#34 Mo, 17.09.07 Verona, km 3655 (Jan) 3933 (Christian)
Lido di Jesolo – Verona. 177 km, 23,0
km/h. Wetter: 18°C, Regen und Sonne.
Team: Christian, Felix, Jan.

Wenn Länge
zählt, war das ziemlich gut
Was für eine Rekordetappe
(längste Etappe mit Tourenrad auf einer Etappenfahrt)! In der
Nacht tropfte wieder unverhoffter Nieselregen auf die Liegestühle
von Jesolo, der aber zum Glück harmlos blieb. Um 7.30 Uhr, als
das Hotelpersonal anfing, den Strand zu fegen, brachen wir nach Westen
auf, nach der Devise „mindestens Vicenza, aber wahrscheinlich
weiter“. Zunächst mussten wir – das war ein Novum
– bis 8 Uhr vor einem Supermarkt warten, bis wir uns aufs Sortiment
(hier leider auch kein frisches Brot) stürzen durften. Dann ging
es auf die Provinzialstraße nach Treviso - unspektakulär,
Maisfelder, große landwirtschaftliche Anwesen und immer irgendwelche
Marmor- oder Hochzeitsmodengeschäfte; typisch umtriebiges Norditalien,
die Heimat von Disagio, Storno, Saldo usw. eben. Es hätte auch
irgendwo in Flandern sein können.
In Treviso am Piazza wurde
dann stilvoll Cappuccino mit Gazzetta dello Sport getrunken und gewartet,
bis es gegen 11 Uhr anfing zu regnen, und zwar richtig heftig. Zum
Glück gibt es für solch Fälle in Treviso einen Zeitungskiosk
und einen BILLA (ja, mittlerweile auch in Italien!) zum Unterstellen
bzw. Brot kaufen. Ein paar Stunden blieb uns der Regen noch treu,
dann kam immer mehr die Sonne heraus und wir rasten nach Vicenza.
Auch dort gibt es natürlich eine Piazza, wo aber gerade irgend
etwas renoviert wurde. Nach einer Stunde Pause fuhren wir an den Weinbergen
von Soave weiter nach Verona. Die letzten Kilometer dorthin gerieten
wir auf eine Autostraße, auf der der Autoverkehr wegen eines
Unfalls stockte, wir aber mit dem Rad gut vorbeikamen. Die Polizei
merkte auch, dass wir hier nichts zu suchen hatten; ich einigte mich
mit dem Polizisten, an der nächsten Abfahrt, die ohnehin ins
Zentrum von Verona führte, abzufahren.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit
erreichten wir den Platz, an dem die berühmte Arena steht, genossen
den Anblick und unsere Rekordfahrt für eine Weile, bevor ein
deutsches etwas älteres Radwanderehepaar sich zu uns gesellte
und mit uns plauderte. Sie waren in 12 Tagen von Donauwörth über
den Fern- und Reschenpass nach Verona geradelt, und das mit schätzungsweise
60 Jahren. Chapeau! Den Lance des Tages verdienten sie sich durchs
Schenken eines Stadtplans, auf dem auch eine JH eingezeichnet war.
Diese liegt herrlich unterhalb eines römischen Theaters und hatte
für 16 Euro noch Betten für uns frei.
Geduscht saßen wir
kurz nach 21 Uhr bei Pizza und Weinschorle an der Etsch. Bizykles
ist erkältet, und morgen soll es noch stärker regnen. Aber
das wäre geschafft.
Christian:
Wieder fängt es in der Nacht an zu tropfen, aber diesmal habe
ich einen Sonnenschirm, der sich optional auch als Regenschirm nutzen
lässt. Also machen wir uns recht entspannt auf den Weg und erwarten
in der Po-Ebene natürlich keinen Höhenmeterrekord. Es lässt
sich entspannt rollen, auch wenn ich 7 km mit einer leeren Cornflakes-Packung
auf dem Kopf fahre. Hätte ich bis Treviso durchgehalten, hätte
mir Jan eine Pizza ausgegeben, aber so verfressen bin ich ja schließlich
nicht, außerdem habe ich mittlerweile ja mindestens schon 100
Gramm Cornflakes im Haar, das muss für den Tag reichen.
In Treviso reicht man uns einen
Cappuccino und wir verlängern unsere kleine Pause, als der Himmel
noch im Ort seine Schleusen öffnete. Der erste Regen seit zwei
Wochen, der uns tagsüber erreicht. Aber nach diesem Schauer hört
es auf zu regnen - zum Glück. Nächstes Ziel: Vicenza.
Der Marktplatz hier gilt zur Zeit als die schönste Baustelle
Norditaliens. Verwegen nutzen wir eine Restaurant-Toilette, ohne dort
auch nur irgendetwas konsumiert zu haben. Und nach zwei Ruhetagen
sehen wir uns imstande, auch noch weitere 60 km nach Verona auf uns
zu nehmen. Dummerweise ändert sich die Straßenart plötzlich
von normaler Landstraße in eine Art vielbefahrene Autobahn.
So richtig wohl fühlen wir uns dabei nicht und biegen gesetzestreu
an der nächsten Abfahrt ab. "Außer Spesen nix gewesen"
würde der Rheinländer nun vermuten, denn wir landen in einem
großen Autobahnkreisel mit noch mehr Stau und Ein- und Ausfahrten
und fahren zurück auf die ursprüngliche Autobahn, und dort
quasi direkt in die Arme der Polizei. Jan kann die Situation geschickt
klären, während ich wortlos dort vorbeifahre und hoffe,
dass nichts passiert. Felix ist schon seit einiger Zeit außer
Sichtweite vor uns.
Wir erreichen Verona in
der Dämmerung, es ist noch viel los, kein Regen, wir haben eine
Rekordetappe geschafft, aus dem Kolosseum tönt Opernmusik, die
Jugendherberge trägt den Namen "VILLA FRANCESCATTI"
zu recht - sie ist top. Und die Pizza beim örtlichen Italiener
an der Etsch schmeckt ebenfalls. Nur der Felix ist erkältet.
Aber dafür kann Verona nichts und bekommt deshalb fünf von
fünf Sternen. |

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