10. Etappe, 29. Oktober: Gibraltar – San Pedro

Distanz
63,41 km
Fahrzeit
3 h 28 min
Geschwindigkeit
18,31 km/h
Höhenmeter
580 m
Höchster Punkt
180 m NN
V max.
44,10 km/h

Jan: Adios, Mittelmeer

Tatsächlich - es gab Baked Beans, Spiegelei, Toast, Schinken und Würstchen zum English Breakfast. Zudem begegneten wir Richard, einem 71jährigen ulkigen Franzosen, der 42 Jahre lang der Butler von Prinz Philipp war. Jetzt bezahlt Philipp Richard, der gut auch bei Dinner for One mitspielen könnte, eine Weltreise. Auch nicht schlecht. Zudem wissen wir jetzt, wofür die Abkürzung adidas steht (bitte selber darüber nachdenken). Leider hatte das Aufklebergeschäft zu, und so machten wir uns ohne Aufkleber zurück auf den Anstieg zur Autovia 7 Richtung Malaga. Die Strecke war geprägt von Nobelhotels, schicken Apartments, witterungsbedingt leeren Stränden und Supermärkten (u.a. Aldi und Lidl). Zwischendrin tranken wir noch in Estepona einen Kaffee, und als "Sickest Rider of the Day" fällte Philipp hier die Entscheidung, dass wir die Etappe in San Pedro für beendet erklären und Marbella, ca. 10 km östlich davon, Marbella sein lassen. Von hier führt morgen die Straße direkt nach Ronda in die Berge. Unsere Unterkunft ist das elegante nH-Hotel, und ich habe sogar noch 10 Sekunden im geliebten Mittelmeer gebadet (ja, das ist an der Wohlfühlgrenze bei 16°C Außentemperatur - aber wärmer als Sopot 2011 ...) Außerdem erfanden wir auf unserer großen Paralympics-Tour noch ein lustiges Steinwurfspiel.

Nach einem Veltins und einem Cruzcampo in der Fußgängerzone fanden wir zum Glück noch Pepe Carmago, einen urigen Fleisch- und Fischkoch im Pullunder in einer Nebenstraße, und fühlten uns bei einer Paella, von der Claudia noch heute schwärmt, rundum wohl. Sehr zu empfehlen für den unwahrscheinlichen Fall, dass es den Leser mal nach San Pedro de Alcántara verschlägt. Wort zum Montag: Ich bin beileibe alles andere als ein TV-Junkie, trotzdem gut, wenn man in einer Stadt wie San Pedro montags Pro Sieben empfängt und noch ein paar “Deine-Mutter”-Sprüche für den nächsten Talkshow-Auftritt aufschnappt.

 

Christian:

Beim typisch englischen Frühstück spricht und ein Mann an, dessen Name Richard ist. Was zunächst nach einem normalen Feriengast aussah, entpuppte sich im Verlauf des Gesprächs als ehemaliger Butler von Prinz Philipp, der nun die Welt bereist und einen gewissen Charme besitzt. Hätte er ein bißchen mehr aus dem Nähkästchen geplaudert, dann hätten wir wahrscheinlich eine unglaubliche Karriere als angehende Society-Experten vor uns gehabt und wären bei allerhand TV-Formaten mit unseren schlauen Society-Expertisen in den TV-Bildrand hineinanimiert worden.  Im war aber nicht mehr zu entlocken, als dass die Royalen sehr nett seien und er nach der pausenlosen Arbeit im Alter nun in der einen Hand einen Stock und in der anderen einen Rollkoffer hätte.

Schnell sind wir wieder zurück in Spanien, Grenzkontrollen gibt es in Europa ja sowieso nicht mehr (lucky generation) und auf der schon bekannten Autobahn schrauben wir uns leicht abseits der Küste über die Ausläufer der andalusischen Berge. Ein Aldi und ein kleines Cafe sind die POIs (Pause of interest) dieser Etappe bis wir San Pedro erreichen. Es wäre wegen der frühen Zeit und der kurzen Entfernung schon noch möglich, bis nach Malaga zu fahren, da das aber sowieso nicht auf dem direkten Weg nach Ronda liegen würde, beschließen wir, hier für heute Schluss zu machen und stattdessen dem Mittelmeerstrand einen Besuch abzustatten. Mein lieber Scholli, ist das schon frisch hier am Wasser. Während wir über die Wassertemperatur lamentieren ist Jan der einzige, der sich hurtig in die herbstlichen Wellen schmeißt, um ein Bad zu nehmen. Chapeau – da ziehe ich meinen Hut. Mir erschien ein Fußbad mit späterem Trimm-Dich-Übungen als völlig ausreichend. In wissenschaftlicher Kleinarbeit erforschen Jan, Tobi und ich aka „The GND-Flintstones“ steinzeitliche Spiele. Das Resultat unserer Expertise lautet: Steinzeitliche Spiele zeichneten sich durch einen soliden Unterhaltungswert, hohe Flexibilität in der Spielgestaltung und ein hohes Schwierigkeitslevel aus.

Im NH-Hotel aufgebrezelt erkunden wir vorm Abendessen, welches in Spanien ja bekanntlich zu sehr später, nahezu unchristlicher Zeit erst eingenommen wird, die Stadt und gönnen uns schonmal ein Bierchen, während wir das mediterrane Leben einsaugen. Cruzkampo ist hier ganz groß im Geschäft, alternativ hätte man mir auch ein Veltins zapfen können, was ich dankend verhinderte. Schon verständlich, dass sich wohlhabende europäische Rentner hier gerne niederlassen. Nun aber zu einem weiteren Highlight, der originalen Paella: Nix Touri-Paella, sondern eine Originale. Zumindest behauptet das Claudia, die sich in ihrer Valencianer Zeit über diverse Zubereitungsoptionen und Zutatenvariationen einer Paella schlau gemacht hatte. Es schmeckt sogar mir, obwohl ich nicht unbedingt ein Freund von unpaniertem Fisch oder Meeresfrüchten bin. Der Wirt hatte Witz, die Paella Raffinesse, der Wein Bouquet  und wir ordentlich Hunger.

Eine Seltenheit im GND-Sommertour-Programm sind Fernsehabende. Heute war so einer. Das Ganze in Verbindung mit einer Flasche Rotwein, die ich wegen der definitiven Zusagemail aus St. Gallen springen ließ, welche mich vor kurzem über WiFi (sieht man mal, wie toll das ist) erreichte. Das hier ist ja ein Tourbuch und keine Fernsehkritik, aber dennoch kann ich jedem die „Old Ass Bastards“ nur wärmstens empfehlen. Gute Nacht!

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