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#14 So, 26.08.07 Sofia, km 1486 (Jan) 1767 (Christian)

Berkovica – Sofia. 92 km, 18,3 km/h. Wetter: 25°C, Regen und Sonne.
Team: Christian, Georg, Jan, Robert, Tobi.

Der erste Regen und der höchste Berg zwischen Klagenfurt und Istanbul

Auch in Bulgarien kann es regnen. Wie in Kroatien 2006 passiert das vorzugsweise um 6 Uhr morgens auf dem Zeltplatz. Als ich aufstand, bemerkte ich einen Mann, der mit dem Auto anhielt und ausstieg. Ich hoffte schon auf eine erwähnenswerte abenteuerliche Unterhaltung, Action-Szenen und einen darauf folgenden Polizeieinsatz mit Abriegelung des Geländes, doch der Mann wollte wohl nur ein paar Zagorka oder Kamenitza (Bier) wegbringen und fuhr weiter. Weiter fuhren wir auch wir, und zwar zur ersten Tankstelle nach Berkovica, wo ein Angestellter vorm Fernseher eine US-Serie guckte und sich freute, dass er mal aufstehen und uns einen Kaffee und Mineralwasser verkaufen konnte. Nach einem Frückstück unter einem zum Regenschirm umfunktionierten Sonnenschirm nahmen wir mit dem Petrohanski-Pass auf 1400 Metern Höhe den höchsten Berg seit Österreich (für mich sogar der ganzen Tour bislang) in Angriff. Mit Roberts Antritt konnte ich etwas länger (ca. 1 km) mithalten als Christian, der ansonsten - im Gegensatz zum Vorjahr – dieses Jahr überhaupt nicht abzuschütteln war. Was ein Jahr gemeinsames Doping, ähem, Training doch ausmacht ...

Bei Nieselregen, ca. 11 km/h und 8% Steigung fuhr ich alleine zwischen Robert und Christian den Pass, der an den Schwarzwald erinnerte, hoch. Um 10.26 Uhr war ich oben, 3 Minuten hinter Robert und 3 Minuten vor Christian. Nach ein paar Fotos an der Talsperre auf der Passhöhe begaben wir uns in ein winziges Imbissstübchen und sahen beim Kaffee, wie es danach richtig heftig anfing zu gewittern. Wie am Klausenpass im Juli kam Tobi erst im Starkregen an, wiederum guter Dinge, diesmal aber mit freiem Oberkörper statt mit der legendären Kapuze. Auch Georg überlebte mit ca. 1 Stunde Rückstand den Pass. Gegen Mittag hatten wir Heißgetränke, Weinblätter und Kekse zu uns genommen, das erste Mal seit Österreich (die anderen) bzw. Slowenien (ich) die Regenklamotten übergezogen und nahmen die Abfahrt in Angriff.

Die Straßenverhältnisse waren fürchterlich, und Robet erlitt einen weiteren Defekt an seinem 180-Euro-Fahrrad. Das Feld riss auseinander auf der Abfahrt, die zu 1/3 auch wieder aus Anstiegen bestand. Christian und ich blieben wieder zusammen und warteten in Sofia, das uns mit einer herrlichen Hochhaussilhouette empfing, eine Stunde am Billa-Markt aufs Peloton – vergeblich. Ich malte mir schon aus, was passiert war (halsbrecherische Stürze, Überfälle, Gabelbrüche, tückische Kampfhunde), da mir dieser Abstand doch etwas groß erschien und wir niemanden auf dem Handy erreichten. Wir fuhren weiter zum gigantischen Hauptbahnhof, der etwas aussieht wie das Münchner Olympiastadion. Dort waren wir um 17 Uhr verabredet. Kaum nachdem sich Christian bei McDonald's einen Hot Dog gekauft hatte (weil es keinen Cheeseburger gab), geschah das Wunder: Tobi kam gewohnt lässig auf uns zu, und alle anderen waren auch unversehrt da.

