<< 4. Etappe, 30. Juli: Gerede - Ilgaz >>

Distanz
141,79 km
Fahrzeit
6 h 24 min 05 sec
Geschwindigkeit
22,15 km/h
gefahrene Höhenmeter
894 m
Höhe Zielort
946 m
Musiktipp Jan
The Music - Inconceivable Odds
Kula Shaker - Out On The Highway

Twitter-Text

wir haben fast 1000 m über dem meer die zelte aufgeschlagen und sind 141 m durchs niemandsland gefahren. Serefe

Jan: Durch den Wilden Westen nach Osten

Okay, allzuviel ist heute dann eigentlich doch nicht passiert - keine Diashow oder ähnliches.

Hinter Gerede eröffneten wir die Frappe-Phase der Tour. Dahinter sahen wir tatsächlich den ersten und bislang einzigen Kreisverkehr in der Türkei. Das spricht für die Wichtigkeit dieser Wegegabelung: Rechts ging es nach Ankara - ein Ziel, dem wir nun nicht mehr folgen -, links weiter auf der D 100 Richtung Osten und Samsun. Ohne grosse stadtgeographischen Highlights, dafür in spektakulärer Gebirgslandschaft zieht sich der Highway zwischen 1000 und 1400 Meter überm Meer hin - eine Höhe, die vermeidet, dass es trotz strahlender Sonne allzu heiss wird.

Was ist sonst passiert? Claudia und Tobi (letzterer trotz ausdrücklicher Warnung von Claudia - Chapeau) stürzten auf einer Raststätte auf der selben Treppe, teilweise musste wir wegen bedrohlich hupender Lkws ("Gevatter Tod fährt Lkw" - Felix Göpel hat hier mal wieder Recht) aufs Bankett ausweichen, wir trafen die ersten Georgier (zu erkennen auch daran, dass die Restaurantbesitzerin uns in die Augen schaute) und stoppten in Kursunlu (zu deutsch: „verbleit“), einem 4000-Seelen-Nest bei km 103 um 15 Uhr, wo wir eine XXL-Portion Pide verspeisten - Award für den bislang höchsten Sättigungsgrad.

Das gab uns noch Energie für 38 km bis hinter Ilgaz in wunderbarer Abendstimmung. Dort fanden wir den ersten Wildcamping-Platz der Tour. Tobi traute sich, im dreckigen Gebirgsbach zu baden. Gerade fuhr ein nett hupender Fiat vorbei, Christian spielt mit seinem neuen High-End-Handy den DJ, und die Mücken stecken mal wieder wie ein Rohrspatzl. Christian fragt, ob jemand Kekse mit lachendem Gesicht haben möchte, doch keiner kommt den Wunsch unseres Teamweisen nach, diese "Köstlichkeiten" unters Volk mischen zu dürfen.

Hinter den Bergen drohen sich bedrohliche Wolken auf - mal sehen, ob sie unsere Zelte in den Gebirgsbach spülen oder ob es morgen auf der 100 weiter nach Osten geht.

 

Christian: Aber hier baden? Nein Danke!

Dann wollen wir heute mal Revue kapitulieren lassen. Wir sind noch immer bei den Türken und die 100 weiter unser treuer Begleiter. Ebenso wie Baustellen, denn aus der 2-spurigen Straße mit ein paar wenigen soll allem Anschein nach eine 4-spurige High-Fidelity-Road gemacht werden. Je enger es in den Baustellen ist, desto mehr entnimmt man dem Hupen der LKWs die Message „Mach Platz, sonst nehm ich ihn mir“ anstatt „Hallo ihr coolen Radler“. Die Teeeinladungsdichte war heute auch geringer, man muss die Leute nun schon etwas aufdringlicher zum uns-einladen motivieren (z.B. in dem wir 1,5 Minuten anstatt 1 Minute irgendwo rumstehen). Aber auch das haben wir heute 1x geschafft. Geschafft hat es heute auch Tobi, sich trotz eindringlicher Vorwarnung auf der gleichen Treppe hinzulegen wie vorher schon Claudia.

Die Landschaft und das Wetter laden zum Kilometerfressen ein, zwischendurch nochmal eine Stärkung durch eine Art Käsebrot. Doch am Abend dann doch noch Action: Zum ersten Mal wild campen am Fluss. Das entlastet die Reisekasse und führt uns zudem an einen ziemlich geilen Ort. Die Straße und Frösche sind in Hörweite und ich mag das noch halbwegs kalte Efes, die großen Grashüpfer hier, den Frischkäse und auch die fette Spinne in meinem Frappe-Becher. Noch mehr mag ich gerade aber, dass die Stechmücken nicht ins Zelt reinfliegen können.

In 50 m Entfernung steht übrigens ein Haus mit großem Warnschild vor Gas oder sowas. Aber was soll schon passieren, das ganze ist ja flussabwärts. Und damit gute Nacht liebes Tagebuch, ich knipse nun mal das gleißende LED-Licht meiner Stirnlampe aus.