<< 14. Etappe, 09. August: Hopa - Kobuleti >>

Distanz
61,71 km
Fahrzeit
3 h 13 min 34 sec
Geschwindigkeit
19,13 km/h
gefahrene Höhenmeter
297 m
Höhe Zielort
11 m
Musiktipp Jan
The Beatles - Back In The USSR
Radiohead - No Surprises

Twitter-Text
Wir sind in Georgien! Grenzübertritt problemlos. 30km im Regen. Den ersten Wodka schon intus. Lecker! 10km Strandmeile :)

Jan: Back In The USSR

Auch der 14. Tag hatte es trotz der kurzen Tagesdistanz absolut in sich. Zunächst gab es noch ein typisch türkisches Abschiedsfrühstück in Hopa mit der Tomate-Gurke-Olive-Schafskäse-Nutella-Honig-Butter-Weissbrot-Tee-Standardkombi, zu dem wir unseren Frappe hinzufügten. Bei durchwachsenem von Nieselregen geprägten Wetter (die Langfrist-Wettervoraussagen waren für ab heute falsch) tuckerten wir die letzten 17 km Türkei vorbei an Lkw-Schlangen und durch die ersten Dörfer mit georgischen Schriftzeichen an den Läden (das georgische BIP ist übrigens nicht mal ein Drittel des türkischen) bis Sarp zur Grenze. Dort verdiente sich ein geschäftstüchtiger Mittzwanziger noch 10 Lire, in dem unsere vier Pässe schnappte und uns hassle free zu den zwei wichtigen Abstellstationen an der Menschenschlange vorbei brachte - einfach mal mitmachen.

Kurz dahinter wurden wir dann freundlich "welcome to Georgia" geheissen, und die Einreise klappte ohne Komplikationen und ohne "present for soldier" - gut, dass wir keinen rosa Kuschelbären durch die Türkei geschleppt haben. Hinter der Grenze erwarteten uns die ersten von 2005 bekannten, für mich typisch georgischen, mit deutschen Schriftzügen wie "Bautrocknung Schmittgall" oder "Busche Reisen Rehburg-Loccum" versehenen ausgemusterten Transporter und Busse, kyrillische Schriftzeichen (manchmal als Hilfe für das wohl nur von Chuck Norris erlernbare georgische Alphabet), Schlaglöcher, und man fühlte sich wieder wie in einer anderen Welt 20 Jahre zurück (oder nur 2 Jahre, siehe Bulgarien 2007 auf dem Orient-Express). Bald tauchte linker Hand eine sehr modern ausschauende MTV-Beachparty-Kulisse mit Strohdächern, Löwenbräu- und Pepsi-Reklame auf, die allerdings dank eines heftigen Starkregens etwas ihres Zaubers einbüsste. Stattdessen flüchteten wir zu einer Tankstelle, wo man uns gleich einen Abstellraum mit allerlei Ramsch drin (auch das typisch Georgien) zur Verfügung stellte, der, wenn man die Decke so betrachtete, mittelfristig einzustürzen wird.

Als der Regen kurz gestoppt hatte, entschieden wir uns weiterzuradeln, gerieten aber auf den 15 km bis Batumi in ein noch viel stärkeres Gewitter, welches unsere Etappen von Slowenien 2006 und 2007 völlig in den Schatten stellte. Als Konsequenz waren wir in Batumi völlig durchnässt, und das Wetter lud auch nicht wirklich zu einer Stadtbesichtigung ein, erst recht nicht für den empfehlenswerten Botanischen Garten. So tauschten wir noch ein bisschen Geld in einer Wechselstube (türkische Lira in georgische Lari war möglich - hurra) und unterhielten uns mit einem Georgier, der uns wie Siggi & Raner mit "Freundschaft" begrüsste. Danach nahmen wir die letzten 17 km auf einer schönen, gut asphaltierten und unerwartet hügeligen Strasse nach Kobuleti in Angriff. Dort versammelten sich sechs alte Männer um mich, die mir auf meiner Karte zeigen wollten, wie es nach Tbilisi geht. Das nahm fast schon Züge türkischer Hilfsbereitschaft an, ausser dass alle hier irgendwie relaxter und weniger hektisch drauf sind.

