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Mi, 22.08.07 Berzasca, km 1060 (Jan) 1338 (Christian)
Smederevo - Berzasca. 137 km, 20,9 km/h.
Wetter: 35°C, heiter bis wolkig
Team: Christian, Georg, Jan, Robert, Tobi.

Lustige
Grenzer, der erste Defekt und das erste Bad
Ich sitze an der Donau und wurde gerade
Zeuge eines fantastischen Sonnenuntergangs, nachdem ich ein Bad in der
Donau genommen hatte. Das haben wir alle getan – ob wir es überleben
werden, wird sich zeigen.
Der Weg hierhin: Tatsächlich brachten wir es alle fertig, heute
um 6 Uhr aufzustehen und vor 8 Uhr mit Frühstück im Bauch
und Proviant auf Smederevos Straßen zu sein, um die angesagten
35°C am Mittag zu vermeiden. Kurz dahinter überquerten wir
die riesige Donau und waren in Kuvin, wo uns Einheimische den Weg
nach Bela Crkva wiesen. Bei Gegenwind fuhren wir durch eine Landschaft,
die eine wie eine Mischung aus Sylt und einem Golfplatz aussah.
Bela Crkva machte einen sehr schönen
Eindruck. Dort waren wir vor 12 Uhr bei km 60. Es gibt ein paar Badeseen,
und wir stoppten bei einem kleinen Dorfladen mit einer niedlichen
Verkäuferin, die extra herauskam, um uns unsere leeren Wasser-
und Colaflaschen abzunehmen. Mülleimer sind in Serbien nicht
so verbreitet. Oder es ist die neue serbische Service-Mentalität?
Außerdem trafen wir einen alten Mann, der des Deutschen mächtig
war. Er erzählte, dass die Stadt Weißkirchen heißt
und es viele Deutsche hier gibt, dank Mutter oder Maria Theresa.
Von hier waren es noch 11 km mit
12%-Rampe zur serbischen Grenze. Kaum hatten wir die Steigung bezwungen
und holten unsere Kameras für Panorama-Fotos heraus, tauchte
ein Jeep der Militärpolizei auf. Feldwebel Zivkovic und sein
Kollege kontrollierten unsere Reisepässe und ermahnten uns, wir
hätten uns in Smederevo doch die Festung angucken und uns serbische
Freunde zulegen sollen, die uns die zahlreichen Schönheiten des
Landes zeigen würden. Da wir in den letzten drei Tagen immer
ordnungsgemäß die Aufenthaltsbescheinigungen der Hostels
und Pensionen gesammelt hatten und auch sonst wie immer durch unseren
Charme überzeugten, blieb Fw Zivkovic aber nichts anderes übrig,
uns schließlich einen schönen Restaufenthalt in Serbien
zu wünschen und ließ zur Grenze fortschreiten zu lassen.
Hinter der rumänischen Grenze
hielt ein junger Grenzpolizist uns an und fragte, wo er in Süddeutschland
Autos kaufen, zulassen und versichern könne. Das stellte er sich
wohl recht einfach vor. Wir gaben ihm zwei Internet-Seiten, er war
zufrieden und glücklich. Glücklich war auch Christian rund
45 Minuten nach einer Schrecksekunde mit anschließendem OP-Einsatz:
Auf dem ersten rumänischen Kilometer war sein Schaltseil gerissen.
Ohne Schaltung kann man vielleicht den Rhein entlang nach Köln
oder in Hannover um den Maschsee fahren, aber definitiv nicht fahrender
Weise nach Istanbul kommen. Zum Glück hatte Tobi noch Schaltzüge
dabei, und nach einiger chirurgischer Arbeit des OP-Teams war der
Super-GAU des Nicht-Weiterfahren-Könnens erstmal abgewendet,
auch wenn die Schaltung vom Mann im Gelben Trikot noch hörbar
spinnt. Außerdem ist sein mittlerer Zahnkranz jetzt schon, nach
seinen Angaben bereits seit Klagenfurt, hinüber.
Natürlich machten wir danach
keine längere Mittagspause mehr, sondern kämpften uns über
den südwestlichsten Karpatenausläufer und landeten schließlich
an der Donau. Die Landschaft dort erinnerte mich erst an die Steppe
und auf den letzten 25 km an oberitalienische Seen. Die Donau dürfte
hier ähnlich breit sein, und am Abend war es dann auch wieder
recht angenehm zu fahren, während das Thermometer tagsüber
37°C angezeigt hatte.
Wie ich es nach dem ersten Tag
einschätzen kann, ist das Preisniveau hier deutlich höher
als in Serbien, die Landschaft herrlich, die Infrastruktur dürftig,
die Autos eher genervt als freudig hupend, der Verkehr aber insgesamt
sehr gering.
Der Plan des Wildcampens wurde
davon durchkreuzt, dass wir eine Pension fanden, wo wir Dusche, Essen,
Donaubad und Campingplatz für 10 Euro aushandeln konnten. Ich
bin auf meine erste Nacht in Rumänien gespannt – ob wohl
Karpatenhunde mein Zelt auffressen?
P.S. Ein rumänisches Wort
gelernt: Multumesc heißt danke.
Christian:
Der Tag beginnt früh, aber sehr heiter. Georg bekommt
vier Eier zum Frühstück und weil wir mit der Bilderbuch-Menükarte
nicht so ganz klar kommen, ordern wir einfach alles. Bis auf Tobi,
der sich mit einem Hot-Dog zur Stärkung begnügt. Ebenfalls
sehr lustig finde ich auch, dass wir erst nach Rumänien einreisen
können, nachdem die Grenzer ihren Chef, der wie eine Mischung
aus ehemaligem sozialistischen Vorarbeiter und Otti Fischer aussieht,
nach draußen geholt haben. Er schaut uns wohlwollend an und
gibt seinen Leuten die Anweisung zur abschließenden Grenzabfertigung.
Meine gute Laune weicht langsam
ernsthaften Sorgen, denn obwohl meine Schaltung dank eines klasse
Werkstatt-Teams gerettet werden konnte, zeigt mir auf den nächsten
Kilometern auch das große Kettenblatt die kalte Schulter. Auf
dem kleinen bis Istanbul, wenn es überhaupt hält? Oh oh,
warum konnte das nicht 1.000 km vorher kaputt gehen? Dann hätte
ich es nochmal zu Radsport Schmitz gegeben!
Die Nacht verbringen Jan, Tobi
und ich unter freiem Himmel schlafend. Wer braucht bei diesem Wetter
und an diesem Platz schon ein Zelt? Einfach herrlich!
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