#24 Do, 06.09.07 Sahin bei Marmaraeglisi, km 2439 (Jan) 2721 (Christian)
Istanbul - Sahin. 114 km, 21,6 km/h. Wetter:
25°C, heiter bis wolkig.
Team: Christian, Felix, Jan, Robert.

Heimweg,
Teil 1
Heute sitze ich direkt
am Strand des Marmara-Meers. Als wenn sich die Top 3 der Tour bis
Istanbul für die Rückreise per Rad qualifiziert hätten,
fahren Robert, Christian und ich heute Richtung Griechenland weiter,
während Tobi und Georg noch im Hotel bleiben und später
zurückfliegen.
Mit von der Partie ist
ab Istanbul die Lokomotive von Enzen (dem Nachbardorf meiner Heimat
Helpsen), Felix Harting, mit seinem wirklich preiswerten 50-Euro-Damenfahrrad.
Dieses transportierte er zusammen mit einem Schwalbe Marathon-Ersatzreifen
für meinen fast völlig abgefahrenden Conti-Security-Reifen
heute Nacht im Germanwings-Flugzeug von Dortmund nach Istanbul und
anschließend mit Bus und – mangels adäquater Luftpumpe
- zu Fuß vor die Hagia Sophia, wo wir uns um 9 Uhr trafen.
Nach Abschied von Tobi
und Georg fuhren wir die deutlich angenehmer zu fahrende Meerpromenadenstraße
aus Istanbul hinaus zum Atatürk-Flughafen und von dort wieder
zurück auf die D 100/E 5. Erster Stopp dort war der riesiege
Real, der leider keine Gaskartuschen hatte, dafür aber versuchte,
Christian 6 x 3 Liter Cola Turka für 1 gekaufte Flasche zu berechnen.
Christian musste, um sein Geld wiederzukriegen, noch Adresse und Telefonnummer
hinterlassen. Sonst sind die Türken aber nach wie vor cool, hupen,
winken, plaudern – bislang Platz 1 aller Länder für
diese Menschen, von denen ja nur ein geringer Teil über den Tisch
ziehen will. Ich wurde gefragt, wie teuer mein Rad ist, und nicht
mal für den Freundschaftspreis für 1000 Euro (meine Antwort
auf «how much?») wollte ein Radsport-Veteran mir es abkaufen.
Vielleicht war er ja auch nur einfach so interessiert.
Bislang bleibt das neu
gefundene Quartett gut zusammen, Robert kann am Berg evtl. mal etwas
wegfahren, Felix in Flip-Flops oder manchmal sogar barfuß eher
weniger. Hier in Sahin teilen wir uns den Strand mit den Anglern.
Die Angler angeln, und wir grillen mit einem Einweggrill Köfte.
Bislang war es der angenehmste Tag vom Wetter her, nur beim Real nieselte
es mal ganz kurz. So kann es bitteschön bleiben, während
in Deutschland angeblich schon der Nachtfrost Einzug hält.
Christian:
Frostig ist die Stimmung trotz Abschied von zwei Teammitgliedern
in Istanbul keineswegs. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich
einerseits nun auf die Rückfahrt freue, es aber motivationsmäßig
schon schwieriger ist, weil wir das große Ziel Istanbul ja schon
erreicht haben. Aber es läuft gut und der breite Standstreifen
auf den Hauptstraßen ist ein idealer Radwegersatz.
Wahrscheinlich aufgrund der Erholung
in Istanbul rollt es wie geschoben und ich fahre mich gegen Ende des
Tages tatsächlich in einen Rausch über die großen,
leicht hügeligen Straßen in der Nachmittagsonne.
Eigentlich steht der Tag heute
unter dem Stern lustiger Einkaufserlebnisse. Angefangen hat es mit
unserer Suche nach einer Campinggaz-Kartusche. Sie verläuft letztendlich
zwar ohne Erfolg, aber Jan bekommt heute für seinen unnachgiebigen
Einsatz zur Besorgung einer solchen den Lance des Tages. Noch in Istanbul
stürmt er ein Sportgeschäft an der Hauptstraße, findet
sogar eine Kartusche, die allerdings nicht auf unseren Brenner passt,
wie wir draussen merken. Deshalb tauscht er sie wieder um. Den zweiten
Versuch unternimmt er im riesigen REAL-Markt, leider aber kann man
dort unseren Wünschen auch nicht entsprechen. Entsprechen kann
man aber meinem Wunsch, dass ich nur meine eine Flasche Cola Turka
bezahlen will und nicht die sechsfache Menge. Die falsche Programmierung
der Kasse lässt sich aber nicht einfach wieder rückgängig
machen. Erst kommt eine Person, die zum entsprechenden Regal geschickt
wird, um sich vom ordnungsgemäßen Preis zu überzeugen.
Dann kommt eine weitere Person, die das Storno an der Kasse macht.
Nun muss ich mit meiner Ware und Kassenzettel zur Information. Hierher
wird eine weitere, hierarchich höhere, Person bestellt, die meinen
stornierten Kassenbon und meine Ware kontrolliert, um dann meine Adresse
zu notieren, mir einen neuen Bon zu erstellen und das komplette Geld
wieder auszubezahlen. Nun muss ich die einzelne Flasche Cola an der
Information nur noch einmal neu kaufen und schon ist das Problem gelöst.
Fazit: 20 Minuten, fünf Angestellte, eine 3-Liter-Cola-Flasche
und stets freundlich. Am Abend werden wir vor einem Supermarkt Zeuge
einer Autoalarmanlage, die von Jamba gesponsert zu werden scheint.
Während wir die Alarmanlage und die im Kraftfahrzeug ruhig sitzende
Familie bestaunen, kommt ein Kunde aus der Bäckerei und drückt
uns im Vorbeigehen zwei Tüten mit Sesamkeksen in die Hand.
Den Feierabend vertreiben wir uns
mit einem Bad im Marmarameer, dem Versuch zu grillen und unter freiem
Himmel zu schlafen. Hier kommt leider während der Nacht ein Regenschauer
und zuerst bedecken wir uns nur mit der Zeltplane, später bauen
wir dann doch noch das ganze Zelt auf. Von nun an sind die sandfreien
Zeiten in Zelt, Gepäcktasche und überall sonst vorbei.
|

|