<< 8. Etappe, 03. August: Samsun - Kovanli >>

Distanz
135,19 km
Fahrzeit
6 h 20 min 04 sec
Geschwindigkeit
21,34 km/h
gefahrene Höhenmeter
357 m
Höhe Zielort
6 m
Musiktipp Jan
Hurricane #1 - Faces In A Dream

Twitter-Text
am Schwarzen Meer an einer einsamen bucht mit sonnenuntergang und delphinen. 136 km mit speichenbruch tobi nach samsun.

Jan: Der erste Tag am Meer endet an der perfekten Location

Wir sitzen am Schwarzen Meer und es ist fast schon zu kitschig, denn man hört mal keinen Strassenlärm, stattdessen nur das Meeresrauschen und vor uns springen gerade echte Delphine herum.

Unser erster Tag am Schwarzen Meer wurde mit Melonenfrühstück eingeleitet, und anschliessend rollten wir ohne jegliche Steigung und einwandfreiem Seitenstreifenbelag 41 km durch eine Po-ebenen-ähnliche Landschaft bis Carsamba (auf deutsch "Mittwoch"), wo wir fast schon obligatorisch von vermutlichen Kaufleuten, die mit Taschenrechnern wild herumaddierten und wie Graf Zahl mit Zahlen um sich warfen, zum Tee eingeladen wurden. Dabei stellte Tobi fest, dass eine Speiche gebrochen war. Gut, wenn man beim ersten Speichenbruch auch das erste Mal Ersatzspeichen dabei hat. Erst Claudia konnte diese an dem Ritzelpaket vorbei einspeichen, und nach einer Stunde ging es weiter. Bald hatten wir den Schwemmfächer des Yesilirmak überquert und erreichten wieder das Schwarze Meer, und ab Ünye tauchten auch die ersten Strände und Campingplätze auf. Die Strasse, die bislang tellerflach war, wurde jetzt auch richtig schön und immer leerer - spätestens, als hinter Fatsa der Hauptverkehr nach Ordu und Trabzon in den längsten Tünel der Türkei (4 km) lief.

Wir entschieden uns für die landschaftlich schöne Küstenstrasse, die aber jetzt nach 115 km Tagesstrecke auch noch richtig bergig wurde. Wir wurden schliesslich mit einem ideal gelegenen idyllischen Campingplatz mit Restaurant (Campingplatz steht zwar dran, aber eigentlich iste es gar keiner. Der Besitzer sagt aber, wir dürfen hier zelten) entschädigt. Nach dem Abendessen führten wir noch mit den zwei aufgestellten Brüdern (der eine 17jährig und preisgekrönter Schüler, der andere bereits Student) Gespräche über vergangene Fussballspiele bis zur türkischen Leidenschaft für Computerspiele und verabredeten uns zum Frühstück um 7.30. Der GND-Tipp für Nachradler dieser Tour: Dedeoglu Aile Bahcesi ("Familengarten"), seeseitig auf der Strasse zwischen Medresönü und Caytepe. Grüsst die beiden Jungs von uns und richtet Alperen von mir aus, Del Piero hat 2006 tatsächlich das 2:0 gegen Deutschland erzielt.

PS: Dank Ersatz-Gestänge ist das Salewa-Zelt, was in Kavak noch ziemlich ulkig aussah und ca. 50% seiner Grundfläche eingebüsst hatte, wieder voll einsatzfähig.

 

Christian: Kilometer fressen, ein atemberaubendes Erlebnis in perfekter Urlaubsatmosphäre

Fahren auch Sie einmal von Samsun ostwärts an die Küste und erleben Sie, wie hurtig Sie auf einer bergfreien Straße ohne Wind auf einer perfekt ausgebauten Straße rollen. An Ihrer ersten Pausenhaltestelle wartet ein besonderes Highlight auf Sie: Ihr Mitfahrer Tobi erleidet einen Speichenbruch, den Ihre Teamärztin Dr. Claudia mit gewieften Fingern ihrer OP-Erfahrung wieder einfädelt. Lassen Sie sich zum Tee einladen und rollen weiter in Richtung dem Ort, wo die Sonne aufzugehen scheint...

Heute also ein Tag wie aus dem Reiseprospekt. Landschaftlich ist es wieder vollends grün und das schwarze Meer lädt gegen Etappenende nahezu jeden Kilometer zum baden ein. Eigentlich kann man nicht wirklich viel berichten über die Etappe heute. Kurz vor unserem Ziel verschwindet die Hauptstraße seit ein paar Jahren in einen neuen Tunnel, der angeblich der längste der Türkei ist und wir fahren entlang der nun fast verkehrsberuhigten Straße an bildschönen Buchten vorbei, um letztendlich bei Alperens Eltern zu landen, die ein kleines Restaurant mit Zeltgelegenheit direkt in einer Bucht betreiben. Nachdem wir uns eine ausgiebige Badesession gegönnt haben, essen wir im Sonnenuntergang und gucken auf vorbeiziehende Delfine. Bei SWR3 gab es früher mal eine Serie „Plätze zum absolut glücklich sein“. Ich fand das immer etwas an den Haaren herbeigezogen bis kitschig, muss aber spätestens seit heute Abend sagen: „Solche Orte gibt es!“

Wir wollen uns abschließend schon ins Bett aufmachen, als wir auf Alperen und Mert treffen, die beiden Söhne der Familie. Zwei sehr coole Typen, mit denen wir noch mehr als eine Stunde über Fußball, Computerspiele, die Türkei und Deutschland usw. geredet haben. Allerdings konnte mich Alperen nicht überzeugen, mit ihm eine Runde Computer zu zocken (wenn ich mir heute seine PC-Games-Videos bei facebook anschaue, hätte ich wahrscheinlich sowieso keine Chance gehabt).