<< 12. Etappe, 07. August: Ovit Geçidi >>

Distanz
158,5 km (nur Jan und Tobi)
Fahrzeit
8 h 34 min 45 sec (nur Jan und Tobi)
Geschwindigkeit
18,47 km/h (nur Jan und Tobi)
gefahrene Höhenmeter
2.640 m (nur Jan und Tobi)
Höhe Zielort
29 m
Musiktipp Jan
Coldplay - Violet Hill
Rolling Stones - Sympathy For The Devil
Starsailor - Safe At Home

Twitter-Text
{nichts getwittert}

Jan: Action 5 Sterne: Durchfall, Gewitter, 2000er und die üblichen Schürfwunden am linken Knie

Heute war ein sehr ereignisreicher Tag. Am Morgen wurde unser Team, welches den 2640 m hohen Ovit Gecidi in Angriff nahm, auf ein Duo reduziert: Auch Claudia erklärte nach Übergeben in der Nacht forfait. Christian frühstückte aber schon wieder mit uns. Tobi und ich machten uns um 8 Uhr auf den Weg und erreichten um 8.20 die D-925 nach Richtung Erzurum, die uns auf die Passhöhe führen sollte.

Am Anfang ging es zwar noch überhaupt nicht bergauf im Flusstal des Iyidere, dafür stellte aber die miserable, zur Hälfte wegen Bauarbeiten aufgerissene Strasse eine Schwierigkeit dar. Bis Ikizdere, km 46 (Google Earth sagt, auch schon auf 500 Metern), merkten Tobi und ich eigentlich nichts von einem Anstieg, wie wir so durch die Teefelder und vorbei an Baustellen, an denen linker Hand Tunnel in den Berg gebohrt wurden. Gefühlt ist mein gutes Koga auf diesen 40 km Anstieg ca. 40 Jahre gealtert. Ab nun ging es nach Energy Drink und Sucuk allmählich auf den kleinen Zahnkranz, und wir schraubten uns allmählich über die Waldgrenze. An der Strasse keine Kilometer- oder Höhenangaben (hier fehlte Christians High-End-Tacho), so konnte man nur erahnen, wie weit es noch bis auf die Passhöhe war. Bei km 70, hinter Sivrikaya auf 1900 Metern, legten wir eine weitere Pause ein. Passend zu den ersten Steigungs- und Schneeketten-Schildern setzten die ersten Regentropfen ein, die sich angekündigt hatten. Tobi animierte mich jedoch, auf jeden Fall weiterzufahren - klar, ca. 10 km vorher umzudrehen, wäre ziemlich sinnlos. Da Tobi keinen Schluck vom Nescafé Express wollte, fuhr ich ihm bald hinter der Pause davon (vorher hatte er prima mitgehalten und seine gute Form des Frühsommers bestätigt).

Ein Van mit Berliner Kennzeichen fragte uns noch, ob er uns mit auf die Passhöhe nehmen sollte, aber wir wollten uns beide lieber durch den immer wieder einsetzenden Starkregen und Hagel hochkämpfen. Oben erwartete uns natürlich kein Ospizio del Ovit mit Souvenirstand, Rüeblitorte, Weizenbier und Gerstensuppe, dafür aber eine überdimensionale Türkeifahne und ein Unterstand in Form eines halbfertigen Gebäudes, in dem ich die 7 Minuten vor Tobis Ankunft prima regengeschützt war. Als Tobi auch oben war, überlegten wir noch, ob wir uns per Anhalter durch den Starkregen herunter mitnehmen lassen sollten. Dazu hätten wir aber den Unterstand verlassen und uns in den Regen stellen müssen, wozu keiner von uns wirklich Lust hatte.

Stattdessen zogen wir uns alle Kleidungsstücke an, die wir im Tagesgepäck dabei hatten (an dieser Stelle möchte ich meine neuen Überziehschuhe loben - die Socken blieben wirklich trocken!) und rollten die Buckelpiste wieder herunter. 10 km weiter unten war der Regen schon wieder vorbei. Als ich gerade die Beinlinge ausgezogen hatte, fiel ich innerhalb von 3 Monaten zum 3. Mal auf mein linkes Knie - das ist wohl ein Fall fürs Guinness-Buch der Rekorde. Grund war diesmal ein sinnloses durch Mark und Bein gehendes Gehupe eines Lkws, woraufhin ich schreckartig nach rechts auswich und über einen der Wackersteine, der den "Strassenbelag" bildete, ausrutschte. Tobi fuhr gegen meinen Kopf, wie ich durch einen Schlag auf meinen Helm, den ich nun auch nicht umsonst mitgenommen habe, vernahm. Wieder im Hotel, behandelte Claudia unsere Schürfwunden dann mit Desinfektionsspray, was mehr wehtat als die Wunde an sich.

