<< 18. Etappe, 13. August: Mtskheta - Tbilisi >>

Distanz
31,40 km
Fahrzeit
1 h 35 min 22 sec
Geschwindigkeit
19,76 km/h
gefahrene Höhenmeter
237 m
Höhe Zielort
428 m
Musiktipp Jan
Kasabian - Underdog
Farin Urlaub - Pakistan
Fischmob - Bonanzarad

Twitter-Text
hallo fans. Wir haben nach 1871 km tbilisi erreicht und lassen die séele baumeln. Freundschaft! Euer Jogi

Jan: Mission accomplished: Mit Acht auf den letzten 8 km nach Tbilisi

So, wir haben auch diese Sommertour gut überstanden, lässt sich festhalten. Geil!

Zunächst zauberte uns die Mutter unseres Pensionsbesitzers noch einmal ein sehr sättigendes Frühstück, bevor wir uns bei (seit langem mal wieder) strahlendem Sonnenschein auf die letzten 31 km nach Tbilisi machten. Bald hatten wir auf der Autobahn das Ortsschild erreicht und machten die ersten Zielfotos. Kurz danach fing mein Vorderrad nach dem gestrigen Anschlag übel so an zu knarren, als ob ich bei jedem Rollen ein Lebewesen zermalmen würde. Es liess sich nicht genau herausfinden, wieso - Fremdkörper waren im Rad nicht auszumachen, und so rollte ich mit diesem fürchterlichen Geräusch weiter. Nach einem weiteren km war das Knarren weg, dafür eine veritable Acht in meinem Vorrderrad. "Gut, dass das jetzt passiert" (Loriot), bereits in den Stadtgrenzen an den Ufern des Mtkvari, und nicht am 1. Tag am Marmarameer - so kann man eigentlich nicht weiterfahren, zumal nur mit locker eingesetztem und nicht festgespannten Rad. Wir fanden heraus, dass sich am Vorderrad genau das dreht, was sich nicht drehen soll, und das, was sich drehen soll (Kugellager), dreht sich nicht. Bis zum Flughafen und zum Zürcher Fahrradladen sollte es aber so reichen.

Bei km 30 verliessen wir dann die Strasse am rechten Mtkvari-Ufer und nahmen den letzten Anstieg über eine fürchterliche Kopfsteinpflasterstrasse (das war im Stil der Flandern-Rundfahrt und der Muur van Geerardsbergen - wie wäre es mit Georgien-Rundfahrt und der Muur van Tbilisi?) und landeten genau am zentralen Rustaweli-Denkmal vorm ersten McDonald's in Georgien. Nach 30 Minuten Video-Aufnahmen und gegenseitiger Gratulation konnten wir uns einigen, ein bestimmtes Hotel aus dem Reiseführer aufzusuchen. Der Name des Hotels mit der angegebenen Adresse ist zwar ein ganz anderes, aber wen interessiert das jetzt schon? Istanbul - Tbilisi, wir haben auch diese Mission erfüllt! Topographisch war es die leichteste Tour seit langem, unsere Schutzengel waren dann wieder auf unserer Seite - Tesekkürler und Madloba an alle. Wo geht es jetzt hin? Armenien, Aserbaidschan, Iran? England? Durchs Baltikum nach St. Petersburg? Lassen wir noch ein bisschen Wasser den Rhein herunterlaufen, und dann werden wir uns wiedersehen, Landstrassen dieses wundervollen Planeten.

After-Tour-Programm: Nach dem Einchecken flanierten wir über den Rustaweli-Boulevard und bestiegen die Narikala-Festung, von der man einen sagenhaften Ausblick über Tbilisi und seinen Grossraum hat. Nach Bier und Zigarre in einer Fussgängerzone, wo nicht nur "schrohe" (die Eifler und Brohltaler wissen, was gemeint ist) Frauen, sondern offensichtlich auch die Schönen und Reichen Georgiens, flanierten, und einer weiteren Fressorgie mit fettigen georgischen Spezialitäten liessen wir den Abend bei Live-Musik ausklingen. "Back In The USSR", ertönte es aus der "Buffalo-Bill"-Kneipe, an der auch Bitburger-Leuchtreklame angebracht ist, in der es aber "nur" Löwenbräu und Franziskaner gibt, aber auch nicht schlecht. Georgische Hochspringerinnen mit Killerblick servierten uns das Bier zu Schweizer Preisen, und die Combo um den Manic-Street-Preachers-Frontmann gab noch mehr Classic-Rock-Gassenhauer zum Besten, bevor sie Endlosschleife rauchend das Lokal verliessen - kurz vor uns. Denn wir sind nach ersten positiven Eindrücken von Tbilisi auch erstmal müde.

