<< 5. Etappe, 31. Juli: Ilgaz - Osmancik >>
Jan: Reis und Melonen im Grand CanyonZunächst haben wir die erste Zeltnacht gut überstanden. Zwar habe ich nur mässig geschlafen wegen Strassenlärm und nicht allzu weichem Untergrund, aber zumindest die frühen Morgenstunden habe ich dann durchgeschlafen, bevor die Sonne uns weckte. Von dort fuhren wir fast 16 km bis zum ersten "Roadhouse", wo wir frühstückten und den ersten Nescafé der Tour genossen. Ausserdem gab es hässliche Kuscheltiere, die sich eventuell als Geschenk für die georgischen Polizisten dienen könnte. Noch haben wir aber keinen gekauft. In Osmancik (25 000 Einwohner - in der Türkei prangt von den Ortsschildern immer auch die Einwohnerzahl - das kenne ich von keinem anderen Land) erwartete uns ein lebhaftes Kleinstadtleben und wir fanden schliesslich sogar noch rechtzeitig zu den ersten Regentropfen das Otel Mert. Dort konnten wir Wäsche waschen und lauwarm duschen, nachdem uns der Hotelbesitzer stolz das Satellitenfernsehen demonstrierte, von dem ich "easy life (gesprochen: Laifä)", eine im italienischen Werbefernsehen angepriesene Badewanne mit Eingangstür, in Erinnerung behielt.
Christian: Gaumenreise durch AnatolienAuf zum Atem: Die Sonne geht auf, die Zelttemperatur steigt noch schneller auf, wir stehen auf, essen die letzten Vorräte auf und dann brechen wir auf. So einfach ist das. Kletten hat’s hier übrigens auch ähnlich viele wie 2007 in Dereköy bzw. wie Stechmücken am Morgen. Somit heißt es schnell Land gewinnen und die richtige Frühstückspause auf die nächste Tanke zu vertagen. Hier gibt es den ersten Frühstückskaffee unserer Tour und einen seltsam anmutenden Kuchen, den man wohl am besten als karamelisierte Spinnenbeine im Teesud beschreiben kann – Hauptsache Zucker, kann ich da nur sagen. Obwohl wir im gleitenden arithmetischen Mittel an Höhe verlieren, geht es immer mal wieder aufwärts, vorbei an Reisfeldern (warum hier Reis? Wird der nicht weiter im Osten erst angebaut?) Ein fieser Nagel macht erneut Claudias Hinterreifen den Gar aus {btw.: Tobi sagt ziemlich gerne „frühs“}. Doch halb so schlimm, denn zum Reparieren stand eine Tanke zur Verfügung, wo Claudia ihr in Izmit erworbenes Flick-Know-How ausspielte (wir haben ja auch gelernt: Viele Köche verderben den Brei). Wir lassen uns derweil vom Tankstellenpersonal zwei Kaffees und eine verzehrfertig präparierte Wassermelone kredenzen. History repeating: der zuerst ausgezogene Schlauch war mal wieder undicht. Naja, irgendwie geht es dann doch noch weiter. Die Landschaft hier wirkt schon recht trocken und ich bin eigentlich gespannt, wie sich das entlang der 100 weiter entwickeln würde. Aber das Schwarze Meer ruft. Das auf-und-ab geht weiter, wie auch die Teeeinladungen und die baustellengespickte Straße, auf die Bagger von oben (ca. 50 m über der Straße) schnell mal den Bauschutt abwerfen. Warum wir dann irgendwann auf die noch unfertige Rüttelpiste geleitet werden, die meinem Vorderlicht das Genickt bricht, weiß von uns keiner so recht zu beantworten und an der letzten Tanke des Tages rettet nur ein Cornetto Pistazie meine Laune. Rückblickend scheint es zu gewittern, wieder mal alles richtig gemacht (obwohl wir Tiefdruck-Tobi dabei haben). Das Ziel ist erreicht, unsere Räder im benachbarten Elektroshop sicher untergebracht und ich freue mich auf die Dusche. Nach einem Tag wildcampen rieche ich mich selbst und starte mit Jan außerdem den Contest „Welche Fahrsocken riechen stärker?“ Das gute Milram-Trikot freut sich derweil über die erste Handwäsche des Urlaubs. Unser Restaurant ist, naja, also wor haben jeweils zwei Portionen geordert, der Ayram machte nicht den frischesten Eindruck und glücklicherweise hat die Schärfe den eigentlichen Geschmack etwas übertönt – eine schlechte Wahl, wie ich finde. Jetzt sitzen wir jedenfalls mit 3 Bier intus im Hotelzimmer und hören Scooter. Das muss auch mal sein, man kann ja nicht immer den Rheinländer unterdrücken und Beethovens Neunte hören (da fällt mir gerade ein fieser Kalauer ein, den ich hier NICHT niederschreibe). Bei Tobi ist es wie mit dem täglichen Radeln, jetzt hat er sich eingetrunken (analog eingerollt), d.h. nun gibt er richtig Gas – wir versuchen mit halber Kraft ihn zu bremsen ;-) Achja, Atatürk wurde in Thessaloniki geboren und – viel schlimmer – ich bin eben auch eine Treppe runtergesegelt. |
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