<< 2. Etappe, 28. Juli: Izmit - Düzce >>
Jan: Langsam fährt man sich einUm 8 Uhr verliessen wir das Hotel und die böse Rezeptionsdame, die gut in einer Soap-Opera die hübsche, aber fiese Zicke spielen könnte. Aber erst um 10 Uhr verliessen wir Izmit. Wie kam's? Nun, erst stellten wir fest, dass es zwar einen Migros in Izmit gab, der aber nicht um 8 aufmachte wie in der Schweiz, so dass wir eine Odyssee zum Frühstück starten mussten, die in einer Konditorei endete. Dort gab es u.a. sehr sättigenden Börek, den wir in einem Mini-Park verschlangen. Einer der Gärtner redete auf Türkisch auf uns ein, und ich dachte, er wollte, dass wir unsere Räder wegstellen. Ich dachte mir, er solle sich nicht so haben, wir sind ja gleich weg. Doch als wir gehen wollten, beharrte er darauf, dass wir bleiben - der Grund war klar: Er wollte uns nur auf einen Tee einladen, den der 10jährige bärtige Tee-Köbes auch sogleich herbeibrachte, und zwar nicht in den normalen Schnapsgläsern, sondern in dekadenten 2-dl-Porzellantassen. Dies passierte uns am heutigen Tage noch dreimal, aber wir einigten uns am Morgen schon darauf, nur eine Tee-Einladung pro Tag anzunehmen, denn sonst kommen wir in 3 Wochen höchstens bis Samsun. Wie dem auch sei, noch in der Stadt konnte Claudia mit dem ersten Platten dank eines zu tiefen Blicks in einen Gullideckel aufwarten, und erst der zweite Ersatzschlauch verhalf unserer Teamärztin zum wieder prallen Reifen. Der Stadtrundgang beinhaltete Döner, Obstkauf und wieder Tee zum Sonnenuntergangsmuezzinruf (ein schönes deutsches Wort, was auf Türkisch sicher 42 ös und üs hätte), welchen unsere türkischen Tischnachbarn bezahlen wollten ("you know, we Turks love to invite tourists" – ja, auch schon gemerkt!). Ich habe die Sonne glaube ich unterschätzt und demnach ziemlichen Sonnenbrand. Heute waren wir auf 330 m und haben 600 Höhenmeter gemacht. Morgen gehen dann wohl sowohl Summe als auch Maximum ins Vierstellige. Langsam fährt man sich ein und die Sommertour-Routine nimmt den Platz der Uni-/Arbeitsroutine ein. Anatolien, wir kommen. PS: Es gibt quasi Bockbier von Efes (Efes Extra) - passend zu meinem 96-Trikot. PPS: Kopftuch-Quote hier über 70%. Christian: Kommt doch auf nen Cay vorbeiKrass, wieder auf nen Tee eingeladen worden. Wir sitzen gerade vor der Moschee und warten auf den abendlichen Ruf des Muezzins – oh, da geht er gerade los. Was für ein krasser Tag: Das erste Meer haben wir hinter unsgelassen und langsam nähert sich Anatolien. Man lernt hier wunderbare taktische Spielchen, will man einen Tee abstauben oder ein Hotel finden – eine gute Idee, wie ich finde. Hat man es hingegen eilig, sind Pausen in besiedelten Gebieten ein tendenziell schlechter Ratgeber und man mutiert schnell vom AnatolienExpress zum AnatolienTee-Sit-in. Aber auch die harte Realität von der Straße soll hier zur Geltung kommen, denn wir mussten heute gegen ziemlich krasse Windböen kämpfen. Ok, solche Worte von mir sind ja nun nicht wirklich was neues, aber ich habe trotzdem Recht! Ich glaube sogar, dass es heute für Jan, der bei 90% der Kilometer ja an vorderster Front gegen den Wind kämpft, angenehm war, wenn ich mich nach ganz vorne gefahren habe. Ich schreibe diesen Artikel mittlerweile mit einem Tag Verspätung, darum bleibt mir nicht mehr, als noch von der tollen Stadt Düzce zu berichten, wo wir ausnahmsweise einen Döner aßen. Apropos: Ich hab mich heute mal aus dem Nichts zum Teamweisen befördert und keiner hat was dagegen – toll! So macht man Karriere. Nach dem ersten Tag von Jan, Tobi und mir mit nur noch 15 mm Haaren auf dem Kopf habe ich mir prompt einen Sonnenbrand zugezogen, d.h. wir haben heute gelernt, dass Helme einen Sturzschutzfaktor haben, aber keinen allzu großen Lichtschutzfaktor. Fast noch lustiger sieht Jan aus, der gerade eine rot leuchtende Seite hat. Merke: Fährt man gen Osten, scheint die Mittagssonne aus dem Süden (das tut sie übrigens auch sonst), und die rechte Körperhälfte wir einseitig gegrillt. Den Tagesabschluss gestalten wir klassenfahrten-like mit einem sit-in im Hotel, der neben Bier, Starkbier und Raki auch Musik beinhaltet. Gekauft haben wir die Ingredienzien übrigens im benachbarten Kiosk eines sehr aufgestellten Türken, der 7 Jahre in New York lebte und an der Hotellobby für uns übersetzte. Er warnt uns eindringlich vor den „crazy turkish car drivern“ – eine nette Aktion, wie ich finde. PS: Happy people send happy twitters! |
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