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Di, 21.08.07 Smederevo, km 923 (Jan) 1203 (Christian)
Belgrad - Smederevo. 49 km, 21,2 km/h.
Wetter: 30°C, heiter bis wolkig
Team: Christian, Georg, Jan, Robert, Tobi.

Halbetappe
aus der Radfahrerhölle
In Belgrad begann der Tag mit Morgenregen und einem Kaffee im Hostel,
zu dem der Besitzer lustige Geschichten u. a. von Roter Stern Belgrad
erzählte. Wir konnten uns am «freien Vormittag» weder
zum Haareschneiden noch zum Haarschneider kaufen aufringen, waren
aber in einem Internet-Café mit Freigetränken (Brausetablette)
und tauschten das erste rumänische Geld von unserer Freundin
aus Brüssel, die sichtlich erleichtert war, es an irgendjemanden
loszuwerden.
Die zwei jungen Hostelbesitzer sitzen den ganzen Tag vorm PC mit
Reggae- und Ska-Musik sowie Dial-Up-Modem. Sie boten uns an, auch
bei sich ins Internet zu gehen, und dort sahen wir, dass uns in den
nächsten Tagen trotz des Morgenregens heute Hitze, Sonnenschein
uns bis zu 36°C in den nächsten Tagen erwarten würden.
Um 14.50 Uhr hatten wir unsere Räder aus der streichholzschachtelgroßen
Abstellkammer geholt und begaben uns in die Belgrader Radfahrerhölle:
Hupende, stinkende Autos und Busse, schmale Straßen und Straßenbahnen.
Eine Stunde später hatten wir es überlebt. Tief aufamen
– und dahinter kommt gleich das Mittelgebirge.
Zugegebenermaßen, bei 49 km von einem Donauort zum nächsten
und das auch noch flussabwärts, gähnt wahrscheinlich die
Oma zu Hause, aber ganz einfach war es dennoch nicht. Neben der Hitze
und dem Verkehr tauchten zwei lange, recht selektive 8%-Steigungen
auf. Mit Robert «Alberto Contador» konnte ich an der ersten
nicht mithalten, aber and er zweiten kamen wir quasi zeitgleich vor
Christian, Tobi und dem immer stärker werdenden Djordje an. Ich
denke, wir sind mittlerweile alle an Anstiege bei 30°C gewöhnt
wie an das Anschalten eines PCs.
Immer wieder erkannte man zur linken Hand die nach der Sava-Mündung
riesig gewordene Donau, und schon bald waren wir in Smederevo. Der
Serbien-Reiseführer empfahl dort das «Hotel Smederevo»,
doch das sah von außen und innen aus wie ein schlechter Witz.
Zum Glück war es nach Angaben eines lustigen alten Mann außer
Betrieb («ne radi»), so dass wir gar nicht erst in Versuchung
kamen, hier zu übernachten. Stattdessen fuhren wir ins Zentrum
der Kleinstadt und setzten uns erstmal an ein Gebäude, an dem
euphemistisch «Tourist Information Organisation» stand,
aber keine drin war. Während Tobi und ich Cola und Burek genossen,
versuchte Georg, in einer Wechselstube nach einem Hotel zu fragen,
doch der Mann verstand wohl gar nichts. Robert und Christian hatten
mehr Erfolg und fanden ein Dreibettzimmer (wiederum sehr sauber!),
in dem ich gleich wieder auf der Isomatte schlafen kann. Danach Essen
in der Stadt, Bier aus Montenegro und für einen Teil der Truppe
endlich Nudeln. Für mich nicht. Mal gucken, wer morgen vorne
ist.
Christian:
Ich muss auf dieser Etappe irgendwie leicht durch den Wind
gewesen sein, denn mein Tagebuch besteht aus mehr oder weniger unzusammenhängenden
Stichworten (z.B. "Sportladen - teurer und seltsam aussehender
Nobelfriseur - teure Schneidemaschinen - viel Trubel vorm Krankenhaus").
Auf jeden Fall versucht Georg an diesem halben Ruhetag, durch einen
Stadtrundgang mit der Belgierin mehr über die serbische Hauptstadt
zu erfahren.
Bei der Unterkunftssuche in Smederevo
geraten Robert und ich zunächst an einen unsympathisch pöbelnden
und ziemlich voll gedröhnten Jugendlichen an einer Bushaltestelle.
Ich bezweifle, dass er nur unser Bestes wollte, aber die Mädels
aus seinem Freundeskreis bremsen sein Temperament. Puhh!
In der Pension Kruna (Werbevideo
haben wir auch noch gefunden, siehe rechts), in die wir sogar unsere
Fahrräder hoch in den Flur tragen dürfen, treffen wir auf
einen Gast aus Tübingen, der gerne ein Bier mit uns trinken möchte.
Wir vertrösten ihn, wollen aber dennoch ein Bier trinken und
finden uns ganz im Sinne unseres einzigen Toursponsors "Beck's"
auf Stühlen unter riesigen Becks-Sonnenschirmen wieder. Nach
der abendlichen Stärkung steht nur noch die Pensions-Außentür
unserer Nachtruhe im Wege. Sie läßt sich weder von Georg
noch von mir öffnen. Doch aller guten Dinge sind drei: Als Jan
es versucht, bekommen wir umgehend Zugang zu unserem Zimmer. Es gibt
eine Klimaanlage, und um zu schlafen, müssen wir sie diesmal
auch nutzen. |

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