OK, erst nur die nüchternen
Rahmendaten: Wir sind von München nach Grödig gekommen.
Grödig ist ein kleiner Ort kurz hinter Salzburg. Wir haben
Meike und Thomas in Rosenheim am Bahnhof aufgegabelt und Tobi in
Traunstein getroffen. Also alles hervorragend gelaufen? Denkste!
Den Weg aus München raus
haben wir recht gut gefunden., Zwar sind ein paar kleine Umwege
dabei, aber das ist mit dem Fahrrad in einer unbekannten Großstadt
ja nichts wirklich tragisches. Allerdings müssen wir ja zugeben,
noch nicht in unserem richtigen Tourrhythmus gewesen zu sein, und
so ist es beim Aufbruch auch schon 11 Uhr - aber wir sind dafür
zumindest gut ausgeschlafen und topfit. Ein paar Regentropfen draußen
gibt es zwar, aber im Großen und Ganzen ist es noch trocken.
Irgendwo nach München in der Walachei, genauer gesagt, hinter
dem Ort Haßlach, folgt nun die bayrische Realität nicht
mehr unserer, wahrscheinlich preußischen, Karte. Es sind Orte
ausgeschildert, die es laut Karte hier nicht geben dürfte und
die Straße ist kurviger als wir es erwarten. Jetzt weiß
ich auch was es bedeutet, wenn es heißt "Karten vereinfachen,
generalisieren die Realität". Kurz gesagt: Spätestens
jetzt wird uns klar, dass wir uns grandios verfahren haben.
Georg hat sich nebenbei leider schon am ersten Einsatztag seine
Regenhose zerstört, indem er sie zweimal vom eigenen Kettenblatt
hat einsaugen lassen. Mein Tipp, die Hose doch in die Socken zu
stecken, kommt wohlwollend, aber auch wohl etwas zu spät.
Nachdem wir zwei nette Reiterinnen
("Ich fahr da zwar jeden Tag lang, aber habe keine Ahnung wie
die Orte heißen") und ein Ehepaar mit Hund gefragt haben,
finden wir wieder auf den rechten Weg zurück, nun leider bei
einsetzendem Regen. Mit nicht geringer Verspätung treffen wir
somit auf Meike und Thomas am Rosenheimer Bahnhof. Die beiden nahmen
die Bahn und trafen pünktlich ein, so dass sie nicht nur trocken,
sondern auch wenig pausenbedürftig sind. Trotzdem beschließen
wir, uns im Bahnhof zu stärken und den Starkregenschauer noch
abzuwarten. Diese Siesta erstreckt sich auf ca. eine Stunde und
der Regen denkt noch immer nicht ans aufhören.
Unter slowenischen Bedingungen meistern wir die ziemlich hügelige
Landschaft in Richtung Chiemsee und erfahren, dass sich bayrische
Rentnergruppen durch solch ein Wetter nicht von gesellig-zünftigen
Nachmittagen abbringen lassen. Neben durchaus bemerkenswerter Bewunderung
zollen sie uns auch noch einen heißen Tipp zurück auf
die richtige Straße.
Allerdings haben wir in Prien
am Chiemsee dann doch leider sämtliche Motivation aufgebraucht,
alle sind durchnässt und ausgekühlt, so dass wir beschließen,
mit dem Zug die Strecke nach Freilassing zu überbrücken.
Leider läuft auch dieser Plan nicht ganz rund, denn ich habe
mir nochmal 10 Euro abziehen lassen. Kurz dazu: Ich habe einer seriös
anmutenden Dame ihr Bayern-Ticket für 10 Euro anstatt der regulären
19 Euro abgekauft. Tolles Geschäft, möchte man denken.
Allerdings nicht für mich, denn die Dame verkauft mir ein "Bayern-Ticket
Single" und nicht die Version für fünf Personen.
Wir aber sind fünf Personen und das Ticket somit leider nutzlos.
Naja, shit happens halt.
Erstmal läuft nun wieder
alles rund, und in Traunstein steigt wie abgesprochen Tobi zu uns
in den Zug. Nun ist unser Team bis Zagreb also komplett. In Freilassing
geht es raus aus dem Zug, um per Velo den ersten Grenzübertritt
zu vollziehen und nach Salzburg einzurollen. Dort angekommen erfahren
wir dann allerdings, das just heute in Salzburg Festspiele sind.
Als logische Folge sind leider alle Gästebetten besetzt, und
wir geben nicht auf, unser Glück im nächsten Ort zu versuchen.
Somit radeln wir bei einsetzender Dunkelheit die Salzach hoch. Zugegebenermaßen
fahren wir nicht langsam und plötzlich war Tobi weg. Schlimmer
noch: Ich habe einen entgangenen Anruf von ihm auf dem Handy, versuche,
zurückzurufen, doch entweder er hebt nicht ab oder ist generell
nicht zu erreichen. Wir radeln deshalb in ernster Sorge den kompletten
Weg zurück und scannen dabei den Wegesrand, weil Tobi ja durchaus
gestürzt sein könnte. Nach einer guten Stunde und fast
wieder zurück in Salzburg, meldet sich Tobi endlich wieder.
Er nahm einen anderen Weg und hatte bereits nach einer Unterkunft
Ausschau gehalten - leider ohne Erfolg.
Deshalb suchen wir, immer noch im Regen und nun noch bei Dunkelheit,
weiter eine Bleibe für die Nacht. In einem noblen Golfhotel
kann uns die Rezeptionistin zwar kein freies Zimmer mehr anbieten,
aber sie telefoniert sich die Finger wund und organisiert uns somit
noch ein freies Zimmer in Grödig. Damit bekommt sie den ersten
Lance dieser Tour verliehen. Das versprochene Hotel war schnell
gefunden, das teuerste der gesamten Reise übrigens, aber trocken
und was Gutes zu essen gibt es auch noch. Grödig gut, alles
gut.
Einer taffen Angestellten (vielleicht
sogar Juniorchefin) kann ich noch folgende Worte für mein Tourbuch
abringen:
"Trotz Regen habt ihr es geschafft, zu später Stunde
im Hotel Unterberg euer Quartier zu beziehen. Komplett durchnässt
innen so wie außen konnten wir Euren Heißhunger trotz
später Stunde noch stillen.
Gute Weiterfahrt und besseres Wetter wünscht Euch
Nadine und unsere Unterberg-Crew"