fühlen? Phantastisch! Aber der
Reihe nach. UM 6:30Uhr klingelte der Wecker und ich würde sagen, wer ist
denn so blöd, wenn es nicht mein eigenes Handy gewesen wäre. Dann hieß es
Halbmarathondistanz zum Bäcker laufen (warum?) und bei echt freundlichen
Verkäuferinnen zu bestellen. Frühstück, packen (wieder wie jeden Morgen),
Abschied von Markus (noch mal Danke)
Es regnete Bindfäden! Und diesmal sollte der Mülltüten-Panzertape-Schuh
zumindest bei mir seine Wirkung verfehlen. Wir schraubten uns also bei Regen
und zunehmender Kälte den Brenner hoch, den ich nun aber als netten Berg
bezeichnen würde. Oben angekommen (es war vor 11) genehmigten wir uns natürlich
eine ausgiebige Jause mit allem drum und dran " Kaffee, Kakao und einem
Aufkleber fürs Fahrrad zum angeben.
Außerdem ist es schick, sich hoch oben komplett umzuziehen.
--- gerade hat mich unser Campingnachbar angesprochen, ich hab außer "belle
giro" aber nix verstanden ßpassenderweise habe ich mit "Gratias" geantwortet
(Exkurs Ende) ---
OK, die Abfahrt war geil und das nicht nur, weil sie uns ins schöne Wetter
des ebenso schönen Italien führte. Geil. Den Campingplatz "Gamb" oder "Gamp"
haben wir schon kurz nach 15:00Uhr erreicht. Jetzt heißt es Ferien! Zelt
aufbauen, duschen und dann in den Pool springen (man beachte die Reihenfolge)
mit einer super Sicht auf Klausen, Sonne und eine Art "Burg-Schloß-Kirche"
auf dem gegenüberliegenden Berg: Ca. 70 Meter über uns: Die Autobahn, macht
aber nix.
Wir waren noch einkaufen im örtlichen "Spar", der aber eher "Zahl das Doppelte"
hätte heißen müssen. Außer Salz haben wir an alles gedacht.
Christian
08.08.2006
19:29Uhr
Gesamt: 566,65km 30:18h
Tag: 100,32km 7:03h
- Alpenpässe: 3
- Höhenmeter insgesamt: 2700m
- Bewertung: krass, geil
- Abendessen: Pizza
- Unterkunft: Campingplatz Cortina in Cortina
- Besondere Ereignisse: engl. Motorradehepaar, das in Klausen nicht zahlen
wollte
- Motivator: Jan (der als ich am Sellajoch aufhören wollte meinte: "Wenn
du es bis hierhin geschafft hast, dann machst du auch den Rest")
- Mehr zu sagen: nein (müde)
Christian
09.08.2006
19:29Uhr
Gesamt: 696,86km 36:00h
Tag: 130,21km 5:42h
Puh, jetzt liegen wir
hier, in Pordenone im 3*-Hotel, sind geduscht und mal wieder glücklich.
Im Musik-TV läuft Depeche Mode " lief, denn Tobias hat gerade umgeschaltet.
Eigentlich wollten wir ja gar nicht bis hierhin, aber der Campingplatz,
den wir in St.Croco am Belluner See ansteuern wollten, war nicht existent,
der Ort recht verschlafen (wir stehen eher auf Touri-Zentren) und unerwarteterweise
regnete es. Ja, über den italienischen Alpen brauten sich richtige Gewitter
zusammen.
Also war unsere Entscheidung klar: Weiterfahren. So wurde zwar aus der Erholungsetappe
nix, aber können wir ja dann morgen an der Adria, wo laut TV ganz viele
Quallen ihr Unwesen treiben. OK, so klar war die Entscheidung dann doch
nicht. All-in-All haben wir dafür dreimal angehalten und überlegt. Aber
wieder mal alles richtig gemacht " klaro.
Das Frühstück heute war übrigens das zweite mit unseren Insant-Espresso-Tüten.
Auch toll!
Viel mehr zu schreiben gibt es heute nicht, außer viel bergab und drei Mördertunneln
war es eher unspektakulär. Jetzt weiß ich zumindest, was Felix Göppel meinte,
wenn er sich über die LKW in der Türkei beklagt hat. Und wir sind hier erst
in Italien. So, jetzt geht es auf zum Essen
Christian
10.08.2006
Gesamt: 790,35km 40:34h
Tag: 93,49km 4:34h
Diesen Eintrag muss
ich aus der Erinnerung schreiben, weil ich gestern irgendwie keine Lust
dazu hatte. Wir begannen unseren Tag durch die Po-Ebene dort wo wir auch
aufgehört hatten, in Pordenone. Es ging ewige Geraden durch die norditalienische
Wildnis.