 

Christian: Keine Ursache, große Wirkung

Ganz ruhig können wir den Tag angehen lassen und beim ausgedehnten Frühstück auf unserer Terrasse feststellen, dass Würstchen hier einen ungemein hohen Stellenwert haben. Eine weitere Verbundenheit der georgischen mit dem deutschen Volk. Die Mutter des internet-liebenden Hotelbesitzers spricht zudem noch ein paar Brocken Deutsch und übersetzt ein bisschen die Reisetipps ihres Sohnes bei unserem Abschied.

Und dann passiert: Wir fahren ein Stück doppelt, nämlich ca. 6 km zurück zur Autobahn nach Tiflis. Wann haben wir das zum letzten mal gebracht? In Zalaszentjakab ?  (Anm. Jan: Ich werfe Alpe d'Huez in den Ring). Schon bald erreichen wir Tiflis mit einem ideal angebrachten Schild für Zielfotos. Kurz danach nochmal Aufregung, denn der Draht hat Jans Vorderrad gestern wohl nachhaltiger beschädigt als zunächst angenommen. Zumindest geräuschtechnisch droht es jetzt jeden Augenblick zu implodieren. Gut, dass das jetzt erst passiert. Ironie des Schicksals?

Ich weiß nicht, scheiß egal. T I F L I S, hammer!

So, nach ausgiebigem genießen unseres Erfolges am Platz des unbekannten Poeten beschließen wir uns mal ein Dach über dem Kopf zu besorgen. Wir sind am Ziel, haben massig Zeit und da können wir uns schonmal was gönnen. So fahren wir der Reise-Know-How-Empfehlung hinterher und stellen stellen fest: An den angegebenen Stellen befindet sich zwar jeweils immer ein Hotel, nicht jedoch das im Reiseführer beschrieben. Und ganz ehrlich gesagt, bemerke ich das erst recht spät, nämlich als mich Claudia darauf aufmerksam macht. Zu dem Zeitpunkt hatte ich uns bei der Solitär-süchtigen Hotelbesitzerin aber schon eingecheckt und weil uns auch hier nicht direkt Kakerlaken unter den Bettlaken erwarteten blieben wir einfach hier. Außerdem sind wir die einzigen Gäste, das braucht man auch keine Angst vor wilden Hochzeitsfeiern oder überfüllten Frühstückssälen zu haben.

Wir entscheiden uns natürlich für eine ausgiebige Besichtigung der Stadt inkl. Abstecher zum heimlichen GND-Sponsor McDonalds. Als Hauptstadt kann Tbilisi natürlich mit einem Prachtboulevard glänzen, den Tobi aber kritisch auf Detailpracht untersucht und nur mit dem Kopf schütteln kann. Ich hingegen plage mich mit ewiger Warterei, Quittungen, Durchschlägen herum. Dabei möchte ich mich weder einbürgern lassen noch einen Schwerindustriekomplex genehmigen lassen. Ich möchte einfach nur ein paar Briefmarken. Endgültige Zweifel, dass Briefbeförderung zum Kerngeschäft der georgischen Post gehören kommen mir, als die Beamtin im benachbarten Blumengeschäft Wechselgeld holen gehen muss und ich jeweils ½ Postkarte mit Marken bekleben muss, damit sie vielleicht irgendwann mal außer Landes befördert werden.

Der eigentliche Knaller ist aber die kurze Oberschicht- / und Tourikneipenmeile, die hier wie ein Paradiesvogel unterhalb der Mutter Georgien zu finden ist. Wie für uns gemacht um endlich mal den Finisherzigarillo zu rauchen  und einen der besten Hot Chocolates ever zu trinken. Steigt ziemlich in den Kopf, so muss es sein.

Nachdem der Security uns im Beatles Club doch tatsächlich 7 Lari Eintritt für seinen leeren Club abverlangen wollte machten wir Kertmarsch und folgten unseren Ohren zum „Back in the USSR“ Club. Am nächsten Tag spielte dort übrigens dieselbe Band schonwieder, aber diesmal wurde ich vom Türsteher im Beatlesclub auch per Handschlag begrüßt. Von Eintrittsgeld war keine Rede mehr. Das muss man nicht verstehen. Verstehen kann ich aber den Umbau des Tifliser Hauptbahnhofes in eine Art Railcity. Ist ne recht dunkle Angelegenheit hier, aber immerhin scheint das georgische Eisenbahnsystem schon besser ausgebaut zu sein als das türkische.  Trotzdem lädt der Ort nicht unbedingt zum dauerhaften Verweilen ein und wir erkunden die Stadt weiter per Pedes und per U-Bahn. Man merkt echt nicht, dass es sich hier um ne Millionenstadt handelt.