#27 So, 09.09.07 Touzla, km 2867 (Jan) 3146 (Christian)
Egiros - Touzla. 161 km, 22,2 km/h. Wetter:
21°C, heiter bis wolkig.
Team: Christian, Felix, Jan.

Robert
ist weg, dafür sind Schaltprobleme da
Wir sitzen auf einem Campingplatz
„Alexandra“ an der griechischen Küste. Eine Seniorengruppe,
von denen eine Frau uns gerade ungefragt noch einen Schaschlikspieß
geschenkt hat, guckt eine DVD, nachdem sie einen Tisch weiter Bifteki
und Salat gegessen hat. Sonst ist der Campingplatz wohl für Kinder,
aber seit dem 22.8. sind die Kinder alle weg und wir dürften
uns in ihre Zelte legen.
Vorher hat sich der eifrige
Robert von uns getrennt, da er nach einem nicht ganz durchschaubaren
Plan so fahren will, dass er am 20.9. wieder in Frankfurt ist. 130
km am Tag sind wohl nicht genug ... Wir, die „Lüttich-Gruppe“,
ließen es zu dritt bei 24 km/h durchs flache Land ruhig angehen,
rollten an orthodoxen Kirchen mit Gesang vorbei durch Xanthi und in
einem Dorf dahinter zu einer Predigt eines Lokalpolitikers. Nächstes
Wochenende sind nämlich Wahlen in Griechenland. Die Supermärkte
sind wie bei uns sonntags geschlossen, aber Tanken mit bescheidenem
Sortiment (im Optimalfall Kaffee zu horrenden Preisen) haben offen.
Viele Leute sprechen Deutsch, ansonsten erklären sie mit Händen
und Füßen, was Fahrrad auf Griechisch heißt („podilato!“)
und erzählen Geschichten von Australien. Mehr habe ich nicht
verstanden. Felix „Bizykles“ fallen oft diverse Sachen
vom Gepäckträger.
Sehr schön bleibt
Kavala bei km 100 in Erinnerung. Dort machten wir eine Strandpause.
Danach fing meine Schaltung völlig an zu spinnen. Erst schaltete
sie nicht auf die größten Ritzel hinten, dann drehte Christian
wohl in Hoffnung auf Besserung an dem Rad meines Schaltwerks, und
daraufhin ließ sich auch nicht mehr aufs große Kettenblatt
schalten. Auch nach 30 Minuten verzweifeltem Rumgeschraube an allen
möglichen Stellschrauben gelang es mir nicht, vorne hochzuschalten.
Egal, wir fuhren noch 40 km an diesem wunderbaren Sonntag (ausnahmsweise
mal kein Sonntagsregen), Christian hielt vorne 30er-Schnitt, und wir
fuhren zu besagtem Camp Alexandra an die Küste ab. Dort war es
etwas leer, aber eine reizende Griechin machte uns Campingplatz und
Bifteki klar. Jetzt duschen und morgen hoffen, dass es in Thessaloniki
einen guten Fahrraddoktor gibt.
Christian:
Robert ließ sich nicht beirren und startete ca. 30 Minuten vor
uns am Morgen weiter in Richtung Heimat. Ich wusste nicht, dass sein
Plan so eng war, dass es auf eine halbe Stunde ankommt (nicht erwähnen
möchte ich hier, dass er natürlich auch schneller und länger
als wir unterwegs ist). Bevor er losbrauste, erklärte er in einem
Interview noch kurz das Geheimnis seines Erfolgs, nämlich "Haferflocken
zum Frühstück".
Jetzt wissen wir ja, wie man stark
und schnell wird und radeln zügig, aber dennoch gemütlich
durch Griechenlands Osten, vorbei an tief fliegenden Vögeln,
um uns unter anderem an einer Tanke von einem deutsch sprechenden
Renter einen Frappe mixen zu lassen. Griechenland ist eindeutig das
Land des Frappe und Frappe ist eindeutig eins der besten Sommergetränke
für Radfahrer.
Wie eng Glück und Pech miteinander
verknüpft sind, zeigt folgendes Beispiel: In Kavala machen wir
Pause und springen ins Meer. In einem Restaurant, wo man natürlich
auch deutsch spricht, kaufe ich drei Frappe und bekomme noch drei
Stücke Kuchen dazu geschenkt. Auf dem weiteren Weg finde ich
eine Griechenland-Fahne, die ich mir natürlich direkt an die
Tasche klemme. Doch schon kurz später klagt Jan über akute
Schaltprobleme, die ich, vor Tatendrang strotzend, zu lösen versuche.
Leider geht das nach hinten los, mit den oben beschriebenen Folgen.
Kurze Zeit später weht mir meine Fahne bei einer Abfahrt von
der Stange - Fahne weg, aber Felix kann mir zumindest sagen, wo ich
sie verloren habe.
Wahrscheinlich aufgrund des Haferflocken-Tipps
und dem Frappe rollt es gegen Ende der Tagesetappe wie geschoben und
ich fahre mich tatsächlich in einen Rausch (passiert mir auch
nicht oft) über die großen, leicht hügeligen Straßen
in der Nachmittagsonne.
Geschlafen und gegessen haben wir
auf dem Campingplatz gut, wir können uns sogar den Zeltaufbau
sparen und haben es sogar geschafft, Felix von diesem Campingplatz
in der Nachsaison zu überzeugen.
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