Was aber nicht fehlte, war der Wind, der im Jahr des Gegenwinds immer von
vorne wehen muss. Laut Karte des Wetterdienstes Ost, Stärke 3.
Je näher wir Richtung Meer kommen, umso sonniger wurde es. Unser Zielort
war das "Touristen Dorf" bei Monfalcone. Aber erst mal ins Meer. Recht frisch
aber geil. Und wie schon im Restaurant in Pordenone erwiesen wir uns auch
hier wieder als Magneten " wenn wir kommen ist es leer, wenn wir gehen ist
es voll. Jaja, so toll sind wir.
Nachher Zelt aufbauen, auf der Suche nach Duschräumen einmal komplett um
den Platz laufen und zum Wein etwas mehr Salz in die Nudeln.
Die Unmengen Bier, die wir eigentlich ja trinken wollten, vertilgen wir
wohl wann anders, weil wir morgen anstatt einer Relax-Etappe jetzt schon
den Hardcore-Slowenien-Karst in Angriff nehmen.
Bevor wir noch mal zum Vollmond ans Meer gingen, kam zu uns noch ein radreisender
Psychologe, als wir gerade campingkochten. Er erzählte uns von seiner Arbeit,
Reisen, Radwegkartierungen eines Oldenburger Geo-Profs...
Dazu (wir haben ihn vorher noch einen heißen Tipp bzgl. Eines offenen Supermarktes
gegeben) rauchte er Pfeife und verschüttete Bier. Den übrig gebliebenen
Rest trank er.
Das war-s erst mal
Christian
11.08.2006
Gesamt: 901,14km 46:17h
Tag: 110,79km 5:43h
Bis Slowenien
kam, war alles gut!
Hui, heute geht es um den Freitag. Das ist ja erst mal recht unspektakulär,
aber soll noch schlimmer kommen. Angefangen hat der Tag mit Tropfen, die
im Zelt deutlich hörbar waren und mich veranlassten, schnell noch die Wäsche
von der Leine zu nehmen. Kurze Zeit später rettete Jan noch den Rest. Nachdem
wir später den nächsten Regenschauer abgewartet hatten, sagten wir uns:
"Only the strongest will survive" oder Jan startete mit: "It-s a dirty job
but someone-s gotta do it" und wir brachen auf.
Natürlich ging der Regen wieder los und als das Wasser in meinen Schuhen
stand (nach ca. 15km), bat ich um einen Halt unter einer Brücke, um meine
Jacke anzuziehen und die Schuhe gegen die Sandalen zu tauschen. Erst ohne,
dann mit einem Paar, dann mit zwei paar Socken.
Endlich regnete es einmal nicht und auf den Weg um Trieste fanden wir zuerst
einen funktionierenden Geldautomaten und schließlich noch einen kleinen
"Spar"-Markt
Der Grenzübergang nach Slowenien verlief leider eher langweilig. Es hat
gereicht, den Reisepass von außen zu zeigen. Der Grenzübertritt nach Kroatien
war da aber auch nicht viel anders, außer das der Grenzbeamte zu mir sagte:
"Ah Christian" und mich durchwinkte. Es war ein bisschen so, als hätte ich
mit ihm früher schon mal ein Bier getrunken oder als ob ich Stammgast in
seinem Bordell wäre.Ich kann mich aber an nichts erinnern.
Die ersten Taten auf slowenischem Boden sollten eine Extreme-Foto-Action
vorm Slowenien-Schild werden. Das Ganze ging aber eher in die Hose, weil
meine Kamera zweimal runtergefallen ist, noch bevor der Selbstauslöser aktiv
wurde. Trotzdem: Kamera heil geblieben!
Der Regen setzt kurz vor einer kleinen Abfahrt wieder ein, so das mal plötzlich
den auf der Straße befindlichen Ölfilm sehen konnte. Etwas später mussten
Tobias und ich leider Jan auf genau dieser Ölspur ausrutschen sehen. Schrecksekunde!
Jan lag in der Kurve, vor ihm das Fahrrad. Erste Erleichterung kam auf,
als er von selbst wieder aufstand. Es war echtes Glück im Unglück, denn
außer ein paar schmerzhaften Schürfwunden und dem Schreck war ihm nichts
passiert. Auch das Fahrrad ich heile geblieben. Und das alles bei ca. 40km/h.
Nach dem ersten Schreck und einer groben Wundversorgung fuhren wir auf der
ölverpesteten Straße weiter. Der Regen wurde stärker und nerviger. Kurz
bevor wir auf eine Art Bundessraße abbiegen wollten, fing mein Fahrrad mit
verdächtigen Geräuschen hinter mir an. Toll, da hat sich eine Schraube (scheinbar
eine wichtige) meines Gepäckträgers verabschiedet und die Konstruktion ins
Ungleichgewicht gebracht. An dieser Stelle nun ein großer Dank an die Hersteller
von Kabelbinder. Bis jetzt hält es...
