#28 Mo, 10.09.07 Thessaloniki, km 2985 (Jan) 3266 (Christian)
Touzla - Thessaloniki. 118 km, 21,3 km/h.
Wetter: 25°C, sonnig.
Team: Christian, Felix, Jan.

The best
things in life are free, alles andere ist sehr teuer hier
Wir haben es nach Thessaloniki
geschafft, auch ohne großes Ritzel und großen Zahnkranz.
Ein junger Mann in einem Babyfahrradgeschäft baute mir in Thessaloniki
eine neue Führung für meine Schaltseile ein. Daran hatte
es gelegen: Beide Plastikteile der Führung waren irgendwo verloren
gegangen, wodurch die Schaltseile eingeknickt waren. Eine Bezahlung
wollte er für diese halbstündige Aktion und das Material
nicht haben, zumal er seiner Ansicht nach gar kein Mechaniker war.
Die Schaltung musste ich danach zwar selber einstellen, da der Herr
als Heilmittel dafür nur ein Teflon-Spray wusste. Trotzdem nicht
schlecht!
Dass die Fahrt nach Thessaloniki
auch mit einem 14-Gang-Fahrrad möglich war, war dem relativ anspruchlosen
Profil der Etappe zu verdanken. Es ging wieder teils auf der Autobahn
und teils auf der Nationalstraße 2 am Volvi-See nach Westen.
Vor Thessaloniki dann muss man wieder auf die Autobahn, um über
einen Pass zu fahren, an dem praktischerweise an der Steigung die
rechte Spur in der Nachmittagshitze neu geteert wurde.
In Thessaloniki suchte
ich dann nach der erhofften Reparaturmöglichkeit (in dem ersten
Laden wollte man mir nicht helfen und der zweite hatte bis 17.30 Uhr
Mittagspause) und Christian und Felix ein Hostel. In der etwas spartanischen
bis schäbigen Jugendherberge sind auch zwei Brüder aus Thüringen,
einer davon auch mit Koga-Miyata-Rad, die gerade Dubrovnik –
Thessaloniki durch Albanien, den Kosovo und Makedonien gefahren waren
und natürlich auch viel von Gastfreundschaft, aufdringlichen
Hunden und Kindern zu erzählen hatten, sowie ein Stuttgarter
Inter-Railer. Wir gingen Bier für 4,50 Euro trinken – Wahnsinn.
Die Schweiz ist ein Billigland dagegen. Dafür besitzen wir alle
Fahnen von Griechenland und der Linkspartei, die nach einer politischen
Großveranstaltung im Zaun am Hafen steckten.
Christian:
118 km bis in Griechenlands zweitgrößte Stadt meistern
wir eigentlich aus dem FF und Jan mit einer teilkaputten Schaltung.
Kurz vorm Ziel stehen dann die tatsächlich ätzendsten zwei
Kilometer der Tour an. Die Sonne brennt uns auf den Kopf, es geht
steil bergauf, wir befinden uns auf der Autobahn bei hohem Verkehrsaufkommen,
durch eine Baustelle fahren wir auf der mittleren Spur, von rechts
kommt eine Auffahrt und auf der Baustelle wird frischer Teer eingebracht.
Aber anders wären wir nicht nach Thessaloniki gekommen.
In Thessaloniki versuchen Felix
und ich nun erst einmal eine Unterkunft klar zu machen und finden
besagte Jugendherberge. Diese ist zwar offen, aber nicht besetzt.
Man handhabt das hier so, dass die Leute einfach ankommen, ihre Taschen
irgendwo hinlegen und auch schonmal duschen könnten, aber die
Zimmer abgeschlossen sind und die Angestellten abends zur Aufnahmeformalitäten
und zum Aufschließen kommen.
Während Felix den Strand sucht,
hole ich Jan von einem möglichst markanten Treffpunkt ab und
empfange die freudige Botschaft, dass die Schaltung nun wieder spurt.
Im Hostel gilt es nun, die Duschen zu testen. Ohje, das ist nicht
viel besser als wild zelten. Ein feuchtes und dunkles Kellergewölbe,
es stinkt nach Urin und aus dem Duschkopf kommt nur kaltes Wasser.
Egal, wir lassen uns die gute Laune nicht verderben, schon gar nicht
in der Dusche.
Mit unseren Zimmergenossen, den
beiden Radlern, die von Norden nach Thessaloniki kamen, und einem
schwäbischen Interrailer machen wir die Stadt unsicher und sind
erstaunt über die popkonzert-ähnliche Aufmachung einer Wahlkampfveranstaltung.
Mit unseren neuen Wahlkampffahnen im Gepäck erfahren wir von
ein paar Party-Mädels, dass es sich um die linkere der beiden
großen Parteien handelt und müssen ihnen versichern, dass
wir natürlich auch links währen. Das könnte man bei
den bereits von Jan erwähnten Bierpreisen hier auch schnell werden,
zumal es sich nur um ein 0,3er Bier gehandelt hat.
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