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#5 Mi 15.08.07 Zagreb, km 619

Ljubljana – Zagreb. 160 km, 20,1 km/h. Wetter: 30°C, sonnig
Team: Christian, Georg, Meike, Robert, Thomas, Tobi.

Husarenritt zur Teamkomplettierung

Ich habe die heutige Etappe schon am Vorabend unverblümt als Härtetest angekündigt, so dass alle mindestens eine Nacht Zeit hatten, sich darauf mental vorzubereiten. Selbst ich, obwohl ich eigentlich unfreiwillig immer zum Optimusmus neige, habe leichte Bedenken, ob das denn heute alles so funktionieren wird wie geplant. Es muss einfach, denn erstens würde sonst der Tourzeitplan schon vor dem ersten Zwischenziel Zagreb über den Haufen geworfen und zweitens habe ich Jan auch versprochen, dass wir definitiv am Mittwoch Abend in Zagreb sein werden. Hier stand also auch mein Ruf als seriöser Tourenplaner auf dem Spiel. Nach der ersten Camping-Nacht (es war übrigens der erste und auch einzige Einsatz von Tobis neuem Salewa-Zelt auf der Tour) gibt es also ein frühes und ausreichendes Frühstück, dann werden schnell die Zelte abgebaut und ich habe neben meinem normalen Kram auch ein Motivations-Wörterbuch, ne Menge gute Hoffnung und, für alle Fälle, einen Knüppel eingepackt.

Der Campingplatz liegt im Norden von Ljubljana und direkt an der Sava. Somit ersparen wir uns den wahrscheinlich zeitintensiveren Weg durch die Stadt und fahren mehr oder minder parallel zur idyllischen Sava. Ich finde, es läuft sehr gut, die morgentlichen Temperaturen sind angenehm, und außerdem glaube ich, dass uns heimlich ein bißchen Rückenwind vorwärts schiebt. Doch in diese glücklich stimmende Atmosphäre drängt sich langsam aber sicher Ungemach. Zum einen in Form vom Galwik'schen Knie, welches wohl eher kaputter als gesünder wird. Somit wird Thomas nicht nur zusehends langsam, sondern an jedem Ort mit Bahnhof plagen ihn Entscheidungsfindungsgedanken, ob er nicht einfach eine Bahn nehmen soll (was er aber letzendlich nicht macht). Zum anderen ist bei Georg die Luft raus, nämlich aus seinem recht porösen Hinterreifen. Haben wir das Problem am ersten Supermarkt noch als ein schleichendes diagnostiziert, das man durch temporäres Aufpumpen einigermaßen im Griff behalten kann, wurde es kurze Zeit später doch so groß, dass wir Georg verloren hatten und auch Warten für den Zeitraum von zwei oder drei Aufpumpstopps den ersehnten Mitfahrer nicht in Sichtweite brachte. zu allem Übel war Georg auch nicht per Handy zu erreichen, hatte er dieses doch aus Stromspargründen ausgeschaltet. Wir positionieren uns also im Schatten auf einer überdachten Sava-Holzbrücke. Während Robert und Tobi ein Bad im Fluss nehmen, erreiche ich endlich Georg, der von einer schwerwiegenden Reifenpanne zu berichten weiß und noch etwas Zeit für die Reperatur beantragt. Als er dann auch die Brücke erreicht, sind wir wieder komplett und gut 1,5 Stunden verstrichen. Es geht weiter und schon hinter der nächsten Kurve wird uns bewusst, dass es schlimmere Dinge gibt, als einen platten Reifen und etwas Zeitverlust: In eine Stück verkohlten Hang direkt neben verbrannten Teer der Straße stehen mehrere Kreuze mit Namen.

Wir rollen weiter im heißer werdenden Sava-Tal. Ein Einheimischer dirigiert uns von seinem Vorgarten aus hektisch gestikulierend, aber durchaus freundlich, wieder auf den Radweg, als erkennt, dass wir im Begriff sind, die falsche Abzweigung zu nehmen. Tobi rettet meinen Fahrradhandschuhe, die mir irgendwie aus der Trikottasche gefallen sind, Meike und Robert radeln munter vor sich hin, Georgs Laune scheint mir nicht mehr die beste zu sein und Thomas befindet sich weiter im Dreispalt zwischen Fahrrad, Knie und Bahn. Auch wenn es nicht unbedingt hier hinein passt, möchte ich noch das Kraftwerk mit dem riesigen Schornstein erwähnen, aber man kann sich ihm nicht entziehen.

