12. Etappe, 31. Oktober: Ronda – Moron de la Frontera

Distanz
82,14 km
Fahrzeit
4 h 18 min
Geschwindigkeit
19,09 km/h
Höhenmeter
1.111 m
Höchster Punkt
732 m NN
V max.
46,73 km/h

Jan: Auf dem Weg zur Ruhe

Heute hieß es Abschied nehmen von Tobi nach dem Frühstück, bei dem der eher wortkarge Hostelbesitzer, der mit unseren Fahrrädern und dem stinkenden Regenzeug in einem Zimmer geschlafen hatte, immer schön darauf achtete, dass Orangensaft, Butter, Marmelade auch schön auf der Arbeitsplatte standen und nicht auf dem Tisch, an dem alle frühstückten. Ordnung muss eben sein. Während unser alter Securitator-Haudegen also Málaga ansteuerte, radelten Claudia, Philipp, Christian und ich durch eine weiterhin atemberaubende Landschaft, diesmal bei sehr angenehmen Wetter. Zur Mittagspause ging es ins sympathische Algodonales zum Menú del Dia. Neben einer grotesken Dame verspeisten wir Suppe, Hühnchen mit Pommes frites und Flan. Danach bogen wir das erste Mal auf dieser Tour auf eine Nebenstraße ab - so etwas sollten wir 2013 öfter machen. Der Verkehr war entsprechend ruhig, die Landschaft herrlich, am Ende erinnerte sie gar etwas an die Toskana. 40 km, nur 1 Ort (Coripe), und wir waren in Morón de la Frontera gelandet. 30 000 Einwohner zählt dieser Ort, aber es gibt nur ein - auch erst nach einer Runde Kaffee im Geräuschgewittercafé und längerer Suche auffindbares - Hostal mit 1 Stern. Aber wir haben alles, was wir brauchen, und ein Vierbettzimmer für 66 Euro. Kaum hat man sich auf Andalusien eingestellt, ist es leider auch schon wieder vorbei ... naja, ein Tag auf der Straße bleibt uns ja noch.

In Morón gibt es ca. 50 Bars, aber auch nur ein wirkliches Restaurant. Heute war der GND zu Tisch bei Don Miguelito, und auch hier ließ es sich gut aushalten. Dazu laufen kleine Kinder im Helloween-Kostüm herum. Wohl dem, der Luuutscher dabei hat. Ich grüße alle Leute, deren Mütter ohne Verkleidung auf Helloween-Parties gehen. Oder im Ozean schwimmen und Afrika heißen.

 

Christian:

Die Brücke über den Fluß (Río Guadalevín, wie ich bei Wikipedia herausgefunden habe) beudet für uns auch eine Brücke des Abschieds. Auf den nächsten Kilometern müssen wir die Helme noch fester zurren und die Maximalgeschwindigkeit begrenzen, denn: Tobi, alias „Der Securitator“, verlässt die Szenerie und uns, um nach Malaga zum Flughafen zu fahren. Leider muss er am Freitag arbeiten und kann daher nicht mit bis nach Sevilla durchziehen. So heißt es also Tschüss, bis zum nächsten GND-Klassentreffen.

Das Wetter ist heute schon wieder ein gutes Stück besser als gestern, es ist trocken und ab und zu zeigt sich sogar die Sonne. Die andalusische Berglandschaft ist durchaus für einen neuerlichen Landschaftorgasmus geeignet. Es ist zwar hügelig, aber das macht mir nichts aus. Ich brauche immer meine Zeit zum einrollen am Anfang einer jeden Sommertour, aber dann läuft’s und mit den ersten gemeisterten Bergetappen kommt schnell auch eine beruhigende Fitness zurück. Eine weitere kulinarische Erinnerung an Spanien ist das Menü del Claudia, ein günstiges, meist dreigängiges Standardessen, was in fast jedem Lokal angepriesen wird. Ideal für Radfahrers Mittagspause. Ich traue mich, eine Knoblauchsuppe zu bestellen und anfängliche Zweifel wandeln sich in schiere Begeisterung für die Vorspeise. Derweil sorgen umhersitzende Gäste für ein unterhaltsames Rahmenprogramm. Geil, dieser alte Herr, der vom anderen Ende zu einer Dame an den Tisch gewunken wird, dort deren Bier austrinkt und nahezu wortlos wieder an seinen Tisch geht.

Moron ist eine ungewöhnliche Stadt, kaum eine ebene Fläche, kein Hotel weit und breit, mehrere Kirchen, eine Burg, tausend Bierbars, touristische Leitschilder…. Aber wo ist das Hotel. Ich schreibe ganz bewusst „wo ist DAS Hotel“ und nicht „wo ist EIN Hotel“. Dass wir in Spanien sind merkt man daran, dass wir zur Siesta ankommen und absolut gar nichts los ist. Klar, wir haben es gefunden und es ist gar nicht schlecht. Schöne Kultur hier, es gibt, wie schon geschrieben, unendlich viele Bierbars. Es scheint, als ginge man direkt vom Bankschalter, Bagger oder der Praxis zu nem Bier und Tapas hier her, noch bevor man den eigentlichen Feierabend zu Hause macht. Ich freu mich jetzt schon auf den IberEx, den ich mit Jan für’s nächste Jahr schonmal grob angeplant habe.

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