Was für eine Tour! Aber
sie ist noch nicht zu Ende. Nach der Reunion mit Tobi am Vortag
und der Stärkung im Hause Wilkening gilt es noch, die letzten
42 km nach Zürich zu meistern. Felix ist bereits am frühen
Morgen aufgebrochen und sucht eine letzte Herausforderung im Weg
nach Konstanz. Ich entscheide mich, mit Tobi noch nach Zürich
zu fahren und von dort in den Zug zu steigen. Der Weg ist haargenau
der selbe, wie Jan und ich ihn bei der großen 2006er-Tour
genommen haben, nur in die andere Richtung. Der Prolog 2006 wird
zum Epilog 2007. Hollywood hätte das nicht besser inszenieren
können.
Schon nach kurzer Zeit zwischen
Gross und Einsiedeln legen wir einen kleinen Stopp ein, um ein Kissen
vom Straßenrand aufzulesen. Nicht, weil wir um eine bequeme
nächste Nacht bangen, sondern weil dieses Kissen sehr an Felix'
Schlafzubehör erinnert. Weiter geht es an diesem herrlichen
Spätsommertag (oder sagt man schon Frühherbsttag? Vor
einem Monat gab es noch eine Hitzeschlacht in Bulgarien) überwiegend
bergab, mit herrlicher Sicht auf den Zürichsee, vorbei an Horgen
und der Lindt-Chocolaterie zum Züricher Seeufer. Dort dann
der Schreck: Mein Tacho zeigt mir 43 km an. Das kann doch gar nicht
sein, war der gleiche Weg letztes Jahr doch noch einen Kilometer
kürzer und betrug magische 42 km. Naja, so wichtig ist das
nun auch nicht. Tobi begleitet mich noch zum Bahnhof und macht sich
seinerseits auf den Nachhauseweg.
In Konstanz betrete ich seit
1,5 Monaten zum ersten Mal wieder deutschen Boden und mache noch
einen kleinen Stadtrundgang. Um die sentimentale Dramaturgie zum
Ende zu bringen, sei gesagt, dass es auch etwas besonderes ist,
diese Fahrradtour an dem Ort abzuschließen, an dem ich als
Kind 13 Jahre mit meinen Eltern Urlaub machte. Später treffe
ich wie geplant Felix, der schon früher als veranschlagt eingetroffen
ist und wir nehmen unsere Bahn in Richtung Norden. In Koblenz am
Bahnhof warten meine Eltern bereits am Bahnsteig, um mich abzuholen.
Es geht nach Oberzissen und es gibt viel zu erzählen. Die Tour
ist nun ganz offiziell zu Ende.
Da
dies mein letzter Tagesbericht zu der Tour ist, bleibt mir noch
eines zu sagen: Ich war 44 Tage unterwegs. Wir haben eine Menge
erlebt, sehr viel Spaß gehabt und sind wohl behalten wieder
zurück gekehrt. Ich bedanke mich bei allen Mitfahrern (Felix,
Georg, Jan, Meike, Robert, Thomas und Tobias) für dieses unvergessliche
Erlebnis, den Spaß und die gegenseitige Unterstützung.
Besonders danke ich außerdem Jan für einen Großteil
der Planung, die unzähligen Trainingsetappen und das oftmalige
Abwägen von Pro und Contra dieser Tour. Selbstverständlich
gilt ein mindestens ebenso großer Dank meinen Eltern für
die Ermöglichung und Unterstützung des ganzen Vorhanbens
und für das Ertragen der vollständigen Diashow mit allen
Bildern. Auch wenn die Beziehung mittlerweile nur noch Schall und
Rauch ist, ein ehrlich gemeintes Dankeschön an Sabrina, für
die SMS-Unterstützung und die Schmetterlinge, die mich wohl
über die Berge getragen haben. Letztendlich natürlich
auch ein Danke an alle Freunde, Daumendrücker, guten Geister,
Schutzengel, Ricola und alle Wohlgesonnenen.
Das meiste Erlebte werde
ich wohl erst im Laufe der Zeit richtig realisieren. Es war einfach
grandios!
(Christian, 2008)