<< 15. Etappe, 10. August: Kobuleti - Kutaisi >>
Jan: Jetzt weiss man, wo Helge Schneider Filmrequisiten und Schauspieler rekrutiertSo, wir sind schon 220 km vor Tbilisi. Und das nach einer Nacht, wo ich wie selten zuvor mit Nachdurst aufgewacht war und meine eigentlich für die heutige Etappe bestimmte 1,5 Liter Pepsi schon fast vorm Start ausgetrunken hatte. Tobi klagte am Morgen über Kater und schwor "nie wieder Wodka". Draussen regnete es leicht, und wir bekamen dank unser freundlichen Dolmetscherin sogar noch Frühstück mit Ei, Käse und Brot. Anschliessend fanden wir Christians auf mysteriöse Art und Weise verloren gegangene Handyklappe am Strand wieder. An jeder Ecke gibt es hier ebenfalls an Helge erinnernde Mini-Kiosks, an dem man sich u.a. eine Plastiktüte mit 1 kg lustig bedruckten Keksen kaufen kann, die man dann wiederum bei der 8 km vor Kutaisi einsetzenden ersten Regenpause des Tages vertilgen kann. Bei dieser drehte ich noch ein Video von einer Kuh, die seelenruhig auf dem Mittelstreifen umhergeht, während Autos mit 100 km/h links und rechts an ihr vorbeidonnern. Erst die Kopftuch tragende Kuhbesitzerin jagt sie letzlich davon. Anschliessend stieg noch ein Mann mit einer undefinierbaren absurden Fracht (Bierfass oder Gasflasche) aus einem Transporter aus und fragte, wo wir hinwollen. Nach Kutaisi, wo wir wegen Regen gleich im ersten Hotel in den Stadtmauern eincheckten. Das Wasser fliesst nur in einem unserer beiden Zimmer, aber wir haben es trocken. Ferner brennt hier eine Glühbirne, während Christian aufgefallen war, dass es in der Türkei nur Energiesparlampen gab.
Christian: Das Leben hier ist ein großer BauernhofHinter uns liegt der bisher übelste Absturz der Tour. Schon der erste Vodka gestern Abend hatte ziemlich reingehauen, und am Ende war die Flasche doch leer und meine Handyklappe weg… oh oh. Total gerädert (haha, Wortspiel) ließen wir den Tag seeehr langsam angehen. Und etwas langsamer schadet hier eh nicht, denn in Georgien scheint man auch eher eine entspannte Lebenskultur zu pflegen (außer im Auto auf der Straße versteht sich). Mir fällt auch, dass der Eifler Begriff „schroh“ irgendeinen Bezug hierher haben muss. Aber dass ist wohl auch Geschmackssache und vielleicht wollte das Mädel gestern am Strand auch einfach nur mal ein Foto mit einem unheimlich schrohen Mann, als sie sich mit mir ablichten ließ. On paper hätte die heutige Etappe topfeben sein müssen ähnlich wie die Po-Ebene. Dies lag aber nur daran, dass die Isohypsen hier auf 250-m-Intervalle eingestellt sind (wegen der Höhe des Kaukasus vielleicht sogar sinnvoll). Nun ja, wem hätte das eigentlich vorher auffallen müssen als mir, wo ich doch in der AG Kartographie arbeite. Trotz Kater im Gepäck fährt sich das alles aber sehr gut. Landschaftlich ist das hier alles einfach nur umwerfend. Überall mehr oder minder saubere Bäche, saftigstes Grün, Farnfelder und auf der rechten Seite der Kleine Kaukasus in Sichtweite. Gespickt ist der Gesamteindruck von an den passenden und unpassenden Stellen herumstehenden Kühen und Schweinen, z.B. auf der Straße, im Vorgarten oder auf der Verkehrsinsel. Auch Helge Schneider ist mal wieder dabei. Diesmal in Form von einem filmreifen Einparkversuchs von drei Männern und ihrer ca. 60 Jahre alten Vespa-Rikscha im Flussbett. Da muss man dabei gewesen sein. Die Etappe endet wie geplant in Kutaisi. Ein Hotel haben wir hier schnell gefunden. Die Zimmer sind ok, versprühen etwas post-sozialistischen Charme und das Bad riecht nach verwitterndem Gummi. Aber beschweren will ich mich nicht, denn das Abendessen schmeckt mal wieder vorzüglich und nach Sahne schmeckende Limo habe ich vorher auch noch nicht getrunken. Weiter so! |
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