An der Grenze zu Kroatien waren wir alle tief durchnässt und es war uns
saukalt. Beim Geldwechsel erzählte uns eine Frau auf herrlichem schwäbisch,
dass sie so etwas noch nie erlebt habe und nun schon seit 30 Jahren nach
Kroatien fahre.
Der Rest ist versöhnlich abgelaufen. Pension gefunden (der deutsch sprechenden,
gut aussehenden und bestens richenden kroatischen Frau in der Touri-Info
sei Dank). Essen und dann schlafen gegangen.
Gute Nacht
Christian
12.08.2006
Gesamt: 993,95km 50:55h
Tag: 92,81km 4:38h
Es hat sich
ausgesommert
Wir wollten ja ausschlafen und das war auch gar nicht so schlimm, weil es
gegen 6Uhr draußen mal wieder ein Gewitter gab. Gegen 9Uhr machten wir uns
dann im Trockenen auf zu neuen Zielen. Das erste war ein Supermarkt in Rijeka
zum Frühstück kaufen. Gegessen haben wir das dann auf einer Bank am Hafenbecken.
Gestärkt war Krk unser nächstes Ziel. Der führte an einer Art Lagune (weiß
nicht ob diese Bezeichnung stimmt) vorbei:
" hatte schon einige Höhenmeter zu bieten
" führte durch eine schicke Abluftwolke der örtlichen Großindustrie
" war trotz Mautpflicht auf der Brücke für uns kostenfrei, weil Velo nicht
gleich Auto
" ließ sich ein Auto aus dem Landkreis Ahrweiler sehen
Im ersten Ort auf der Insel stärkten wir uns erneut und brachen wiederum
zum nächsten Ziel auf: Senj. Der letzte Ort an der Küste bevor wir ins Landesinnere
abbiegen. Obwohl es gegen Ende wieder zu regnen begann, war die Küstenstraße
schon geil (Causalkette streng genommen nicht richtig?) Buchten, wie aus
dem Bilderbuch!
In Senj " wegen des Wetters wollten wir auch diesmal nicht zelten " begaben
wir uns auf den Zimmersuche-Basar, von dem uns nach 30 Minuten ein netter
Makedonier abholte und uns zur heutigen Herberge brachte.
Duschen wollten wir nicht, denn wir sind und Kroatien und deshalb ab ins
Meer. Egal ob die Sonne scheint oder nicht. Auf dem Weg haben uns nochein
paar Österreicher in unserer Pension angesprochen. Sie tranken Stiegl-Bier
aus der Dose. Belassen wir es einfach mal dabei, sie als "strange" zu bezeichnen.
Später natürlich wieder Stadtbesuch, Essen gehen und ins Bett. Kennt man
ja. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Bäckerei von 05:00Uhr bis 02:00Uhr
geöffnet ist (!!!) und man hier die erse Bild-Zeitung des Urlaubs kaufen
kann.
Christian
PS: mein Ständer ist heute gebrochen
13.08.2006
Gesamt: 1090,3km 56:32h
Tag: 96,35km 5:37h
Mittagessen
am Mienenfeld
"Was das Camperleben auch ausmacht" " "Ja, diese Unbefangenheit" " Toll!
Über so etwas unterhält sich ein deutsches Ehepaar, wenn es an Fußball spielenden
Franzosen und Bier trinkenden Deutschen (wir) auf einem Campingplatz in
Plitvice vorbeigeht.
Raumfür Widmungen:
(von Jan): "Ein großartiges Buch " so spritzig und unbefangen, wie es nur
einem echten Globetrotter von der Hand geht!" " Apotheken-Umschau
Geologiebücher lesen,
Erdnüsse essen,
Dosenbier trinken,
Gewitter gucken,
hochschalten, Müllsäcke über die Schuhe tragen, Fotos machen, Gepäckträger
mit Kabelbinder fixieren, das Campingleben genießen, Ohrwürmer hören, sich
von Kroatinnen bedienen lassen
- ein Urlaub wie aus dem 1-2-Fly-Prospekt! 1068 weitere heitere Kilometer
wünscht dir dein Zeltträger (völlig überraschend im Bergtrikot)
TheJanWho, Plitcivka jezera 13.8.06"
"Nächstes Jahr machen wir wieder Pauschalurlaub" (Jan)
Was heute geschah: Der
Wecker klingelte unbarmerzig um 6:30Uhr, als draußen ein Gewitter die Welt
verdunkelte. Es fielen Hagelkörner, so groß wie Pouleteier, als Jan-Torben
von Wilkening zu Elbwehr, Tobias-Alexander von Schlemmerhoven und Christian-Carsten
Freiherr zu Ahrweiler diemAugen in ihren Schlafgemächern öffneten. Nachdem
ihnen das Bad angerichtet wurde gesellten sie sich zum gemeinen Volk in
der Stadt zwecks Frühstück. Der Regen kannte kein Erbarmen, doch das ließ
der Mut der drei Furchterprobten nur steigen.
