#30 Mi, 12.09.07 Krania Elassonas, km 3168 (Jan) 3446 (Christian)
Makrygialos – Kranía Elassonas.
124 km, 19,0 km/h. Wetter: 21°C, heiter bis wolkig.
Team: Christian, Felix, Jan.

Höhenmeter
ohne Brot
Herrlich idyllisch und
ruhig ist es im griechischen Hinterland. Beim Lidl von Katerini verließen
wir die küstennahe Straße und machten allmählich Höhenmeter.
Hinter der Abzweigung nach Petra stieg die Straße mal um 10%
an. Nach 56 km waren wir im einzigen nennenswerten Ort, dem verschlafenen
Agios Dimitrios, und versperrten den Dorfplatz. Felix' Suche nach
einem Bäcker blieb erfolglos. Griechenland ist definitiv kein
Brotland. Dafür erstand er aber eine Wurst für 60 Cent.
Mit knarrenden und kollektiv
miserabel eingestellten Schaltungen kletterten wir durch die alpenpassähnliche
Landschaft und erreichten nach einer rasanten Abfahrt mit nervigen
Hunden Elassona. Im Supermarkt gab es zwar Lucozade und Eiskaffee,
aber auch kein frisches Brot.
Wir entscheiden uns, da
es erst 16 Uhr und wir erst bei km 92 waren, noch weiter nach Westen
zu fahren. Ab km 110 stieg die Straße für noch einmal derart
an, dass wir auf diesem Abschnitt kaum über die 10 km/h kamen.
Hinter der Abfahrt an ein paar Schafherden vorbei fanden wir einen
lauschigen Schlafpaltz und aßen absurd belegte Sandwiches. Felix
fährt seit neuestem in Unterhose, weil die Hose wohl auch irgendwann
mal vom Gepäckträger gefallen ist.
Christian:
Man soll den Morgen in Griechenland mit einem Frappe beginnen. Doch
diesmal bekamen wir nicht die Sozialromantik-Frappe-Version (man stelle
sich eine zünftige Griechin vor, die mit viel Gefühl den
frisch gerösteten Instant-Kaffee mit kühlem Bergquellwasser
und frischer Milch der Olymp-Kühe mischt), sondern eine High-Tech-Variante,
bei der sogar die Ingenieure von Audi ("Vorsprung durch Technik")
vor Neid erblassen würden. Ein gekühlter Becher mit Multifunktionskammerdeckel
für die individuelle Geschmacksabstimmung und Schüttelfunktion.
Lecker und ca. doppelt soviel Müll wie Getränk.
So gestärkt biegen wir ab
Katerini in die Berge ab, teilweise sogar mit dem Olymp am Horizont.
Es ist ein Auf und Ab und bei den Temperaturen auch nicht ganz unanstrengend.
Die nervigen Hunde vor Elassona
kannten wir ja bereits aus den Erzählungen des Indien-Radlers,
nur dass dieser arme Drops die Hunde bergauf fahrend bewältigen
musste, während wir ihnen bei der Abfahrt begegnen. Allerdings
bezweifle ich, dass diese Tiere nur spielen wollten, zumal sich einer
genau in meine Fahrspur stellt und mich frontal anschaut, während
ich mit ca. 56 km/h auf ihn zu rase. Seine Freunde kommen derweil
vom Straßenrand gelaufen und versuchen, mit mir Biss, ähhhh
Schritt zu halten. Langweilig wird einem hier also nicht.
Die letzten Kilometer zu
unserem Schlafplatz sind zäh. Es sieht gar nicht so steil aus,
aber unsere Kräfte scheinen kollektiv zu schwinden. Zudem wird
es dunkel und der Berg will nicht aufhören. Müsste ich diese
Gegend in meinem literarischen Erstlingswerk beschreiben, so würde
ich den liebevollen Ausdruck "Einöde" verwenden.
Das Abendessen mitten auf
einem Feld gestaltet sich durchaus gemütlich, aber viel Energie
zum Clubbing haben wir nicht mehr und gehen mit der Dunkelheit ins
Zelt. Just nachdem wir den Reißverschluss zugezogen haben, hören
wir draußen ein Rudel Hunde näher kommen, die, der Akustik
nach, langsam rund um die Zelte pirschen und ebendiese dauernd anbellen.
Nach ca. 20 Minuten verziehen sie sich wieder, aber nur, um nach weiteren
30 Minuten wieder zurück zu kehren. Dieses Spiel sollte sich
noch mehrmals wiederholen. Eine stressfreie Nacht stelle ich mir anders
vor.
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