Prolog, 25. Oktober: Malaga Stadtkurs

Distanz
14,45 km
Fahrzeit
0:59 h
Geschwindigkeit
14,79 km/h
Höhenmeter
34 m
Höchster Punkt
35 mNN
V max.
27,06 km/h

Jan: Bienvenidos al GND Ciclismo 8.0

Liebes Tagebuch, wir machen jetzt da weiter, wo wir am 3.11.2012 aufgehoert haben. Damals haben wir knapp 925 km hinter Marrakesch live mitverfolgen koennen, wie der Mittelmeersommer langsam in den dunkelsten und bis ca. Anfang Juni dauernden Winter ueberging. Es folgte allerdings der vielleicht schoenste Sommer unserer Leben, die ersten Marathons unter 3 Stunden, überlebte Triathlons, und auch Christian, Tobi und Claudia scheinen so fit zu sein wie nie und bester Laune. Die bayerische Sonne lacht am Flughafen Muenchen, die Prognosen für Spanien versprechen ebenfalls optimales Radfahrwetter, SommertourComebacklerin Raisa hat ein neues Hinterrad und ist verpackt für den Flug nach Spanien, die GNDSuisseDelegation bereits in Málaga gelandet es ist also alles angerichtet für den Bau des letzten fehlenden Teilstücks auf der GNDCyclingSüdwestNordostMagistrale MarrakeschMingaSt. Petersburg. Also Amigos, initialisieren wir die App Iberex13, und schauen wir, ob wir den Kampf gegen Sonnenstich, Sintflut, Killerdracht, Schaltseilriss, Phantomsturz, Magendarm und andere Widrigkeiten bestehen und am 7.11. Bilbao erreichen.

 

Christian: Die allfällige Anreise. Dem Sommer hinterher

Wieder einmal ist ein Jahr vergangen und wieder einmal steht die allseits beliebte GND-Sommer-Tour an. Auch dieses Jahr unter dem Motto: „Der Sommer ist da, wo wir sind und eben nicht im Kalender“. Für mich persönlich ist das eine riesen Freude, dabei zu sein. Denn nachdem das Leben immer turbulentere Wellen geschlagen hat, habe ich nicht nur einen Job bei der SBB in Aussicht (ich muss nur noch den medizinisch-psychologischen Test 2 nach der Tour bestehen). Außerdem habe ich mir diese Tour im wahrsten Sinne redlich verdient und dafür drei Wochen lang auf der Olma Bier ausgeschenkt. Deshalb gehen besondere Grüsse auch an Simon und das Jahrmarktstübli, die mir die Tour somit ermöglicht haben. Aufgrund all dieser Dinge ist der IberEx zwar schon lange geplant, aber meine Mitfahrt hat sich erst ganz kurzfristig vorher ergeben. Wie gesagt, nun ist es umso schöner.

Es wird die siebte Sommertour der grandiosen GND-Historie und hoffentlich nicht die letzte. Insofern könnte man sich sogar erst einen Tag vorher zum mitkommen entscheiden, so routiniert sind die Handgriffe zum Packen und das vorhandene Equipment schon. Mit vielen Neuerungen und Gimmicks kann ich dieses Jahr nicht gross aufwarten, das einzig neue ist ein Adapter, um meine Reifen auch an Autotankstellen schnell und prall auffüllen zu können.

So wiederholt sich das Ritual, das wir bereits vom MaghrEx kennen dieses Jahr in Teilen und ich treffe mich mit Tobi am St. Galler Bahnhof vor dem SBB-Familienwagen und wir starten in Richtung Basel. Die Routenführung vom Basler Bahnhof zum Flughafen klappt ohne Karte und Navigator durch die vorjährige Übung perfekt und an ein paar Stellen bekomme ich so etwas wie ein Déjà-vu. Die Fahrräder sind schnell verpackt. Leider ist Tobi bei der Buchung ein Fehler unterlaufen und er hat „zu viel“ Zusatzgepäck gebucht. Zum Glück hatte ich zu wenig Zusatzgepäck angeklickt (nämlich genau gar keins) und so konnte ich ihm helfend zu Hand gehen und wir hatten genügend Velo-Taschen zum aufgeben, nicht zu viel Handgepäck und uns die Kosten für eine Stornierung von gebuchtem und nicht in Anspruch genommenem Zusatzgepäck gespart. Danke ;-)

Der obligatorische Sekt im Flugzeug versetze mich zwar in den erhofften ramdösigen Zustand, aber zur Ankunft und Aufbau in Malaga war ich natürlich wieder top fit. Auch beim Velo-Wiederaufbau nach Flugreisen stellt sich mittlerweile so etwas wie eine Routine ein und eventuelle Beschädigungen hat man eigentlich schon mit einkalkuliert. Die spannende Frage ist immer nur, wen und welche Teile es trifft. Nach der Feinjustierung führte Tobi uns sicher und zielstrebig an der San Miguel – Brauerei vorbei in Richtung Malaga City und Stadtstrand (er kennt den Weg vom Vorjahr ja schon genauso, wie die Überführungsroute in Basel). Das Mittelmeer ist erreicht und es wird der einzige Abend der Tour an diesem Gewässer sein, daher lassen wir uns ein kleines Bad nicht nehmen. Auch Ricola nicht, die beim Fotoshooting eiskalt ihren Ständer in den Sand einsinken lies und in die Wellen kippte. Toll, Flug überstanden, aber jetzt ist wenigstens ein bisschen Sand an allen mechanischen Teilen. Doofheit wird manchmal also doch bestraft.

Es ging weiter durch den Verkehr der Stadt, halbwegs zielorientiert zur Herberge in einer schnukeligen Einbahnstrasse. Eine offene Tür und professionelle Rezeption erwartete uns hier nicht. Dafür kam aber nach einigen Wirren (wir hatten uns gerade darauf eingestellt, wohl noch längere Zeit auf dem grossen Platz vor der Kirche abzuhängen) ein Telefonat mit der Guesthouse-Mum zustande, die mir zuerst auf Deutsch, alsbald dann aber doch auf Englisch kommunizierte, wo der Schlüssel versteckt ist und wie wir rein kommen.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, erfüllten wir freudig unsere touristischen Pflichten. Nicht ohne uns als Deutsche zu outen, denn zum einen bestellten wir unsere Pizza viel zu früh für spanische Verhältnisse (es war erst 20 Uhr) und viel auffälliger noch: Wir haben die leeren Pizza-Kartons und Dosen am Ende zu einem Mülleimer gebracht, anstatt sie regionaltypisch einfach auf den Platz zu werfen. Malaga ist eine ziemlich beeindruckende Stadt, mit einem grossen Hafengelände, wo nicht nur ein kleiner Rummel zum Stelldichin lädt, sondern auch eine Kreuzfahrtschiffgrosse Privatyacht vor Anker liegt. Im trockenen Flussbett sind Volleyballfelder abgespannt und wir lassen den Abend bei Bier und Schnaps zu Ende gehen.

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