Den beiden Fahrern mit C geht es schon wieder besser. Wir dinierten bei Stromausfall, diskutierten Bruttoregistertonnen und Fallbeispiele mit Pferden, die selber zum Schlachter gehen, mit Eseln, die im Wasser Findlinge transportieren sowie Brieftransport durch Gletscher (das fällt laut Statistik dann wohl unter "Sonstiges"). Der Bundesligaauftakt mit 18 Legenden, u.a. dem gut im Futter stehenden Dieter Schatzschneider für 96 und einer wohl selbst Dietmar Hopp völlig unbekannten Legende von 1899 Hoffenheim, sowie dem "Knaller" Wolfsburg gegen Stuttgart dank Eutelsat im TV wirkt dagegen eher einschläfernd, was aber auch am recht anstrengenden Tag heute liegen könnte.

 

Christian: Best of(f)

Salzstangen sind ein völlig unterschätztes Lebensmittel und SlimFast völlig überschätzt. Ich sitze gerade im Hotelwohnzimmer und freue mich nach einer recht unterdurchschnittlichen Nacht über mein wachsendes Wohlbefinden. Nur Hunger habe ich noch nicht richtig. Aber nun genug von solch langweiligen Details, die eher in die „TV Hören und Sehen“ Rubrik „Frau Barbara gibt Rat“ gehören als in ein Tourtagebuch. Leider habe ich sonst gerade aber auch nix aufregendes mitzuteilen, außer dass Claudia auch hier geblieben ist, da sie diese Nacht ebenfalls rückwärts gegessen hat. Somit hütet die Teamärztin nun auch das Hotelbett. Aus dem Hotel kann ich auf einen Bergfluss schauen, der nach 300 m ins Meer mündet und der aussieht, als würde es in seinem Oberlauf heftig regnen.

  • 2007: Schlemmer und Walenciak durch k.o.-Speisen ausgeknockt
  • 2009: Ganser und Hoffmann Schachmatt
  • Nun reicht es auch.
Weil ich sonst heute eh nix anderes erlebe, kann ich ein bisschen näher auf die Eindrücke hier eingehen. Die Leute hier sind auf jeden Fall mal cool drauf, egal ob mit oder ohne Schnäuzer. Die Kopftuchrate steigt gen Osten tendenziell an und viele Frauen schauen einem als Mann nicht in die Augen. Kleiner als in Mitteleuropa sind die Menschen hier auch und wir stechen daher nicht nur wegen unserer Radklamotten aus der Menge hervor. Man stelle sich mal einer 4er Gruppe aus Afrika in Deutschland vor, welche allesamt über 2,15 m groß wären. Weiter fällen hier krasse Gegensätze auf: Luxuslimousinen vs. schrottreifer Metallhaufen, Bauruinen vs. Hochglanzgebäuden, glänzende Sitzklos vs. versiffte Stehklos…

Oh, SMS: Jan und Tobi sind oben. Respekt! Fuck, ich hätte dabei sein können und mich für den Umbrail rehabilitieren. Egal, dafür habe ich heute morgen Toni Marshall bei Volle Kanne im Hotel-TV gesehen. Hoffen wir, dass die beiden nun auch heil wieder runter kommen und Claudia auch wieder fit wird. Ich denke, auch heute Abend wird es für mich vernünftigerweise kein Efes geben.

Damit auch ich von einem halbwegs erlebnisreichen Tag erzählen, kann bin ich mit Claudia später noch durch die Stadt geschlendert. Tageshighlight war der Besuch des Supermarktes wo wir, wie von Jan und Tobi bestellt, das „Standardprogramm“ besorgten.

Unsere beiden Bergziegen standen alsbald sowie plötzlich im Zimmer und sahen aus wie die Kinder aus der Waschmittelwerbung, bevor das Produkt zum Einsatz kommt. Durch einen rüden Autofahrer (wir erinnern uns „turkish car drivers are crazy“) haute es erst Jan und dann den dahinter fahrenden Tobi hin. Bis auf ein paar Schürfwunden und einen halb kaputten Helm aber wohl nix passiert. Mann mann mann, mal wieder Glück im Unglück. Hoffentlich bleibt es auch weiter so.

PS: Ich hab Jan noch nie so schmerzverzerrt gesehen wie in dem Augenblick, als Claudia ihm die Schürfwunden desinfizierte (Anm. Jan: Bei meinem 2008er-Zahnschmerz warst du ja nicht dabei ...)