<< 13. Etappe, 08. August: Of - Hopa >>

Distanz
120,99 km
Fahrzeit
5 h 01 min 47 sec
Geschwindigkeit
24,05 km/h
gefahrene Höhenmeter
202 m
Höhe Zielort
4 m
Musiktipp Jan
Selig - Wir werden uns wiedersehen

Twitter-Text
Alle leicht lädiert,aber mit Rückenwind und Musik im Ohr fast geflogen.Anstatt Beach gab es Gewitter und Beachvolleyball

Jan: Beachvolleyball bei Weltuntergangswetter: Das Lazarett hat offensichtlich alles richtig gemacht

Denn wir sitzen in Hopa und es regnet wie in Strömen. Daher scheint die Überlegung, heute nicht mehr die 37 km bis Batumi über die georgische Grenze zu fahren, als genau richtig. Ausserdem kamen wir noch in den Genuss von Beachvolleyball im Regen, was auch insofern bemerkenswert war, als ich gefühlt das erste Mal seit dem Abflug aus Stuttgart wieder Frauen über 1,70 m Körpergrösse gesehen habe. Ein ziemlicher Reverse Culture Shock nach den kopftuchtragenden 1,60 m-Damen und z.T. Walküren, die die humangeographische Mehrheit meines Aktionsraums der letzten 13 Tage gebildet hatten.

Anyways, nun sitzen wir in einem Hotel in einem bescheidenen Dreibettzimmer, blicken aufs Schwarze Meer und verbringen den vorerst letzten Abend in der Türkei. Vorher lief es, nachdem Christian und Claudia wieder einigermassen wiederhergestellt waren und Tobi noch über Schmerzen nach dem gestrigen Sturz geklagt hatte, auf den 120 km auf der für jeden Radwanderer, der schnell von A nach B kommen will, nach wie vor empfehlenswerten (wenig Verkehr, Super-Belag, breiter Randstreifen) D 10 von Of durch die Teehauptstadt Rize wie am Schnürchen bei ausnahmsweise mal NICHT strahlendem Sonnenschein. Als wir bei km 91 anhielten, konnte ich dem Tacho kaum glauben - geschätzt hätte ich jetzt einen Wert von unter 70.

An einer Tankstelle am Ortseingang von Hopa gab es dann mal wieder Tee und wir wägten lange ab zwischen "am Abend in Batumi sein" und "heute noch die Lira auf den Kopf hauen". Da wir ja erst Samstag abend aus Tbilisi abfliegen, entschieden wir uns heute für Hopa, einem von lebendiger Grenzatmosphäre geprägten Ort, in dem es nur so von Hotels und abgestellten Lkws wimmelt.

Den Samstagabend liessen wir mit einem Rundgang durch das völlig verregnete, wuselige und fast kopftuchfreie Hopa ausklingen und assen noch das letzte Mal Kebap, Köfte und Sütlac zum Dessert. Wir trafen in einem Bierladen noch einen Stuttgarter Deutschtürken (der sich das südwestdeutsche "Weisch?" schon gut angewöhnt hatte), der eine Geschichte mit Cola Whiskey und einem Tschechen, die keiner von uns verstanden hat, erzählte. Anschliessend beendeten wir unsere 2tägige Bier-Abstinenz. Hannover 96 verliert sein Auftaktspiel, also alles wie im letzten Jahr.

 

Christian: Im Osten wird es westlich

Juhuu, wieder auf Ricola on the road. Genau das fehlte in den letzten 36 Stunden: Radeln durch das Land der klein gewachsenen Menschen und vorbei an Teeplantagen und Haselnussfeldern. Hoffen wir, dass der Magen hält, was er mir zumindest am Morgen verspricht. Tobi wird etwas von seinem Sturzknie geplagt, doch all-in-all kann man sagen: Es läuft und läuft und läuft wie geschmiert, wir haben Rückenwind. Ricola Rückenwind zu geben ist wie bei einem Auto den Turbo anzuschalten. 30er-Schnitt mal sehen, ein bisschen Größenwahnsinn schadet ja nicht. Hinzu kommt heute der Startschuss für fahren mit Musik im Ohr. Ich hätte die Tunnel der D 10 vielleicht nicht so früh loben sollen, heute waren davon nämlich gleich drei Stück gesperrt.

Und plötzlich stellen wir fest, dass die Türkei fast zu Ende ist.  Wir sind in Hopa (klingt fast wie mein alter Spitzname „Hooper“) und das eigentlich zu früh für ein Etappenende. Zur Auswahl stand somit entweder heute noch Georgien zu erobern oder unser Liravorräte hier auf den Kopf zu hauen. Tja, und jetzt kann man sagen, dass wir genau die richtige Entscheidung getroffen haben: Hopa! Zwar schafften wir es aufgrund einsetzenden Starkregens nicht bis zum Beach, dafür aber zu sowas ähnlichem, nämlich dem Frauen-Beach-Volleyball. Das hätte ich hier nun als letztes erwartet, ähnlich wie man in der Wüste ja auch keine Eisskulptur-Ausstellung erwarten würde. Doch auch dieses Turnier musste sich letztlich dem Regen beugen. Die Menge Wasser, die runter kam hätte gereicht, um uns eine Woche lang einen Landregen zu bescheren.

Und jetzt, da der letzte türkische Abend bereits unlängst begann, sind wir auf der Suche nach Efes in einen weiteren gewaltigen Regenschauer geraten. Der angepeilte Kiosk glich eher einer verruchten Spelunke und der Besitzer, der Wirt eher einem alternden Wrestling-Star, welcher einer Art türkischer Skatrunde Raki, Vodka, Bier und Schafskäse reichte. Für uns hat er alle drei Efes-Sorten (Efes – Efes Draft – Efes Stark)  gekühlt im Angebot, die er uns bereitwillig und friedlich verkauft, weischt?

PS: Türkische Hotels sind gerne mal mit Bewegungssensoren fürs Licht ausgestattet. Aber ein 3 Sekunden-Intervall in der Dusche ist tatsächlich schon SEHR knapp bemessen.