So konnten wir uns Richtung Innenstadt auf die Suche nach einem Hostel begeben. Das erste war zwar sehr gut, aber voll. Erst im Hostel Sofia wurden wir fündig und kamen mit dem Personal aus Panama ins Gespräch. Ich sprach auch wohl etwas Spanisch, sagte aber immer «da» statt «si». Die Innenstadt ist nach dem ersten Eindruck auch sehr schön, es gibt eine große orthodoxe Kirche, eine große Moschee und viele McDonald's. Wir aßen sehr viel in einer Pizzeria mit Speisekarte mit hilfreichen Abbildungen. Georgs Plan, das Royal Restaurant auf einer Hochhausterrasse mit Panoramablick zu stürmen, wurde leider von einer typisch bulgarisch-charmanten-wunderschönen 60jährigen Servicekraft «NO! it is CLOSED!» durchkreuzt, aber dafür erhielten wir einen aufwändig gestalteten Flyer des Nachtclubs Fetisch und nach Kilogramm berechnete Eiskrem. Jeder von uns benutzt ein anderes Wort für die bulgarische Währung (von Mark über Kronen bis Lipa), Tobi findet die Etappen zu einfach, und Christian braucht wirklich dringend einen neuen mittleren Zahnkranz.

 

Christian: Ja, jetzt kommt die erste richtige Bergwertung seit langem. Ich versuche stoisch, meine 10 bis 10,5 km/h zu halten und klebe an Jans Hinterrad. Doch als er dann einen seiner berüchtigten Berg-Zwischensprints einlegt, um Robert zu folgen, rolle ich ich plötzlich alleine auf der ansteigenden Straße. Aber der MP3-Player versüßt mir eine Zeit lang die Auffahrt, bis er dann unverschämterweise plötzlich streikt und mir der Berg plötzlich doppelt so steil vorkommt. Der Pass kommt schneller als der Regen, was mich sehr freut. Vor dem verdienten Kaffee, Tee und Snack im Imbiss machen wir noch ein paar Fotos auf der Passhöhe und stehen gerne auch Modell für einen bulgarischen Familienvater, der uns emsig filmt. "Wunderbar", denke ich, "der kann doch dann ein Foto von uns zusammen machen", aber leider war er wenig hilfsbereit (ich schreibe absichtlich nicht, dass er "typisch bulgarisch" war, obwohl auch er eine große Nase hatte).

Das Team komplettierte sich im Laufe der Zeit und des Starkregens wieder und das Wasser schien eine anregende Wirkung auf die Alarmanlage eines hier geparkten Opel Astras zu haben, der sich vom Besitzer kaum mehr beruhigen ließ.

Die eher schlechten Straßenverhältnisse auf dem Weg nach Sofia waren wohl auch der der Grund für Roberts Pannenserie (erst kracht der Reifen, dann die Anhängerschraube). Meine Ängste um die Kettenblätter schwanden mit jedem Kilometer, den wir näher an Sofia waren. Hier würde ich bestimmt Ersatz finden. Zunächst finden Jan und ich aber eine noch nicht eröffnete Tankstelle, von der zwei Hunde zu uns rannten, die augenscheinlich nichts Gutes im Sinn hatten. Aber wir hatten Kraft in den Beinen und zudem das Pfefferspray, welches ich nun endlich mal benutzen durfte. Einen Hund habe ich damit wohl "verblüfft" und außerdem weiß ich jetzt, dass aus der Dose keine Pfefferspray-Wolke ausströmt, sondern ein gezielter Strahl.

Den spanisch sprechenden Personen im Hostel gebe ich wiederum Tipps für den Autokauf in Deutschland per Internet und werde noch zum Autofachmann. "Ob man denn einen Mercedes in München für 10.000 € verkaufen kann", wollen sie wissen. Die Antwort darauf ist ähnlich schwierig wie die Antwort auf die Frage, ob man in Sofia Zahnkränze kaufen kann.

Übrigens haben wir an diesem Abend die Frappe-Phase der Tour eröffnet.