<< 17. Etappe, 12. August: Khashuri - Mtskheta >>
Jan: Mit Rückwind zu Stalin und über die Autobahn zum KillermetallschrottWolkenverhangen war der Himmel über Khashuri, als wir mit Elias das letzte Frühstück einnahmen. Wir tauschten noch die Kontaktdetails mit seinem Neffen aus, der ein Visum für Deutschland braucht, um seine Schwester zu besuchen - mal schauen, ob und wie wir da helfen können. Das Thermometer zeigte nicht über 20°C - erstaunlich, hatte ich doch mit 30°C und Sonnenschein für diese Jahreszeit für die transkaukasische Senke gerechnet. Aber so war es dank herbstlicher Temperaturen sehr angenehm zu fahren. Es ging durch eine steppenähnliche Landschaft mit Kaukasusblick und verdammt nah an der ossetischen Grenze, die vor genau einem Jahr Kriegsgebiet war, nach Gori zum Mittagsstopp. In Stalins Geburtsstadt wird eine grosse Militärbasis errichtet. Wir kauften Backwaren zum Spottpreis und die Differenz zu unserem Vorbehaltspreis gaben wir zwei armen bettelnden Kindern, die nach Cola und Chatschapuri erst mit Christians M&Ms befriedigt von dannen zogen. Von Zerstörungen sah man hier nicht mehr viel, dafür aber die 17 Meter hohe Stalin-Statue vor seinem Geburtshaus an einem völlig überdimensionierten Boulevard.
Christian: Keine Ursache, große WirkungDer GND fährt dahin, wo sich Weltgeschichte abspielt, nach Gori. Ein zerbombte Brücke und enorme Militärpräsenz zeugen noch von dem, was hier vor ziemlich genau einem Jahr los war – nämlich die Russen. Ein nach Unabhängigkeit strebendes Bergvolk, militärische Winkelzüge, Provokationen, Scharmützel und Machtdemonstrationen – so geht immer noch Weltpolitik. Gori selbst ist ansich gar nicht schlecht und ich esse ungefähr mein 50stes Chatschapuri. Es ist ungewöhnlich kalt für die Jahreszeit und ich brauche sogar meine Jacke. Auf dem weiteren Weg rollte es mal wieder bestens. Die Straße ist zur zweispurigen Autobahn ausgebaut und der Wind schiebt mit aller Kraft. So ungefähr muss Rennrad fahren sein. So sausen wir nach Mzcheta und endlich knacke ich nochmal die 70 km/h. Wir wähnen uns schon fast am Zielort, als ein Draht aus dem Nichts auftaucht und Raisa damit lahmlegt – ziemlich blöde Sache, wie ich finde. Aber letztendlich bekommen wir den Draht herausgepoolt. Tobi dachte laut darüber nach direkt nach Tiflis einzurollen, aber einen wirklichen Vorteil würde uns das auch nicht bringen und so beziehen wir ein kleines aber feines Hotel mit scheinbar variablen Preisen. Wegen ungeziemter Beinbekleidung darf Tobi die örtliche Kirche nicht besichtigen und Claudia besinnt sich am Flußsteg ihrer Ruderkarriere. Apropos: Auch hier halte ich es für ungefährlicher, in der Emscher zu baden, als hier. Auf unserer Suche nach einem Lokal für das Abendessen erwies sich die Touristeninformation als unglücklicher Tippgeber. Dafür überrascht der Ort mit einem bisher in Georgien noch nicht gesehenem Supermarkt, in dem u.a. deutsche Discountprodukte (Gut und Günstig) zu horrenden Preisen offeriert werden. Den finalen Restauranttipp bekommen wir von zwei ziemlich taffen deutschen EU-Polizisten (Peter und Uwe), die die Sicherheit rund um Gori gewährleisten sollen. Der Tipp erwies sich als äußerst gut und ein auf besondere Art freundlicher Kellner verwöhnte uns mit einem wieder einmal köstlichen Abendessen und unserer Grotte. Dazu spielte ab und zu liebeslüsternde Livemusik, später probierten wir noch georgischen Wein auf der Hotelterrasse und der Abend war perfekt. Der Hotelbesitzer hockt übrigens noch immer vorm Internet. Was für ein Nerd ;-) Gute Nacht! |
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