<< 20. Etappe, 15. August: Tiflis Hotel - Tiflis Flughafen
Jan: It ain't over 'til it's overUnter 20 km sind es eigentlich von der Innenstadt zum Flughafen Tbilisis. Christian und ich haben 46 km daraus gemacht, und das mit meinem quasi völlig blockierten Vorderrad. Tobi und Christian rieten mir nach der morgendlichen Inspektion eigentlich, auf keinen Fall damit weiterzufahren. So entschied ich mich dafür zu schieben, und Christian bot an, mich zu begleiten. Irgendwann war mir das Schieben dann aber auch zu doof - und 19 km würde es schon noch halten, und wenn nicht, kann man ja immer noch schieben. Da unsere generalisierte 1:700 000 - Georgienkarte für die Fahrt zum Flughafen wenig hilfreich war (wir hatten nur Informationen über die ungefähre Himmelsrichtung), verfuhren Christian und ich uns allerdings fürchterlich. Das GPS zeigte bereits den 45. Längengrad an und gefühlt waren wir wohl schon in Aserbaidschan, bevor wir die M5 zurück westwärts von quasi Rustavi bis Tbilisi und zum Flughafen fuhren. Gut, dass unser Flieger erst um 4 Uhr Nachts geht und gut, dass die Tour mit diesem Vorderrad nun vorbei ist. Trotz Abfahrt aus Tbilisi um 13 Uhr hätten wir 4 Uhr nachmittags nämlich nicht geschafft. Tobi und Claudia waren längst am Flughafen angekommen. Wäre ich mein Personalchef, würde ich zumindest mal ein erstes Gespräch mit mir über die Weiterführung meines Navigator-Referats führen.
Christian: Tiflis hat drei Flüghäfen, wir kennen beideDer Tag verspricht sehr unstressig zu werden und genau das ist das stressige. Wir haben alles abgegrast und die Tagesaufgabe besteht aus 20 km zum Flughafen finden und ca. 12 Stunden auf’s Flugzeug zu warten. Das reicht auch, um zum Flughafen zu schieben beschließen Jan und ich, nachdem wir seine Vorderachse einmal mehr untersucht haben. Die ist hin und besser wir schieben als dass wir noch ein unnötiges Risiko eingehen. Tobi und Claudia entscheiden sich stattdessen für eine ausgedehntere Kaffeepause in Tiflis und Bewältigung der 20 km auf dem Fahrrad. Besser radeln als schieben ändern Jan und ich unsere Taktik, nachdem der Flughafen einfach nicht näher kommt. Oh, da kommt er doch. Leider verfügt er über keine Zufahrt und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das der Hauptflughafen sein soll – da ist ja gar nichts los. Und ganz unverhofft überqueren wir den 45. Längengrad. Das da irgendwas faul ist, wird uns spätestens jetzt klar. Aber Zeit haben wir ja heute mehr als genug! Das klingt total relaxed, ist es aber eigentlich gar nicht. MAn muss sich das so vorstellen, als würde man auf Krücken nur kurz zum Bäcker wollen und läuft dann mal schnell einen Halbmarathon, weil man in die falsche Straßenbahn gestiegen ist. Dass es auch kürzer geht demonstrieren uns Claudia und Tobi die frohen Mutes anrufen, während wir uns fernab von jeglicher Orientierung eine nicht enden wollende gerade Straße hoch kämpfen. Verzweifelte Blicke schweifen immer wieder zum Himmel, wo ich hoffe so etwas wie "Flugverkehr" zu entdecken, der mir die ungefähre Flughafenrichtung anzeigt. Nach nunmehr 42 Kilometern beenden wir unseren vorgezogenen Prolog für den PersienExpress 2011 (Tbilisi - Teheran) und biegen auf eine endlich wieder frequentierte Hauptstraße ein die uns schlussendlich zum heiß geliebten Flughafen führt. Unsere Heimat auf Zeit, das nagelneue Flughafengebäude. Hier werden wir mehr Zeit als in so manchem Hotel der Tour verbringen. Die Infrastruktur für nicht eingecheckte Fluggäste ist vorhanden, aber nicht sonderlich riesig - macht ja nix, denn riesig ist schon unsere Freude da zu sein. Genug Zeit um unser Gepäck zu sortieren (natürlich eine ganz wichtige Aufgabe zu dem Zeitpunkt), ein bißchen Roadbook zu schreiben, den Mantel zu wechseln und ab und zu mal auf Toilette zu gehen. Abendessen gibt es in einem Fastfoodrestaurant mit einer an die Deutsche Bahn erinnernde Preislogik. Versüßt wird unser kleine Essenspause (vom sonst so anstrengenden Warten) durch zwei unterhaltsame und -seelige georgische Boxlegenden, die zwar nicht sonderlich tief auf unsere Äußerungen eingingen aber einen haiden Spaß hatten ein bißchen auf Englisch zu plaudern. Irgendwann in der Nacht dürfen wir uns durch die Kontrollen zum Einchecken begeben und werden ein letztes Mal Zeuge georgischer Gastfreundschaft, als mit der Lufthansa-Officer anbot, meine Postkarten für mich einzuwerfen. Auch die Räder übergeben wir ohne auch nur eine Schraube gelöst zu haben und machen uns auf den Rückflug.
Back in Zürich. Mit leichten Verlusten bei den Anbauteilen an unseren Rädern und vollen MIGROS-Tüten als Zusatzgepäck cruisen wir die letzten Meter zu Jans neuen vier Wänden. Den ersten Tourverlust packe ich nun aus - ein neues Schweizer Taschenmesser. Sogar ein besseres als vorher. Ätsch! Merke also: Es läuft vielleicht nicht alles glatt, aber am Ende steht man mit mehr Wert da. Und das trifft bestimmt nicht nur auf die Taschenmesserstory zu... |
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