Dennoch erklammen die Helden den direkt anstehenden Pass, wo sie einer österreichischen
Bustouristikgruppe begegneten. Es folgte ein Ritt durch eine Landschaft
mit Mienenfeldern, zerbombten und zerschossenen Häusern, Straßenständen
an denen Käse, Schnaps und Honig feilgeboten wurden.
Nach einer Pause zwischen Straße und Mienenfeld kamen sie an den Rand des
Unesco-Nationalparks Plitvice. Die Abfahrt entlang eines urtümlichen Bachtals
entzückte alle drei gleichermaßen. Nun kamen sie an die Plitvicer Seen,
welche gar märchenhaft waren. Echt! Wahnsinnig schön und zum Glück auch
ziemlich bald touristisch überprägt.
Am Campingplatz hatten wir die Wahl zwischen Hügeln, Polien und Dolinen.
(Zelte aufgebaut, draußen am SB-Restaurant gegessen und dann mit weiterem
Bier von der Terasse des "Caffe Grill" vertreiben lassen und an den betonierten
Betonplatz für Wohnmobile den Abend ausklingen lassen)
14.08.2006
Gesamt: 1228,5km 62:46h
Tag: 138,2km 6:14h
Weil es heute nach Zagreb
geht, stehen wir früh auf, bauen das Zelt (natürlich wieder im Regen) ab,
unterhalten uns noch mit unseren lustigen Leipziger Nachbarn über Floyd
Landis und das Wetter, um dann im Affenzahn loszubrausen. So flink und flott,
dass wir an der CroBenz-Tanke vor Karlovac eine 2-Stunden-Pause machen konnten.
Weil der Regen mittlerweile der Sonne Platz gemacht hat, haben wir unsere
klatschnassen Sachen mal zum trocknen ausbreiten können. Neben uns wurde
die Tankstelle betankt, eine Stunde ohne Aufsicht " "passiert schon nix".
Hier entdeckten wir auch den Reißnagel in Tobias Reifen. An dieser Stelle
mal Danke an "Schawalbe Marathon-Plus"-Reifen.
Dann kam Karlovac, nicht unbedingt die Schönste unter den hässlichen Städten,
mit noch deutlichen Spuren vom Krieg, wie z.B. zerschossenen Häusern. Schnell
durch hier! Oh, eine schöne Mülldeponie am linken Straßenrand. Smell it!
Warum wir danach ein Rennen gestartet haben ist mir unklar. Lokomotive Tobias
führte das Feld an, am Berg ließ ich Jan aus taktischen Gründen ziehen um
mich dann auf der nächsten Geraden mal so richtig zu verausgaben.
So kam ganz schnell Zagreb, zuerst die Neustadt. Man merkt hier, dass sozialistischer
Plattenbau nicht direkt mit Ästhetik zusammenhängen muss. Zum Glück waren
wir ja am Ziel. Petra, die kroatische Bekannte von Jan, wartete bei Ina
(kroatische Tankstellenmarke) auf uns. Ihre WG war ausgeflogen, umso mehr
Platz für uns.Dass wir uns duschten war ja normal, aber dass wir jetzt auch
mal unsere Klamotten waschen konnten: Klasse!
Dazu kredenzte Petra einen Salat mit Brot, eine Gnocchi-Tortellini-Mischung
mit Gorgonzolasauce. Allen hat-s geschmeckt, außer Tobias. Dieser Banause!
Ihm fehlten wohl die Pilze.
Jetzt war Ausgang! Petra zeigte uns die angesagtesten Plätze ("places",
nicht "squares") und stellte Daniel de Koster, nein falsch, Ivan vor und
einen anderen Freund, der Schachgroßmeister ist und deutsch sprach.
