Über die Nacht in der Jugendherberge
Klagenfurt können wir uns nicht beklagen. Beklagen müssen
wir jedoch eine temporäre Teamreduzierung, nämlich Thomas,
der weiterhin über sein Knie klagt und den Weg nach Ljubljana
per Bahn auf sich nehmen will. Zu viert starten wir demnach in das
dritte Land der Tour und gehen ziemlich sicher davon aus, dass es
kein Zucker schlecken wird. Auf uns wartet der Loibl-Pass, und aufgrund
Jans Bericht von vor zwei Wochen wissen wir, dass dieser Pass nicht
nur aus 3% - Steigungen besteht. Doch bevor es richtig los geht,
passieren wir erst einen kleinen Vor-Berg bei Maria-Rain zum Warmwerden
und überqueren die Drau. Nun ist der Loibl direkt vor uns,
wir blicken auf die Karawanken, fördern beim ansässigen
Spar-Markt ein letztes Mal die österreichiche Wirtschaft und
dann geht es los.
Der Loibl besteht sozusagen aus
zwei Teilen, zuerst klettert man auf den Kleinen Loibl, um dann
wieder knapp 100 Meter bergab zu rollen und schließlich bis
nach oben zu fahren. Spätestens am zweiten Anstieg geht die
loibl-Wertung an Meike, die ungefähr zehn Minuten auf mich
heraus gefahren hat und somit ein für alle mal Robert länger
kennt als wir.
Mit Robert hat sich nun auch
die letzte personelle Unbekannte geklärt. Wir kennen ihn über
das studiVZ und wollten ihn eigentlich schon vorher treffen. Eine
Kontaktaufnahme war jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr möglich,
weil er schon ein paar Tage länger on the road ist und bei
einem Regenschauer in den Alpen die Funktionsfähigkeit seines
Handys eingebüst hat. Aber er kannte unsere Route sowie den
Zeitplan und dachte sich pfiffigerweise, einfach an exponierter
Stelle auf uns zu warten. So tat er es auch gestern auf der Turracher
Höhe, welche wir dann bekanntlich aber nicht genommen haben.
Aber der zweite Versuch ist nun ja erfolgreich gewesen - wunderbar!
Was passiert sonst noch am Loibl? Tobi kommt als nächster oben
an, wir machen eine Fotosession am 17 % - Steigung - Schild, setzen
uns hinter die letzte Kurve und warten auf Georg. In der Zwischenzeit
wird vor uns eine Baustelle eingerichtet und die Polizei teilt uns
mit, dass Georg wohl nicht allzu weit weg gerade verschnauft.
Die Landesgrenze befindet sich
direkt im Tunnel, aber fototauglicher sind die Schlider an der Zollstation
dahinter mit Blick auf die Karawankengipfel. Die folgende Abfahrt
gewinne ich, wahrscheinlich (wenn auch unbeabsichtigt) weil ich
vorhin angeblich mal das Wort "Schlaglöcher" gebraucht
habe. Somit rase ich auch als erster in eine Polizeikontrolle, wo
ich ziemlich bestimmt darauf hingewiesen werde, dass diese Straße
nix für Fahrradfahrer ist. Aber der Polizist hat ein Einsehen,
es gibt keine Strafe und nachdem die anderen eingerauscht sind,
sollen wir lediglich unsere Fahrt auf erlaubten Straßen fortsetzen.
Meike kennt den Weg von ihrer letzjährigen Tour und leitet
uns bei Kaiserwetter (das ist der Beweis: In Slovenien gibt es auch
noch was anderes als Regen) souverän zuerst nach Kranj, dann
nach Ljubljana.
Wenn die Länge der Einfahrt
in eine Stadt ein Indikator für deren Größe ist,
so ist Ljubljana eine gefühlte Millionenstadt. Am Bahnhof treffen
wir Thomas, dessen Knie die Bahnfahrt gut überstanden haben.
Er hat bereits einen Campingplatz ausgemacht, der allerdings am
nördlichen Stadtrand liegt, also dort, woher wir gerade gekommen
sind. Deshalb schauen wir uns vor dem Zeltaufbau die Stadt an. Diese
überzeugt uns, und wir beschließen, auch schon das Abendessen
zu besorgen. Es läuft auf das landestypische Gyros hinaus,
welches die Slowenen gerne beim Griechen um die Ecke kaufen. Beim
Verzehr treffen wir noch auf eine Art Weltenbummler, der angeblich
gerade ein Buch über Reisen auf der Welt schreibt und von uns
auch ein Foto haben möchte. Er stammt aus dem Iran, war aber
schon in Indien, ist jetzt Texaner, hält sich aber gerade in
Slovenien auf, oder so. Ich habe es ehrlich gesagt nicht ganz verstanden,
aber das muss man ja auch nicht, solange es eine erfrischende Unterhaltung
ist.
Zum ersten Mal kommen die Zelte
am abend zum Einsatz und nach einem Campingbier gehen wir ziemlich
früh schlafen, denn am nächsten Tag kommt der vorläufige
hardest Part, die Megaetappe nach Zagreb.