Prolog, 19. Oktober: Konstanz – Romanshorn – St. Gallen

Distanz
43,1 km
Fahrzeit
über den Nachmittag verteilt
Geschwindigkeit
k. A.
Höhenmeter
k. A.
Höchster Punkt
k.A.
V max.
k. A.

Jan: Hey Ho, Let's Go!

Ich habe wieder die Ehre, mit einem vollbepackten Tourenrad in einem europäischen Fernverkehrszug zu sitzen. Kenner wissen, was jetzt kommt: Eine GND42-Sommertour. Und zwar schon die 7.! Es ist zwar schon Mitte Oktober, aber in Marokko und Spanien wird es in den nächsten Tagen wohl wärmer als August 2011 zwischen Berlin und Sankt Petersburg.

Die Sonne geht an diesem golden Oktoberdonnerstag (wieder einmal überwiegen die Pull- gegenüber den Push-Faktoren) unter über München, und Katja und ich fahren jetzt erstmal zu Tobi nach Sankt Gallen. Die Kernbesetzung, Christian und Claudia, stößt dann in den nächsten Tagen dazu, und nach Tim 2010 und Steffen 2011 haben wir auch 2012 wieder einen hochkarätigen Überraschungsgast im Gepäck beim großen Überraschungsfest des Tourenradelns. Erwähnte ich schon, dass ich der selbe Jahrgang wie Florian Silbereisen bin? Es gibt eben doch Dinge, auf die man stolz sein kann. In diesem Sinne: I freu mi.

 

Christian:

Eine schon bemerkenswerte Routine hat sich eingestellt. Es geht wieder auf GND-Sommertour, also packen, losfahren und dann ab die Post. Doch irgendwas ist anders dieses Jahr. Ben Wettervogel freut sich nämlich morgens davon berichten zu können, dass heute nochmal 20°C drin sind. Davon geht man doch eigentlich aus, bei einer Sommertour. Ach ne, ist ja die erste Sommertour im Winter. Öfters mal was neues. Neu ist für mich auch, dass ich mir gar nicht so sicher war, ob ich diese Tour mitfahren kann und soll, da mein Studium ja gerade in den letzten Zügen liegt (diese Aussage darf interpretiert werden, aber ich habe mir zwei Sachen geschworen: a) Ich schaffe das und b) Der MaghrEx wird richtig geil werden). Prüfungen und Sommertouren gehören traditionsgemäß ja schon zusammen, wenn man bedenkt, dass ich schon bei der ersten 2006 mein Geologiebuch mitgeschleppt hatte, damals jedoch noch für das Vordiplom.

Ricola ist wieder in einen nahezu neuwertigen Zustand gebracht, was mich einen saudummen Sturz direkt vor ihrer Geburtsstätte und einen verzweifelten Abend mit dem Selbstmontage-Set eines neuen Vorderschutzbleches gekostet hat. Soviel zum Thema „namhafter Hersteller“. Meine Gepäcktaschen werden auch immer größer oder vielmehr mein Gepäck kleiner. Ich hab keine Ahnung, was ich in den letzten Jahren alles für einen Pröll mitgenommen habe, aber es ist wohl kontinuierlich weniger geworden, denn denn wie bei allem im Leben lernt man, sich auf die wesentlichen und wichtigen Dinge zu beschränken. Ok, diemal ist kein Zelt und damit keine Isomatte und Schlafsack dabei, denn in einer Art Anne-Will-Talkrunde per Mailverteiler haben wir beschlossen, dass wir dieses Jahr keine Campingausrüstung benötigen werden. Auch das 2006er Geologiebuch sucht man vergeblich. Aber ich glaube, nichts Wichtiges vergessen zu haben.

Ich glaub, nicht Wichtiges vergessen zu haben genau bis zum Aufzug am Bonner Bahnhof. Da fällt mir ein, dass ich den Haarschneider eiskalt habe daheim liegen lassen. Ist nicht überlebenswichtig, aber eine Tourfrisur muss schon her und außerdem war der Haarschneider das einzig besprochene Gepäckstück, von dem gegenüber Jan die Verantwortung für ein Vorhandensein eines solchen übernommen habe. Aber in Konstanz, dem Ziel meiner Anreise hat es Geschäfte und ich eine Kreditkarte, womit mir das Problem lösbar erscheint. Ohne besondere Vorkommnisse kam ich am Konstanzer Bahnhof an von dem ich dann bei phantastischem Spätsommerwetter in Richtung Romanshorn losradelte. Ein Prolog gehört ja irgendwie auch schon dazu und zudem wäre es Verschwendung, dieses Wetter in dieser Gegend nicht zu nutzen.

Nach einem Husarenritt traf ich in Romanshorn mit Jan und Tobi die beiden anderen Godfathers of GND und am Strahlen der Gesichter konnte man denken, dass wir irgendwie alle Honigkuchenpferd-Gene in uns trügen. Gestärkt durch einen Schlemmersnack traten wir an, die letzten Kilometer hoch nach St. Gallen zu bewältigen. Tobi betätigte sich als Lokomotive und verlieh seiner Aussage, dieses Jahr so gut wie kein Fahrrad gefahren und daher eher unfit zu sein einen nur mäßigen Nachdruck.  In der Beatusstraße angekommen gab es das übliche Verwöhnprogramm mit Schnittchen, Gurken, Bier und Duschgelegenheit. In diese illustre Runde stieß alsbald auch unser Neuling und diesjährige Gastfahrer Philipp hinzu, dessen gute Laune auch durch Schicksalsberichte anderer GND-Gastfahrer zuvor nicht zu trüben war. Wer weiß, vielleicht hat Philipp ja auch Lust, nicht den Status des Gastfahrers zu behalten und wir können ihn langfristig vom GND-Qualitätskonzept überzeugen.

Zwischenzeitlich wurde es Zeit für eine neue Frisur, wofür habe ich denn noch einen neuen Haarschneider besorgt. Blöd nur, dass ich ihn unten im Velo-Seesack gelassen habe. Warum also dieses Gerät noch holen, wenn Tobi auch stolzer Besitzer von sowas ist. Dachte ich…. Tobis Anmerkung „Wenn der deinen Qualitätsansprüchen genügt, kannst du ihn nehmen“ blies ich in den Wind. Was sollte schon passieren, wenn das Ding ein bißchen stumpf ist? Dann würden ja eher weniger Haar als zu viele geschitten. Denkste! Man unterschätzt beim Testen die eingestellte Haarlänge und irgendwann ist es zu spät. Für die Zukunft merke ich mir einfach, dass 9mm etwas zu wenig ist.  Dennoch Danke an den Barbier Jan, der am Ergebnis sicherlich die geringste Verantwortung trägt, für die Bemühungen, zumindest eine halbwegs gleichmäßige Haarlänge hinzubekommen (Balotelli könnte mit einem platten Ball auch keine Tore schießen).

Krönung des Abends ist die Olma. Das ist keine Frau, die wir beim BaltEx kennen gelernt haben, sondern DIE Schweizer Bauern-, Nahrungs- und Volksfestmesse. Hier geht’s Abend. Eine zünftige Band heizt dem ohnehin schon nicht kalten Festsaal ordentlich  und die halbe Schweiz scheint hier unterwegs zu sein. Prost!

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