Nach jeweils drei Bier waren Tobias und ich eher sprachlos und wir mussten
nach Hause (es hatte zwischenzeitlich wieder mal geregnet). "Mussten" mussten
auch wiederum Tobi und ich und weil nix mehroffen hatte beregneten wir eine
Mülltonne, während Jan und Petra Schmiere standen. (Danke an Gerd Delling
für die Inspiration)
Christian
15.08.2006
Ruhetag in Zagreb
Ruhetag, zum ersten
Mal. Wir konnten ausschlafen. In Zagreb war Feiertag und dennoch hatte die
Bäckerei offen, von der Jan einen Brötchenkranz besorgte und um 9:00Uhr
das Frühstück anrichtete. Petras Innovation: Kaffee mit braunem Zucker und
Mayo für auf-s Brot. Wir führten Fachgespräche über Musik und brachen alsbald
als Schwarzfahrer in die Stadt auf. Hier zeigte uns Petra natürlich ein
buntes Potpourri der Sehenswürdigkeiten Zagrebs mit Insidertipps. Brauche
ich jetzt nicht alles aufführen, steht ja in jedem Reiseführer. In der Kirche
kann man übrigens einen "deutschen Führer" erwerben.
Doch nun zum See, Strand, Wasser " Toll! Glasklar, etwas steinig, wildromantisch
verspielt und ungezwungen. Endlich Sommer.
Leider aber beim Rückweg die Linie 7 verpasst. Dafür haben wir aber den
Zagreber "Telekom-Express" gesehen und sangen lustige Lieder zur Freunde
der anderen Wartenden.
Nach reichlicher Überlegung gingen wir zur Pizzeria am Block. Was man da
macht? Bambus trinken, das ist ein Rotwein-Cola-Gemisch, schmeckt interessant
aber nicht schlecht. Dazu gab-s Pizzen, die bisher den Award "Biggest Pizzen"
gewonnen haben.
Danach ging es in die Nacht, die wir trotz des Pizza-Nachdurstes alle wohl
sehr genossen haben.
16.08.2006
Gesamt: 1416,9km 71:21h
Tag: 188,4km 8:35h
Mega
McDonalds
McReggeli
Zlad!
Jan besorgt die Brötchen bei seiner neuen Lieblingsbäckereifach-verkäuferin,
die wohl den Eindruck erweckt, sich bald umbringen zu müssen. Was soll-s,
die Brötchensonne schmeckt trotzdem, auch mit Nutellaaufstrich aus Bosnien
und Fleischwurstaufstrich aus der Dose.
Zum Glück stehen die Fahrräder noch im Flur und wir brechen auf gen Norden
und siehe da, das Wetter wird besser bzw. richtig geil warm. Nochmal müssen
wir mit dem Velo in die Stadt, weil Tobi und ich ja noch Kuna in Touri-Shops
loswerden müssen, jeweils für T-Shirts, mit denen wir uns als schon mal
in Kroatien Gewesene outen. OK, los durch Zagreb.
Wer einmal zweifeln sollte, ob man in Zagreb schneller per Straßenbahn oder
mit dem Fahrrad unterwegs ist, dem sei das Fahrrad empfohlen. Vorrausgesetzt
man wird nicht durch ein grobes Faul der Tram (welche in Zagreb übrigens
die gleiche Farbgestaltung haben wie in Zürich à induktiv: In Städten, die
mit "Z" beginnen, sind die Straßenbahen blau-weiß) auf die Bahn geworfen
wird. Ist uns zum Glück nicht passiert. Die Richtung war Norden und die
Aussage des Schachgroßmeisters, dass der Norden Kroatiens sehr reich ist,
bestätigt.
Nach Ungarn gibt es zwei Grenzübergänge, also erst mal raus aus Kroatien,
dann rein nach Ungarn. Dazwischen stehen Schilder, die für die Trophäenbildersammlung
unserer drei Reisendenideal schienen. Doch in die Fotosession platzte ein
blonder, ungarischer Grenzengel. Dass solche Frauen beim Zoll arbeiten...
Sie bekommt auf jeden Fall den Award "Miss Grenzregion" und wenn man sich
ihre Worte nun noch zu der Melodie von "Je taime" geflüstert vorstellt,
wäre es noch toller gewesen. Ihre Lyrics waren: "Passport!"
Nachdem sie unsere Persos für gut befunden hatte machte sie ausladende Handbewegungen
in Richtung des ungarischen Zoll / Grenzübergang. Diese Handbewegungen hatte
sie wohl gut geübt, denn ihre eigentlich Aufgabe bestand darin, im scheinbar
völkerrechtlichen Niemansland LKW-s auf die dafür vorgesehene LKW-Spur zu
weisen. Sagenhaft!
Es war der bisher krasseste Unterschied zwischen zwei Ländern an einerGrenzlinie.
Plötzlich wieder Trabbis und Wartburgs, Ramschläden am Straßenrand und der
molvanische Superstar "Zlad", der uns auf einem Pferdekarren entgegen kam.
Außerdem haben die Russen hier wohl die Landschaft zusammengedrückt, denn
es ging nun dauernd bergauf und bergab, aber kaum Kurven. Es war, als würde
man auf einer Sinus-Funktion fahren.