Es wird Nachmittag, und langsam öffnet sich das enge Sava-Tal in eine eher weitläufige Ebene. Es wird noch heißer, und nun ist auch der Schatten des Tals weg, und die Sonne knallt auf uns. Im Nachhinein lässt sich sowas ja immer nett umschreiben, aber ich würde sagen, dass die Moral der Truppe an dieser Stelle zu zerbrechen droht. Es ist unsäglich heiß, man kann gar nicht genug trinken und die Vorräte sind nach 5 km fast immer wieder leer. So kommen Stimmen auf, einfach hier Feierabend zu machen und am nächsten Morgen erst in Zagreb einzurollen. Der einzige Spaß besteht gerade daraus, Bananenschalen auf die Schienen zu werfen und zu schauen, wie ein Zug drüber fährt. Meine pessimistischsten Erwartungen scheinen sich also zu bewahrheiten. Das kann nicht sein! Es ist doch erst Nachmittag und bis auf die Hitze ist Rom doch noch nicht verloren. Ich packe deshalb all meine Motivationskünste zusammen, spreche vom Zeitplan, heroischem Einrollen in Zagreb, dass Jan auf uns wartet und es dumm wäre, jetzt wo es langsam wieder abkühlt nicht weiter zu fahren. Ergebnis: Es war erfolgreich und wir rollen wieder. Außerdem habe ich tatsächlich den Eindruck, dass die Temperaturen nun in einen deutlich angenehmeren Bereich fallen.

Im Sonnenuntergang nähern wir uns der Grenze. Was für eine Dramaturgie. Wie sich das gehört kommt erst die Ausreise. Hier erzählen uns die slowenischen Zöllner, dass diese Grenze eigentlich nur für Kroaten und Slowenen sei und nicht für den Transitverkehr von Touristen. In einem Atemzug meinen sie aber auch, dass dies ihnen eigentlich nicht so wichtig sei und wir doch einfach unser Glück 100 Meter weiter bei den Kroaten versuchen sollten. Schließlich sei der nächste offizielle Grenzübergang ca. 20 km entfernt. Und wie man auf solchen Touren lernt, ist es meistens die beste Taktik, Tatsachen zu schaffen und sich dann dumm, aber freundlich-kooperationsbereit zu stellen. Doch auch wenn uns diese Masche noch das ein oder andere Mal helfen könnte, so war sie an dieser Stelle nicht nötig, denn wir können problemlos nach Kroatien einreisen.

An dieser Stelle ruft auch Jan an, dem ich die frohe Botschaft direkt weiterleiten kann. Seinen Tipp, den Rest Helligkeit noch für die letzten 20 km nach Zagreb zu verwenden, befolgen wir. Meiner Meinung nach läuft es entlang der weniger schönen und stark befahrenen Einfallstraße wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen. Das sehen aber wohl nicht alle so und ich werde zur Drosselung meiner Geschwindigkeit ermahnt. Kurz vor dem Ziel haut es Thomas noch erst mit dem Reifen in die Straßenbahnschienen und dann um. Zum Glück alles nicht schlimm.

Am vereinbarten Treffpunkt rufe ich Jan an. Kurze Zeit später kommt er um die Ecke und DAS TEAM IST KOMPLETT. Er leitet uns quer durch Zagreb zum anvisierten Hostel, welches wir freudig beziehen. Der Besitzer ist ein Deutscher aus Baden-Württemberg. Er ist ziemlich cool und bietet uns den großen Schlafsaal mit viel zu niedriger Eingangstür (aua!) an. Ein Schnäppchen ist das ganze trotzdem nicht und außerdem müssen wir wohl noch an unserem Poker-Face arbeiten, denn als könnte er Gedanken lesen meint Marko, der Hostelchef, mit einem Augenzwinkern: "Wie, Duschen? Klar, im ersten Stock, das kostet dann aber extra! - Haha". War natürlich ein Gag und nachdem wir geduscht und mit Jan unsere bisherigen Erlebnisse ausgetauscht haben, führt er uns noch in die Stadt, wo wir in der vom Vorjahr bekannten Bäckerei lecker Gebäck kaufen und uns zur Feier des Tages noch ein Bier genehmigen.