Die unzähligen Höhenmeter
des Vortages führten im Grunde genommen zu einer sehr geruhsamen
Nacht, weil das ja klar ist. Am nächsten Morgen genießen
wir erst einmal das deftige österreichiche Hotelfrühstück,
um dann in Ruhe die Räder wieder aus dem Skikeller zu frachten
und startklar zu machen. Dabei treffen wir auf einen gut gelaunten,
einheimschen Bergführer, der in früheren Tagen auch einmal
eine ziemlich krasse Tour gemacht hat, aber ich habe leider vergessen,
was es genau war. Wir radeln also los und ernüchternderweise
bestehen die ersten Meter immer noch aus einer Steigung. Die Plakerei
hat aber schnell ein Ende, und während Meike und Thomas schon
die Abfahrt genießen, suchen Georg, Tobi und ich das Passschild
für ein Angeberfoto. Anscheinend legt Obertauern wenig Wert
auf seinen Status als Alpenpass, denn das Passschild ist gut versteckt
und prangt am Pfeiler eines großen Coca-Cola-Olympiastützpunkt-Schild.
Nun geht es erstmal abwärts
und in der Morgensonne rollen wir Vollspeed unserem Ziel entgegen,
welches in kleinem Maßstab erst mal Tamsweg ist. Hier machen
wir es uns auf einer Verkehrsinsel bequem, um die Karte zu bemühen
und zu entscheiden, wie bzw. wo wir denn die nächste vertikale
Barriere überwinden wollen. Zur Wahl stehen die Turracher Höhe,
die zu nehmen uns wahrscheinlich in einen Zustand höchster
Extase, aber auch Atemnot bringen würde. Oder wir nehmen die
flache, zum Angeben eher ungeeignete Flattnitzer Höhe, welche
wir als Gruppe dafür wohl geschlossen überleben können.
Den Zuschlag bekommt die 1.400 Meter-Variante und wir genießen
noch ein paar Kilometer die Schwerkraft, bevor wir das Murtal in
Stadl (nicht ohne eine ausgiebige Stärkungspause) verlassen.
Der Berg lässt sich erfreulich gut nehmen, wir passieren ein
Wasserkraftwerk mit dem mir vertrauten Namen "Bodendorf"
und durchqueren ein gut gesichertes Militärgebiet. An der Grenze
von Steiermark und Kärnten, kurz vor ganz oben, hält das
Führungstrio von Meike, Tobi und mir an, um uns selbst zu bewundern.
An besagtem "ganz oben" genießen wir die Pause,
die Sonnenstrahlen und das in Höhe des Konkurrenz-Passes vorbeiziehende
Gewitter, bis der Rest des Feldes eintrifft. Thomas schmiedet derweil
in Anspielung auf Georg Pläne für eine neue studiVZ-Gruppe
"Ich schiebe schneller als du fährst". Leider wurde
der Zustand seines Knies durch die erneuten Höhenmeter nicht
besser.
Die Hürde des Tages ist
gemeistert und mit wir nähern uns stetig unserem Tagesziel
Klagenfurt. Auf den letzten Kilometern wird die Reisegeschwindigkeit
durch ein aufziehendes Regengebiet nochmals erhöht und hätten
Tobi und ich in Klagenfurt nicht noch mit dem Fahrrad durch den
McDrive fahren wollen, hätte das wohl auch nichts mehr dran
geändert, doch noch etwas nass zu werden. Beim Burger-Mampfen
spricht uns ein pfiffiger, österreichicher Familienvater an:
"Wohin solls denn gehn?" "Nach Istanbul" "Ah,
nicht schlecht. Und jetzt mal ohne Schmarrn?"
Wir beziehen unser komfortables Jugendherbergszimmer im Uni-Viertel.
Vor dem Eingang sitzen zwei ältere Männer, spielen Schach
und hören Schlagerradio. Eben das Schlagerradio beschert mir
für mindestens drei Tage einem grauseligen Ohrwurm: "Die
kleine Kneipe" vom guten Peter Alexander. Naja, zumindest nicht
DJ Ötzi...
Traditionell lassen wir den Abend
mit geschmack- und gehaltvollem Essen ausklingen, diesmal also im
Klagenfurter Uni-Viertel. Was sich zunächst gut anhört,
entpuppt sich leider als Rohrkrepierer. Die Auswahl ist nicht sehr
groß und wir nehmen eine Pizzaria, wie ich sie noch aus den
80er-Jahren bei uns kenne., die "Uni-Pizzaria": Unfreundlich,
nicht lecker, nicht viel, dauert lange und überteuert. "Schnell
weg" denken wir uns, vielleicht finden wir noch eine angenehmere
Kneipe für das Belohnungsbier. Leider nicht! An einem Bistro,
das auch irgendwie das Wort "Uni" im Namen trägt
zögern wir wohl etwas zu lange, worauf der Wirt direkt heraus
kommt und wir uns nun rechtfertigen müssen, warum wir denn
nicht reinkommen wollen. Klagenfurt, wir haben dich durchschaut
- "Uni" ist bei euch ein Synonym für "weniger
gut"!
Trotzdem: Gut geschlafen haben wir.