In Nagykanizsa gab es einen Campingplatz, ähnlich einer Vorgartenwiese,
den wir nicht nehmen wollten. Die angebliche Jugenherberge im Ort haben
wir nicht gefunden, dafür aber den McDonalds. Ronald McDonald saß fröhlich
draußen auf der Bank und wir bestellten mehrere Gänge. Die Verkäuferin konnte
etwas deutsch und sagte "Ich bekomme 850 Furint!". Klang zwar irgendwie
bizzar, aber ich will darüber nicht lästern!
Wir fuhren weiter und folgten einem Jugendherbergsschild, das leider ins
Nichts und in die Dämmerung führte. Also zurück! 28km umsonst. Auf dem Rückweg
fuhren wir wieder durch das wahnsinnig sagenumwobene "Zalasetschakap". Was
uns dazu musikalisch und inhaltlich einfiel gibt es bei Jan nachzulesen.
Schließlich fanden wir einen Privatcampingplatz eines emsigen Schwaben und
seiner ungarischen Frau. Deutsche Standards, frisches Obst und Gemüse, zwei
Duschen " was will man mehr?
Gute Nacht
Christian
17.08.2006
Gesamt: 1514,1km 76:06h
Tag: 97,2km 4:45h
Wo sind
all die Deutschen hin? " Am Balaton
Von der Sonne wachgeküsst ging es los und der emsige Schwabe alias "Don
Platzwart" schnackte noch etwas mit uns über eine Rostocker Tourenradler-Gruppe
und Italiener, die auch schon mal auf dem Platz waren. Außerdem sollen wir
das hier mal publik machen, auch wegen des guten Thermalwassers um die Ecke.
Wer Interesse hat, ich habe die Visitenkarte. Als Deutscher muß man dann
nur 20,-Euro bezahlen. Ein Vorzugspreis, denn von den reichen Ungarn verlangt
er 30,-Euro. Muß man akzeptieren aber nicht verstehen.
Es ging trotz Verbotschild wieder auf die Hauptstraße, aber nur einmal hat
jemand böse gehupt und die Polizei ist auch so an uns vorbei.
Oh, stimmt. Bei der Frühstückspause vorher ist noch eine Mischung aus "Zlad"
und "Toni Marschall" auf einem Minimähdrescher an uns vorbeigerauscht. Dann
waren wir endlich am Balaton und machten erst mal Pause. Dazu gibt es das
Radfahrermenü: Pommes, Cola, Bild. Sagenhaft und nur in Ansätzen touristisch
überprägt. Es stimmt, dass man in den See meilenweit reingehen kann ohne
nicht mehr stehen zu können. Ideal für mich.
Um halb drei fuhren wir weiter Richtung Siofok und ich hab es voll unterschätzt.
Es fehlten Getränke und Essen in meinem Bauch und ich fühlte mich zunehmend
matschig und benebelt. Zum Glück kam 15km vorm Ziel ein kleiner Laden und
wir konnten unsere Akkus wieder aufladen.
Am Campingplatz checkten wir bei einem coolen Typen in deutscher Bundeswehrjacke
ein. Ich weiß nicht, an wen er mich erinnert hat, aber ist irgendeine Comicfigur.
Die sanitären Anlagen waren jetzt nicht sonderlich berauschend, aber der
See zum baden direkt angrenzend.
Und nun Party!!! Tobias hat das Essen spendiert. Vielen Dank. Ungarisches
Gulasch schmeckt echt gut und Jans Radler war ein Bier mit einem Teller
Zitronenscheiben.
Aber jetzt echt Party. Bier trinken am CocaCola-Beach, tanzen im Spaghetti-House
zi besten Dancefloor-Hits und zum Abschluss Karaoke singen! Wir haben es
echt gemachtund unsere mitgereisten Fans waren außer sich. Wir sangen von
"The doors" "Light my fire". Der Rest wird totgeschwiegen.
18.08.2006
Gesamt: 1646,5km 82:32h
Tag: 132,4km 6:26h
Kursänderung
Gyor
Anstatt am Balaton zu bleiben wollten wir noch in die Slovakei
{Grußworte
aus dem Internet-Coffee-House am Wiener Bahnhof}
"An die feschen Radfahrer!
Grüß euch in Wien! Ihr seids jetzt am Ende eurer und es geht ab nach Hause,
ABER: Wir freuen uns, wenn ihe wiederkummts.
Grüße + Küsschen
Eure Coffeeshop Company Baristas
Ruth + Doris"
Danke für die Worte!
Dieser Weg führt zwangsläufig
noch um das Ostende des Sees, dann kommt eine Steigung und wir merken, dass
es dann doch gut war, nicht dauernd 33-C gehabt zu haben. Der Award "Horror-3km"
geht an die bis zu 6-spurige Straße, die uns nach Va..... führen sollte.
