#29 Di, 11.09.07 Makrygialos, km 3044 (Jan) 3323 (Christian)
Thessaloniki - Makrygialos. 58 km, 20,3
km/h. Wetter: 25°C, sonnig.
Team: Christian, Felix, Jan.

Kostas
Leichte Regentropfen auf
mein Zelt auf einer Wiese landeinwärts vom zweitklassigen Badeort
Makrygialos haben mich gerade geweckt. Und das, obwohl WetterOnline
eigentlich schon wieder eine Woche strahlenden Sonnenscheins vorausgesagt
hatte. Der Regen kommt außer in Slowenien immer dann, wenn man
nicht mit ihm rechnet, und wenn man mit ihm rechnet, dann kommt er
nicht. Nun ja.
Zuvor hatten wir Thessaloniki
um 13 Uhr auf der Autobahn verlassen. Nach 42 km fuhren wir ab nach
Eginios, legten uns in die Sonne und wurden wir von einem Griechen,
zur Abwechslung mal auf Griechisch, zugelabert. Wir antworteten: „podilato,
podilato“. Die Landstraße nach Katerini verlief mit starkem
Gegenwind und Steigungen nach Süden, und wir fuhren wie geplant
bald an den Strand ab. Bei etwas frischen Wasser- und Lufttemparaturen
badeten Felix und ich, Christian behob seinen Platten (jaja, beim
Schwalbe Marathon fährt sich vielleicht das Profil weniger ab,
aber gegen Heftzwecken ist er genauso wie gegen Rosendornen nicht
gefeit), und schließlich kehrten wir in der Taverne Christos
ein.
Dort saß Kostas,
ein ca. 40jähriger Grieche in rosa Lacosta-Polohemd, bei einem
Aperitif draußen und winkte uns fröhlich herein. Sodann
spendierte er uns zwei Flaschen Retsina, die er unter dem Ausstoß
einer merklichen Alkoholfahne zur Hälfte gekonnt neben die Gläser
goss und erzählte uns in gebrochenem Deutsch von Gott und der
Welt. Apropos Fahne: Alle Parteien, auch die PASOK auf unserer Fahne,
seien unfähig und böse. Obwohl das am Anfang sehr amüsant,
Gyros Pitta und Bier sehr preisgünstig und der Wein tatsächlich
auf seine Rechnung gegangen waren, waren wir am Ende doch froh, gehen
zu dürfen.
Christian:
Der Morgen beginnt mit einem touristischen Stadtrundgang in Eigenregie
durch Thessaloniki und neben leckerem Gebäck finde ich in einem
Sportladen ein paar unheimlich günstige Adidas "Campus",
die ich von nun an mein Eigen nennen kann und die meine bisherigen
Adidas ersetzen sollen (denn diese haben nach drei Jahren und zwei
großen Fahrradtouren langsam den Geist aufgegeben).
Die Fahrt aus dem Ort heraus zieht
sich wie Kaugummi, wohl wegen des Gegenwindes und der gut frequentierten
Autobahn, die wir mal wieder nehmen. Die Pause tut also dringend Not,
aber danach geht es auch nicht besser, weil ich den ersten Platten
in Ricolas Leben zu beklagen habe. Zum Glück nur schleichend,
so dass es mit regelmäßigem Aufpumpen noch bis Makrygialos
einigermaßen problemfrei klappt.
Am Strand angekommen, gehen Jan
und Felix erstmal baden, während ich hoffe, mit der Reifenreperatur
nicht baden zu gehen. Dies ist mir auch gelungen und ich nutze die
Stranddusche für mich und meine Wäsche, da die Bedingungen
hier zwar sandiger, aber um ein vielfaches angenehmer sind als in
der Hosteldusche.
Wir begehen die Touristenmeile,
die in der Hauptsaison bestimmt deutlich überfüllter ist
und landen auf Winken von Kostas in einer Strandbar, in der uns ein
älterer Herr Gyros und Pommes serviert, während Kostas besagten
griechischen Wein und Cola heran schafft. Endlich mal können
wir authentisch erfahren, was die griechische Volksseele so alles
beschäftigt und wie man in Frankfurt Steuern spart. Aber Kostas
interessiert sich auch für unsere Geschichte und befragt Felix
fleißig. Am Ende bietet er uns sogar noch an, dass wir möglicherweise
bei ihm übernachten könnten, aber wir wollen ja noch nach
Katerini zum Clubbing.
Aus dem Clubbing wird jedoch nichts,
denn draußen beschließen wir, doch in Makrygialos zu bleiben,
denn es ist schon dunkel und mein Rücklicht hat einen Wackelkontakt.
Auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit stellt
sich ein großes, in den Strand mündendes Abwasserrohr als
wenig geeignet heraus und wir fahren etwas vom Strand weg, um auf
einer schönen und leicht abschüssigen Wiese unsere Zelte
aufzuschlagen.
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