11. Etappe, 30. Oktober: San Pedro – Ronda (KÖNIGSETAPPE)

Distanz
53,60 km
Fahrzeit
3 h 46 min
Geschwindigkeit
14,24 km/h
Höhenmeter
1.274 m
Höchster Punkt
1.100 m NN
V max.
51,72 km/h

Jan: Je grausamer das Wetter, desto schöner die Landschaft

Der Tag begann gut - mit dem sicher bisher besten Anti-Ox-Frühstücksbuffet der Tour. Dann setzte wie angedroht schon, nachdem wir die Räder aus dem Parkhaus geholt hatten, der Regen ein, der uns die rund 50 km bis Ronda treu begleitete. Claudia hatte leider schon zum Anfang der Etappe einen Platten am Ende des Pelotons, kein Werkzeug dabei und kam so in den Genuss einer Kleinbus-Eskorte ins Etappenziel. Wir genossen den mäßig steilen Anstieg, bei dem man sich schnell in sein Wohlfühltempo pedaliert, durch den Dauerregen. Tobi und ich erreichten kurz vor Mittag das einzige quasi oasenartig auftauchende Café an der Strecke, wenige Minuten später trudelten Philipp - mit seiner Bermudas und Müllsäcken über den Schuhen als Regenschutz - und Christian ein. Bei Kaminfeuer genossen wir hier noch ein paar warme Getränke und trockneten partiell noch unsere durchnässte Kleidung.

Von hier ging es noch kurz bergauf zu einem 1065 m hohen Passschild, dann mal eben, mal bergauf, schließlich endgültig bergab durch eine Landschaft, die sicher noch schöner wirkt, wenn sie nicht so verregnet und komplett wolkenverhangen ist wie heute. Wie dem auch sei, bald erreichten wir Ronda, wo sich ein Rennradfahrer (man muss schon noch bescheuerter sein als wir, bei Wetter wie heute freiwillig auf eine Rennradtour aufzubrechen) im Stile eines marokkanischen Bettlers, allerdings ohne erkennbare Absicht ("Das Gegenteil von gut ist gut gemeint"), an uns haftete, den wir aber zum Glück auch bald wieder loswurden.

Irgendwie fanden wir dann auch noch im Dauerregen unser Hostel, wo Claudia schon frisch geduscht auf uns wartete. Richtige Backpacker-Atmosphäre hier! Die heiße Dusche und heißer Kakao entschädigten schon für den sicher nasskältesten Abschnitt dieser "Sommertour". Ronda selbst finde ich auch beim dritten Besuch wieder herrlich, auch bei Regen, mit dem Fluss, der sich unterhalb der Brücken unglaublich tief ins Gebirge eingefräst hat. Wir aßen noch Tapas und feierten die Goodbye-Securitator-Party im Irish Pub. Jetzt haben wir sogar gegen Aufpreis eine Heizung im Zimmer - die Nacht ist gerettet.

 

Christian:

Irgendwie beginnen die Berichte zu den Etappen immer mit dem Frühstück und enden mit dem Abendessen. So auch heute: Es war das bisher umfangreichste und gleichzeitig auch deutscheste Frühstück, dass wir bisher auf dieser Tour hatten. So langsam verstehe ich, was Jan meint, wenn er zu bei meinem Hotel-Check-Bewertungsbogen zu schmunzeln beginnt. Wie zum Beispiel soll man dieses Frühstück nun bewerten, wenn bisher kein Frühstück weniger als 4/6 Sternen bekommen hat und die meisten sogar bei 5/6 Sternen landeten. Waren alle Frühstücke wirklich so gut? Was muss ein 2-Sterne-Frühstück  nicht bieten? Oder kann ich die untern drei Sterne einfach wegkürzen? Man weiß es nicht, für die Tour nächstes Jahr werde ich mal einen Anforderungs- / Kriterienkatalog erstellen, an dem wir uns dann orientieren können.