Kobuleti, mir nur als verschlafenes Schwarzmeernest vom Oktober 2005 in Erinnerung, hat sich (lag wohl aber auch an der Haupturlaubszeit und am Sonntag) zu einem pulsierenden Badeort mit 10 km langer Party- und Fressmeile gemausert. Erst im viertel Hotel fanden wir noch eine Viererzimmer für 100 Dollar und sprangen wohl das vorerst letzte Mal ins Schwarze Meer. Zwischendurch tauchten immer mal wieder ambulante Händler mit Gummireifen, Luftballons, Bananen und Nüssen vorbei. Wir speisten und tranken noch in unserem Hotel. Eine des englischen mächtige Georgierin (in dem Fall ist man hier wie in der Türkei schon der Star) stellte sich als Dolmetscherin zur Verfügung, und wir assen zu Techno-Videos das Nationalgericht Chatschapuri und tranken auf ihren Ratschlag hin Wodka und Bier, bis Tobi nicht mehr konnte. Na chwamdis, Schwarzes Meer, wir hörten noch die Klassiker des Britpops am Strand, und jetzt werden wir durchs Landesinnere nach Tbilisi ziehen. Aber es waren 8 schöne Tage mit dir.

 

Christian: Sing halleluja

Hoppla, heute erlebt man wieder was. Es steht der erste und einzige Grenzübertritt auf der Agenda, den wir mit der 2007er Erfahrung, wo wir alle 3 Tage Landesgrenzen überschritten, meistern werden. Vorher genossen wir ein letztes Mal das türkische Standardfrühstück, bestehend aus  Weißbrot, Tomaten, Gurken, Feta und Marmelade. Das Ekmek werde ich so schnell nicht vermissen, auch kann ich mir gerade noch nicht vorstellen, in Deutschland wieder Brötchen zu essen {zum Zeitpunkt des Abtippens Anfang September kann ich diese Aussage sogar noch bestätigen}.

Das letzte Teilstück in der Türkei war schon ziemlich geil. Links das Meer und rechts direkt hohe Berge, von denen dauernd Wasserfälle in den Straßengraben donnern. Nur ab und zu unterbrochen von Mülldeponien – naja, auch hier kann man ja noch was lernen. Eine leichte Anspannung kann ich nicht leugnen und das Pfefferspray ist für die bevorstehende Grenzkontrolle auch besser mal von der Trikottasche in die Ortliebtasche gewandert – man will ja nicht als Waffenschmuggler auffallen.


Jetzt geht’s rund:

Wir werden hier gerade mit Vodka abgefüllt. Ich muss schreiben, solange ich noch kann. www.schlemmer-geht-ab.de.tr.ge Ich als Rheinländer muss nun alle abfüllen. Mist, das hätte ich gerne. Mich trifft es gerade selber. Hoch die Tassen.

Jan zum selben Thema:

Wenn Sie einmal in Georgien sind, dann essen Sie Chatschapuri! Ich grüße mit einem unheimlichen Temperament, wie ich finde, den GND-Teamweisen C.H.R.I.S.T.I.A.N  H.O.F.F.M.A.N.N

Herzlichst ihr Dieter Thomas Heck


Zurück zum Tag, an dem ja die Einreise nach Georgien zu meistern war. Am Grenzposten angekommen, an der LKW-Schlange vorbeigemogelt, kamen wir direkt Ahmet (richtiger Name der Redaktion nicht bekannt) ins Gespräch. Ein netter Kerl und für 10 Lira unser Grenzhelfer, wie sich herausstellen sollte. Seine Dienstleistung: Uns den Weg zeigen und sich mit unseren Pässen vor die anderen Reisenden drängeln. Hat ganz gut geklappt. Nachdem die georgische Grenzerin ein „dienstliches“ Foto von mir gemacht hat, begrüßte sie auch mich mit „Welcome to Georgia“. Im weiteren Verlauf der Begrüßung schickte uns Petrus eine geballte Ladung Starkregen, vor der uns nur der einsturzgefährdete Nebenraum der ersten georgischen Tanke bewahrte.  Hier drinnen regnete es zwar auch, aber bei weitem nicht so viel. Eine freundliche Geste vom Tankwart, wie ich finde.

Im wieder eingesetzten Regen und klitschenass, war uns in Batumi irgendwie nicht nach Touri-Programm und wir rollten stramm unserem Tagesziel Kobuleti entgegen. Zu unserem Entsetzen klappte die Hotelsuche nicht auf Anhieb, denn auch der gemeine Georgier verbringt seine Ferien gerne mal am Meer und die weiter nördlichen Strände gehören nun ja mehr oder minder den Russen. Mit etwas Geduld und Spucke war das Problem aber auch in Wohlgefallen aufgelöst und wir begannen mit dem Abendprogramm: beachen (Kiesstrand und Atlantik-gleiche Wellen), Stadtrundgang, Abendessen. Was war anders? Die Vodkaflasche, die uns auf den Tisch gestellt wurde. Gute Nacht!