<< 16. Etappe, 11. August: Kutaisi - Khashuri >>
Jan: Gott würfelt nicht, fährt aber vielleicht Mitsubishi PajeroAn wen der Lance des Tages geht, ist heute klar: An Elias. Wir trafen ihn hinter Khashuri, als wir uns nicht ganz schlüssig waren, was wir mangels Hotel in diesem Ort machen sollten, in einem Mini-Restaurant, was wieder an Helge-Schneider-Filme erinnerte. Daraufhin lud er uns erstmal zu den typischen Bockwürstchen, Fleisch, Brot, Bier und Kognak ein und wartete mit ein paar Brocken deutsch und einem heiteren Deutsch-Georgischen Wörterbuch, vermutlich aus den 50ern, und Übersetzungen zu wichtigen Phrasen wie "Los, zieh die Schürze an" oder "Wringe aus!" auf. Er rief seine Nichte in Mannheim auf dem Mobiltelefon an, wir mussten alle mit ihr sprechen, und sie sagte jedem von uns "Mein Onkel würde sich sehr freuen, wenn sie heute bei ihm übernachten würden". Wenn in Reiseführern von der georgischen Gastfreundschaft die Rede ist, ist wahrscheinlich genau das hir gemeint. Als die Kognak-Flasche leer war, die netten Mädels mit den lustigen Ringelstrümpfen uns mit der 2. Runde Bockwürstchen gesättigt und wir Gruppenfotos gemacht hatten, radelten wir Elias und seinem Geländewagen hinterher zu seiner Villa. Dort lernten wir Tamara, seine 16jährige des Englischen mächtige Tochter kennen, und sie fragte uns, ob wir noch Lust auf einen Ausflug ins 25 km entfernte Borjomi hatten. Hatten wir, und so verbrachten wir noch 1 Stunde im wunderbaren Kurpark des 30 km entfernten Kurorts, wo sich an diesem Abend die gesamte georgische Jugend aufzuhalten schien. Die Luft war fantastisch, Tamara holte uns noch Becher fürs quellfrische Schwefelwasser (Geschmackssache) und Elias spendierte uns grosszügig Autoscooter, Achterbahn und Schiffsschaukel (danach ging es meinem Magen weniger gut, doch ich sollte den Abend ohne Übergeben überstehen), Eiskrem und Kaffee, während die Jugendlichen „eine heisse Sohle aufs Parkett legten“. Ich dachte kurz, wahrscheinlich sind wir heute alle gestorben und gerade im Himmel und dachte kurz darüber nach, welchen Celebrities man im Himmel noch begegnen könnte. Wieder in Khashuri, ging es in das Haus des etwas wortkargen, aber sicher auch ganz lieben Neffen, wo es zwar kein fliessendes Wasser, aber sehr komfortable Betten und allerlei Krimskrams (auf dem Schrank in meinem Schlafzimmer steht z.B. ein Plüschtiger mit Cowboyhut) steht.
Christian: Spannung, Spiel und SchokoladeDas war die Nacht Nr. 2 in Georgien. Diesmal ohne Vodka oder sonstigen Spökes. Die Nacht wäre durchaus besser gewesen, wenn nicht Heerscharen an Stechmücken unser Zimmer heimgesucht hätten. Zum Etappenstart gönnen wir uns noch einen schnellen Abstecher durch die Innenstadt, die in einem krassen Gegensatz zum Umland steht. Danach folgen wir der georgischen Variante der D 100, welche hier M 1 heißt. Auch georgische Autofahrer sind verrückt, aber die Straße samt Belag gibt uns keinen Grund zum klagen. Leicht wellig gewinnen wir nur langsam an absoluten Höhenmetern und unsere Fahrt wird viermal gestoppt: Zum ersten durch eine Tankstellenpause, zum zweiten durch eine Pinkelpause, bei der wir den litauischen Zwillingsbruder von Philipp mit seiner Freundin trafen. Das dritte Mal durch einen erneuten Speichenbruch bei Tobi – jaja, langsam sind wir schon erfahrene Radmechaniker. Den vierten und letzten Stop beschwerte uns Claudia, deren Schutzblech den Geist halbwegs aufgab – sie wurde unter Polizeischutz aus dem Tunnel begleitet. Dann begann der letzte richtige Anstieg zur Wasserscheide Schwarzes Meer – Kaspisches Meer. Ein letztes Kräftemessen, 7 % auf 3.800 m laut Straßenschildern. Jetzt bin ich wieder fit genug, um mich an Jans Hinterrad zu hängen. Oh, doch nicht ganz. Ich kann nicht mithalten, power mich aber mit 12 km/h hoch komplett aus – Spass pur und nebenbei endlich mal wieder Tobi ein paar Bergpunkte abgenommen (die ersten seit dem Grand Ballon glaube ich). Wir durchqueren den vorsintflutlichen Tunnel und rollen an einer Brotmeile vorbei nach Khashuri. Ein Ort gänzlich ohne Hotel, dafür aber mit einem pompösen Springbrunnen am zentralen Kreisel. Was nun tun? Rausfahren und im grünen Zelt zwischen Gori, Südossetien und den Russen wild aufbauen – ne, besser nicht. Bewährte Taktik: Unter Menschen gehen und gucken was passiert, vielleicht kann man ja improvisieren. Alles richtig gemacht. Wir treffen ILLIAZ. Ein lebensfroher lokaler Großgrundbesitzer, der ein paar Brocken Deutsch spricht, die er wohl teilweise aus einem Wörterbuch lernt, das bei Jan und mir zu einem viertelstündigem Lachflash führte. Er versorgte uns mit deutschem Fassbier, Siedewürstchen und Cognac. Sein in Karlsruhe lebende Nichte ertönt plötzlich aus seinem Handy und wir müssen mit ihr ein etwas bizarres Gespräch führen, aus dem hervorgeht, dass Illiaz uns gerne als seine Übernachtungsgäste begrüßen würde. Das unterstreicht seine Hauptaussage „House, ich – Hotel“ Wir kommen diesem Angebot natürlich gerne nach, seine Frau scheint hingegen etwas überrascht und schickt ihn nochmal mit uns und seiner Tochter nach Borjomi. Ein im Land sehr bekannter Ort in dem sich eine Mischung aus Naturreservoir und Freizeitpark befindet. Es passierte alles recht schnell und plötzlich, ich hatte z.b. noch meine Radklamotten an. Dafür Illiaz die Spendierhosen. Autoskooter, Schiffschaufel, Achterbahn und Eis ließen keine Wünsche offen. Es ist alles so bizzar, dass sich Jan schon tot und nun im Himmel wähnt, eine lustige Vorstellung und wir machen uns auf die Suche nach einer Himmels-WG, vielleicht zu Elvis oder Michael oder wohin auch immer. Was für eine Aktion, der Lance der Tour ist Illiaz damit eigentlich sicher. Im House wohnt auch sein Neffe mit ner Art WG, allerdings ohne fließendes Wasser. Egal, das Bett ist bequem und ich mag nun nur noch schlafen. |
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