Wie dem auch sei, der Wetterbericht verspricht eine Menge Regen und der Kartenbericht jede Menge Höhenmeter. Also auf in die Tiefgarage unsere Bikes auslösen, Regenklamotten an und raus auf die Straße. Bei Philipp erleben Mülltütenüberziehschuhe ihr verdientes Comeback bei GND42. Ziemlich bald sortiert sich das Feld, Jan als Lokomotive stoisch vorne, dahinter Tobi, der sich mental auf diese Etappe fokussiert zu haben scheint, ihm folgt Philipp, dessen hohe Körperbewegung sagen will, dass ihm das Tempo vorne am meisten Mühe bereitet. Mit einigem, immer größer werdenden Abstand folge ich, getrieben von den Versuchen, mein ideales Tempo zu finden, den Höhenmesser und das vermutete Streckprofil immer vor Augen. Nicht weit hinter mir, aber mit steigendem Abstand ist Claudia, die sich immer noch mit ihrer Erkältung rumärgert, welche sich bestimmt nicht positiv auf das Leistungsvermögen auswirkt. Und da hänge ich nun im Berg, nass ist es, aber kalt keineswegs, ich unterteile mir die Strecke in Stücke á 30 Höhenmetern und errechne dann, wieviel Prozent ich insgesamt schon geschafft habe. Die Zahlen werden von Block zu Block motivierender. Schön, dass ich den Tacho ohne Brille lesen kann, denn die ist schon längst in meiner Lenkerbox verstaut, denn der Nutzen einer Brille bei solchem Wetter tendiert ins Negative. Das ideale Tempo hab ich auch gefunden, Tunnelblick, und wenn es so weitergeht, käme ich auch einen 2000er hoch. Eine solche Bergfahrt erzeugt Endorphine ohne Ende.

Ein Magengrollen zwingt mich zu einer kurzen Zwangspause, hier merke ich, wie schnell man auskühlt, wenn man sich nicht bewegt. Gerade wieder zurück auf die Straße, überholt mich ein Transporter, aus dem mir die Beifahrerin Claudia zuruft, dass sie einen platten gehabt hätte und wir uns in Ronda im Hostel wiedersehen.  Damit bin ich nun der Besenwagen, aber nicht lange, denn hinter einer Kurve erkenne ich ein Haus im Nebel und im letzten Moment, dass davor GND-Fahrräder parken. Die restliche Truppe hat schon bestellt und mit dem heißen Kakao wärmen wir uns vor dem Kaminfeuer alle etwas auf. So eine gemeinsam gemeisterte Herausforderung (die in erster Linie aus dem Wetter und nur in zweiter aus dem Berg bestand) gibt einen schönen Gruppenspirit, ähnlich wie 2006 in Slowenien. Zurück on the road war der Rest zwar nicht komplett geschenkt, aber ließ sich schnell abreißen. Kurz vor Ronda gesellte sich ein mysteriös gestikulierender Rennradfahrer vor Jan und mich. Er bliebt für einige Zeit in unserer Nähe, ich hab auch keine Ahnung, was er genau wollte, aber er nervte mich. Mittlerweile war mir nämlich leicht kalt geworden und ich sehnte das Hostel dabei, was man aber auch erstmal finden muss.

Claudia hatte das Hostel schon vorokkupiert und öffnete uns die Tür, denn der Hostelbesitzer war nicht zugegen. Trockene Klamotten, eine heiße Dusche und ein heißer Kakao tun jetzt Not. Vom Fenster aus blickt man genau auf die bekannte Brücke von Ronda und man merkt, dass wir alle geschafft sind vom bisherigen Tagwerk. Es regnet unermüdlich weiter und nur GND Westdeutschland traut sich zu einer Stadtbesichtigung und einem Aperitif wieder raus ins wilde Stadtleben. Das geile an Spanien, ich hatte es fast schon wieder vergessen, ist seine Tapas-Kultur. Lokalbesuche sind ein Überraschungsei, bei dem Schokolade (also dem Getränk) weiß man, was man bekommt und die Spielzeug (die Tapas) ist die spannende gelbe Box.

Zu Nahrungsaufnahme begeben wir uns dann geschlossen alle wieder in die immer noch verregneten Gassen von Ronda. Jan erklärt den Abend kurzerhand zur Goodbye-Securitator-Party im Irish Pub und mit den dunklen Bieren bzw. der saisonalen Spezialität „Halloween-Bier“ ertrinken wir uns das Anrecht auf zwei Guiness-Sklett-T-Shirts, über deren Zuteilung wir aufgrund ihrer Größe nicht weiter nachdenken müssen. Klar, essen waren wir davor auch noch in einem einigermaßen hochwertig designten Touri-Lokal, dessen arrangierte Menüfolge weder Raum für Lob noch für Tadel lässt. So wirklich alt werden wir an diesem Abend trotzdem nicht, aber ab 23 Uhr verpasst man ja auch nichts mehr.

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