Bergauf, Gegenwind Stärke 5 zzgl. Böen, LKW, die mit 80km/h an einem vorbeirauschen
und das Windspiel ad absurdum führen. Ich wäre einmal fast über die Leitplanke
in den Graben gesegelt und dabei wollte ich nur anhalten. Die Rettung hieß
TESCO! Das ist ein riesen Supermarkt, den ich bisher nur aus einem "Franz
Ferdinand"-Song kannte. Genug der Pause und weiter über die Berge. Bis Gyor
ist eigentlich nix passiert. Doch: Ein Regenschauer besten Sommerregens
vor den Toren der Stadt. Hier sollte sich nach Meinung der Karte (Michelin,
Givisiez) und der Frau im Touri-Info-Point eigentlich eine Jugendherberge
befinden. Aber: Pustekuchen!
Haben wir nicht gefunden. Deshalb unsere Lehre: Vorher ein Foto davon anfordern
um sicher zu sein, dass diese auch wirklich existent sind. Außerdem bitte
nicht davon ausgehen, dass "YouthHostel" zu den Standard-Englisch-Vokabeln
gehört.
HAPPY END: wir haben was gefunden, wo wir sogar Simpsons gucken konnten.
War der Abend gerettet? Fast. Wir mussten noch was essen. War auch lecker,
aber so langsam, wie die Bedienung dort war, würde sogar einen Portugiesen
verwundern.
Satt, Bett, Gute Nacht
Christian
19.08.2006
Gesamt: 1787,3km 89:33h
Tag: 140,8km 7:01h
Tanz in
den Neusiedler See
OK, gettin started with brakfast like hard boys like to do! Bis zur Grenze
war es nicht sonderlich weit. Unsere Erfahrung an Grenzübergängen ist, dass
ein deutscher Pass schon so etwas wie ein Freifahrtschein ist oder wir sahen
einfach nicht kriminell genug aus. Eigentlich war es auch am Grenzübergang
Ungarn / Slowakei so. Aber ein bisschen wurden hier schon andere Geschütze
aufgefahren. Jan wurde nämlich vom Zollbeamten investigativ gefragt, wo
wir denn hin wollen. Seine Antwort war wohl für den Grenzübertritt in die
Slowakei ausreichend, denn Jan sagte: "In die Slowakei!" .........
Da blieben keine Wünsche des Zöllners offen und ich überlegte amüsiert,
was Jan hätte sagen müssen, um eine Kontrolle zu provozieren. Vielleicht:
"Nach Ungarn", "Ins Abenteuerland", "Nach Pressburg", "Zu ihrer Frau", "Kann
ich jemanden anrufen?" oder "Nur kurz auf Toilette".
Nun ja, wir waren jedenfalls an der Donau und ich auf der bisher längsten
Geraden meines Lebens. Es war ein Radweg auf dem Donaudeich. Man konnte
die 10km entfernte Stadt erkennen, die sich später als Schleuse herausstellte.
Es ging leicht bergauf und wir hatten Gegenwind. Wäre alles furchtbar langweilig,
wenn nicht nach 9km Jan eine Stromleitung und Tobias ein Schild an der Strecke
sowie ich eine Kurve in der Strecke entdeckt hätten.
Schon bald sollten wir in Bratislava sein, wo Jan 10,-Euro und Tobias die
Furintreste in slowakische Kronen umtauschten. Das reicht für McDonalds
und sogar ein paar Postkarten und Aufkleber. Das war auch schon alles, wir
haben ja nicht ewig Zeit und fahren über die Grenze ohne besondere Vorkommnisse
sowie durch den Windpark Burgenland.. Die Länge von Baustellen gibt man
hier pfiffigerweise in "Smilies" an. Um diesen Kreativitätswahn zu finanzieren
zückt die österreichische Polizei dafür gerne mal die Radarpistole. Mehr
oder minder schlecht getarnt von einem Streifenwagen aus, der zu 25% hinter
einer Hecke und zu 75% in der Feldwegeinmündung steht.
Am Neusiedler See begaben wir uns auf einen Campingplatz, der auf einer
Art Insel ca. 2km im Ried liegt. Entgegen unserem Ansinnen unter freiem
Himmel zu schlafen buchten wir doch für zwei Zelte, und die Warnung der
Plötzwärtin, es hätte hier viele Stechmücken war kein betriebswirtschaftlicher
Marketingtrick sondern harte Realität. Insgesamt war ich von der Gegend
begeistert. Echt schön und keiner kennt-s.
