#1b
So 29.07.07 abends Bad Gastein, km 90 (Jan)
Bischofshofen – Bad Gastein. 51 km, 17,2
km/h. Wetter: 20°C, regnerisch
Team: Jan.

Unverhoffter
Prolog Teil II
Apropos abenteuerlich und suboptimal:
In Bischofshofen erzählte der „Schalterseppl“ (siehe Tagebuch 2006)
mir, dass ich eigentlich keine Chance hätte, per Bahn+Bike vor 23 Uhr
am Camping in Klagenfurt zu sein. Bislang hatte ich von der ÖBB immer
recht viel gehalten, aber warum drei IC in Folge ohne Fahrradmitnahme
Richtung Klagenfurt fahren, bevor um 20 Uhr einer mit Radabteil (angeblich
schon ausgebucht) einer im Skisprung-Mekka Bischofshofen eintrifft,
versteht wohl nur die ÖBB selbst. Zwar war ich jetzt nicht so heiss
aufs Radeln, 1. da ich wusste, dass mein Rad und ich noch viel in den
nächsten Tagen und Wochen leisten müssten, 2. da ich die Fahrkarte bis
Klagenfurt schon in Bonn gelöst hatte und 3. da ich gar keine Landkarte
für Österreich dabei hatte (nichts ist so motivierend wie der Blick
auf eine Landkarte!), aber - bei aller Liebe zu österreichischen Erholungsorten
– auf einen fünfstündigen Aufenthalt in Bischofshofen hatte ich nun
wirklich auch keine Lust. So fuhr ich erst in unerwarteter Hitze (fast
wie im Juli 2006) in der Salzach hoch bis Schwarzach-Sankt Veit. Dort
setzte dann der Regen ein, der mich noch ins Gasteinertal hinein verfolgte.
Ich hatte keine Ahnung, wie hoch Bad Gastein liegt, da ich hier ja eigentlich
mit dem Rad auch gar nicht hinwollte. Nach
16 ebenen Kilometern in diesem Tal folgte dann die erste wirkliche Herausforderung:
Bad Gastein liegt laut Herbergsmama auf 1090 m. Ü. N.N., und vorm Ortseingang
kann man, sofern wie ich mit mehr als 20 kg beladen, mehrere Kilometer
lang das ganz grosse Ritzel testen. Oben war ich dann um 18 Uhr und
stand wieder vor der Wahl: bis 20.42 Uhr auf den Zug nach Villach warten
oder mir eine Unterkunft suchen. Da ich relativ durchgeschwitzt von
innen und –genässt vom nordeuropäischen Sommerregen war, entschied ich
mich, die JH aufzusuchen. Das stellte sich als keine so schlechte Idee
heraus, denn über ein Einzelzimmer für 18 € mit Dusche & Bad mit vier
Betten in der Hochsaison (oder ist die im Winter? Wohl eher) kann man
nicht meckern. Es dünkte mir die bessere Wahl als um 21.54 in Villach
und 22.38 in Klagenfurt zu sein und sich noch eine Unterkunft suchen
zu müssen. Vielleicht
ist morgen das Wetter zwischen Klagenfurt und Ljubljana ab 12.20 deutlich
schlechter als um 9 Uhr, aber dass «Slowenien = Starkregen» ein Naturgesetz
ist, weiss ja jedes Kind auf dem Dreirad, das unsere Tagebücher von
August 2006 gelesen hat.
P.S.
Ich habe gerade wirklich den ersten Döner des Jahres gegessen.
Nachtrag:
The times they are changing
An der Rezeption der JH fragt mich
ein Mann, ob ich gerade aus Frankreich komme. Ich stehe bei sowas ja
oft auf der Leitung und erwidere: „Nee, Deutschland“. Er: „Nein, ich
meine von der Tour de France?“ Vor ein paar Jahren hätte man wohl geantwortet:
„Nee, so gut bin ich nicht“, heute denkt man eher: „Paar aufs Maul?“,
denn die Frage klingt wie „Na, wieder gekokst?“ oder „Gehören Sie zur
Mafia?“ Also, zum Glück komme ich nicht aus Frankreich, auch wenn ich
mich manchmal frage, wie sich Berge anfühlen würden, wenn ich Testosteronpflaster
im Hoden kleben hätte. Aber die Frage stellt sich wahrscheinlich genausowenig
wie die nach einer Mitgliedschaft bei der Mafia. Apropos:
Ich freue mich auf Südosteuropa und darüber, dass der Radsport nach
dieser wieder mal rabenschwarzen Tour de France zur Ruhe kommt. Unser
Orient-Express ist glaube ich eh drei Gewichtsklassen höher: Mehr Länder,
schwerere Räder, sympathischere und ungedopte Fahrer, alles selber organisiert.
Tour de France? „Da regt mich ja die Frage schon auf!“ (Loriot)
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