<< 11. Etappe, 06. August: Trabzon - Of >>

Distanz
52,95 km
Fahrzeit
2 h 32 min 38 sec
Geschwindigkeit
20,81 km/h
gefahrene Höhenmeter
195 m
Höhe Zielort
29 m
Musiktipp Jan
Selig - Traumfenster

Twitter-Text
Heute erneut 1/2 ruhetag bevor es morgen zum bergzeitfahren geht. ch mit durchfall geschwaecht. besserungsgruss erwuenscht

Jan: Danke, Google Translate

Allzu einfach ist es nicht, wenn ich nur ein paar Brocken Türkisch, meine Mitfahrer gar keins ausser "Merhaba", was Christian meistens im Stile eines Dr. Udo Brömme winkend allen Menschen am Strassenrand zuruft, und der Hotelbesitzer weder des Deutschen noch des Englischen auch nur ansatzweise mächtig ist. Doch zum Glück gibt es ja das herrlich unperfekte Google Translate, das uns durch das Übersetzen von Sitzungsprotokollen ins Schwedische, Schaumburger-Nachrichten-Leserkommentare auf Türkisch oder Trapattoni-Reden ins Englische schon so manchen Lachflash beschert hat. Heute rief der Besitzer des Hotels in Of diese Website auf, aber da er viele Wörter eiskalt zusammen schrieb, hatte dies eigentlich nur den Effekt, dass unter "Türkisch" (Input) das selbe stand wie rechts unter "Deutsch" (Output). Egal, ich verstand trotzdem das Nötigste, und Einchecken des offenkundig weit und breit einzigen Herberge in diesem von Teeplantagen und einem Riesenwochenmarkt geprägten 29-000-Seelen-Ort konnten wir nach dem Genuss von gekühltem Wasser, das hier der ganze Stolz des Besitzer war, in der vollklimatisierten Lobby trotzdem.

Nach 53 nur von einer Toilettenpause unterbrochenen 53 km von Trabzon erreichten wir also Of, assen noch in einem Kebap-ve-Pide-Salonu, und jetzt liegen Tobi, Christian und ich am Wasser (die Bezeichnung "Strand" wäre hier nicht angebracht), während Christian sich schlecht fühlt. Diese Tour steckt voller Überraschungen. Das Wetter ist weiter heiss und sonnig.

Update von 21 Uhr: Christian hat nun Magendarm und räkelt sich im Bett, während wir ihm wie eine Oma Toilettenpapier, Bananen und Cola bringen. Wie eine Oma kümmert sich auch der Besitzer des gerade mal 40 Tage alten blitzsauberen Hotels, in dem nur der unbefestigt auf der Treppe liegende Teppich zu bemängeln ist, um uns. Als er unsere Einkaufstüten sah, stellte uns einen Essraum zur Verfügung, selbstredend kocht er uns auch noch Tee, gibt uns Haselnüsse und sein Eiswasser; und wir machen immer wieder lustigen Smalltalk via Google Translate über sein Notebook. Mal sehen, ob er verstanden hat, dass wir morgen um 7 Uhr losfahren wollen und unsere Räder aufschliesst. Eine ältere Dame stellte sich noch als Dolmetscherin zur Verfügung, aber die anderen wollen lieber schlafen. Hoffentlich bessert sich die gesundheitliche und damit auch die Gemütslage von Christian, der einem heute leid tun kann. Andererseits ist es auch das für diese Tour typische Glück im Unglück, dass das an einem Ruhe- bzw. Puffertag passiert.

 

Christian: Ich hab Bauch, weisste Bescheid

What a day. Ich weigere mich das Wort „Reizmagen“ in den Mund zu nehmen, weil ich mir meine Grundgesundheit nicht schlecht reden will, aber insgeheim habe ich damit ja schon gerechnet.

Wobei der Tag erstmal sehr relaxed anfing und der halbe 100er heute ja eigentlich keine wirklich große Herausforderung bedeutet. Zumal die als attraktiv gekennzeichnete Küstenstraße immer mal wieder schöne Ausblicke bot. Wobei langsam auch mal wieder ne Abwechslung fällig wird. Und so sah unser Plan dann auch aus und morgen wollten wir schön von der Küste noch einmal in die anatolischen Berge auf einen über 2.000 Meter hohen Pass klettern. Da freue ich mich drauf und es ist wohl auch die interessantere und stressfreiere Alternative als schnell durchzufahren um Armenien noch einen kurzen Besuch abzustatten (wie wir es einst auch mit der Slowakei gemacht haben). Der Respekt vor 2.600 Höhenmeter bleibt jedoch und verursacht zunächst in Zusammenarbeit mit der wohl eine Nummer zu klein bemessenen Radlerhose ein leichtes Bauchgrummeln. Aber sowas kenne ich ja schon, also kein Grund zur Aufregung.

DENKSTE – beim verfrühten Abendessen fing es an, auf dem Wochenbasar in Of (der Ort heißt tatsächlich so) setzte es sich fort und im Hotel war ich dann ausgeschaltet. Magen kaputt – eine beschissene Sache wie ich finde. Über den Rest des Abends kann und möchte ich eigentlich nicht mehr soviel schreiben. Wir halten fest, dass der Weg vom Bett ins Bad sehr anstrengend sein kann, Bauchweh auch Rückenschmerzen verursachen kann und man v.a. froh über ein solch klasse Team sein kann, die einen mit Tee, Cola und Salzstangen usw. bestens versorgen.

Achja, der Pass: Nein, selbst wenn die Schmerzen wieder weg sein sollten, was ich natürlich stark hoffe, kann ich die Bergwertung ad acta legen. Aber wer weiß, wozu das vielleicht gut ist…