Der geneigte Leser weiß, was nun als Highlight kommt: Das Essen. Wir begaben
uns in ein Gasthaus im Ort und da war es: der Kaiserschmarrn und das panierte
Schnitzel mit Zitrone. Dazu ein Weizen. Oooooohhhhhh. Wie geil! Zufällig
platzten wir im Gasthaus auch noch in ein besonderes Ereignis. Denn zum
einen blüte der Riesenkaktus! Wow! Und zum anderen fand heute, dem 19. August
in Mitteleuropa der "Tanz in den Sommer" statt. Aha! Zu Schlagern der 60ern
und Tanzmelodien, DJ Bobo und einem gewieften Moderator schwangen die Leute
wie auf Kommando das Tanzbein, so wie man es sonst nur vom Traumschiff im
ZDF kennt.
Die Wirtin erkundigte sich beim gehen noch nach unseren Plänen sowie unserer
Reise und schien sogar semiinteressiert an unseren Antworten.
Bett, letzte Nacht im Zelt
Gute Nacht
Christian
Anmerkung: auf dem Weg zum Gasthaus und zurück lief mein Tacho mit, d.h.
9.8km bzw. 33Minuten readeln wir ohne Gepäck. Neuer Ausgangswert für die
Schlussetappe
1797,1km und 90:06h
20.08.2006
Gesamt: 1869,0km 94:12h
Tag: 71,9km 4:06h
The final
day / Zieleinfahrt
Oder: Der Schalterseppl kommt an mehreren Staatsgrenzen wieder zum abkassieren
Nach meinen Messungen also eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 19,86km/h
20km/h nicht erreicht, Ziel verfehlt. MIST!
Nein. Erstmal noch die letzten Kilometer durch den Gegenwind kämpfen, einen
Abstecher zum Flughafen machen und am Wiener Ortseingangsschild absolut
glücklich sein!
Der Rest des Tages war dem Auskosten des Ausgangs der Tour gewidmet. Sekt,
Mozartschokolade und Zigarillos auf der Donauinsel, die Füße im Wasser dann
Fahrt durch den Prater und durch die Stadt zum Westbahnhof. Genau bei dieser
Fahrt zwischen Hofburg und Westbahnhof setzt der Platzregen ein. Wie aus
dem Lehrbuch. Apropos Lehrbuch: Mein Geologielehrbuch war das Einzige, was
ich auch hätte zu Hause lassen können.
Tobias bekam noch seinen Zug, der ihn zeitig nach Feldkirch bringt und Jan
und ich verbrachten die Zeit bis zu unserer Zugabfahrt im Bahnhof bei Doris
und Ruth im Coffeeshop (siehe Eintrag etwas vorher in diesem Buch) und ließen
unsere Toureindrücke noch einmal Revue passieren. Jetzt sitzen wir im CNL
"Donaukurier" und was hier so abgeht kann man grobder Überschrift entnehmen.
ENDE 20.08.2006 22:09Uhr
Zum Abschluss (aber
viel zu kurz gefasst, um nicht kitschig zu werden):
Die Tour war klasse! Ein riesen Erlebnis und schwer mit Worten zu beschreiben.
Ich bin froh, dabei gewesen zu sein und sage von Herzem DANKE an Jan und
Tobias für-s Mitradeln, Planen, Dabeisein, zusammen Spaß haben und und und
............. Ihr seid ein grandioses Team!
Christian
Worte von
Jan zur Tour
"Ahoj Christian,
das, was ich mit Müdigkeit von 18 Tagen on the road noch von der legendären
MS Hoffmann (Sauklaue!) lesen kann, liest sich wie mein Lieblingsbuch "Mit
dem Fahrrad zur WM" (unsere Inspiration), und ich finde, wir haben einen
verdammt geilen Job gemacht vom 3. " 20. August 2006, in jeder Hinsicht.
Respekt vor deiner Ausdauer!
Also, come what may, Frauen, die uns um den Schlaf bringen, slowenischesque
Regenschauer, die Angst vor Prüfungen und der Zukunft, Niederlagen unserer
glorreichen Fußballvereine, Monate ohne gute Musik " nimm das Buch raus,
guck die Fotos an, hör die Playlist deiner Wahl und denk dir: Wer (wegen
mir) 1860km bei Novemberwetter und steigender Hitze fährt, wer 2240Meter
hohe Berge bezwingt, wer in der ungarischen Provinz Eiskaffee kaufen, ohne
Fahrradständerdurch die Slowakei radeln und Karaoke singen kann, der sollte
ja wohl auch mit solchen Bagatellen wie dem Alltag fertig werden. Und: Die
nächste Radtour kommt bestimmt.
Willkommen beim Fahrradfahren für Fortgeschrittene. Wow.
Jan, CNL Donaukurier, 20.8.06