<< 10. Etappe, 05. August: Yilgin - Trabzon >>

Distanz
95,87 km
Fahrzeit
4 h 32 min 38 sec
Geschwindigkeit
21,09 km/h
gefahrene Höhenmeter
459 m
Höhe Zielort
41 m
Musiktipp Jan
Coldplay - Life In Technicolor

Twitter-Text
Heute mal nach Trabzon. Bısher der hektıschste Ort, aber hıer geht was. Dıe ganze Zeıt an der Küste geradelt - gaerhn :)

Jan: Vom Meer an die Shoppingmeile

Die lustige, fast perfekt deutsch sprechende, tscherkessische Besitzerin ("Französisch? Ich mag doch keine Franzosen") erwartete uns um 7.30 zum Frühstück und bereitete Christian den heiss ersehnten "besten türkischen Kaffee, den ich zubereite" zu. Mit einer Migräne rollte unser Teamweiser weiter mit zwei Tanken-Stopps, an denen wir keinen Tee angeboten bekamen (aber nur, da es dort eh Self Service a discretion gab), mit ständigem Meerblick linker Hand und bei weiterhin nur mässigem Verkehr und guter Strasse auf die Hochhauskulisse von Trabzon zu.

Kurz nach dem Erreichen der Stadtgrenze begann nach einem heute bislang entspannten Rollen ein psychisch etwas anstrengendes Stop-and-Go durch die belebte Trabzoner Innenstadt, vorbei am Stadion des hier omnipräsenten Fussballclubs Trabzonspor, bis ins Viertel, wo geclustert alle Hotels liegen. Im Hotel Trapeza bezogen wir das erste Vierbettzimmer der Tour und machten anschliessend, wie die Halbstarken sagen, "die Stadt unsicher". Von den Nataschas, die dieser Hafenstadt zu zweifelhaftem Ruhm verholfen haben, sahen wir wenige, dafür aber die Wiege-Mafia (5jährige Kinder laufen mit einer Digitalwaage und Kaugummis durch die Stadt und bieten hartnäckig ihre Dienstleistung bzw. Ware an), den ersten McDonald's seit langem, sehr viele "Flagship Stores" von bekannten Kleidungsfirmen in einer wuseligen Fussgängerzone, und wir assen Lahmacun und Pide.

Im Internet erfuhren wir, dass der 2640 m hohe Ovit-Pass von morgen nicht bei quaeldich.de zu finden ist (wer sein Rennrad liebt, wird es auch nicht dort rauf- oder runterfahren, siehe morgige Etappe), dass das Wetter weiterhin gut sein soll (das stimmte allerdings nicht), und irgendwas über Betrug bei Abwrackprämien. Christian sucht einen Hamam und Tobi freut sich wie Hulle über seinen Bananenkuchen. Morgen melden wir uns aus Of, einem Ort, der übrigens noch weniger Hotels als Buchstaben hat. Iyi aksamlar!

 

Christian: Per Velo-Spor nach Trabzon

Danke König Fussball, heute ist das Etappenziel eine Stadt, die ich auch schon vor der Vorbereitung auf diese Tour kannte, neben Istanbul, Ankara, Antalya und Izmir versteht sich. Es soll nach Trabzon gehen, wohl kleiner als Samsun aber wegen dem ansässigen Fussballverein bekannter.

Die deutschsprachige Campingplatzfrau holte uns persönlich zum Frühstück ab. Sympathie auf den ersten Blick übrigens, denn sie begrüßte mich gestern mit „Sie sind der Chef der Truppe?“. Meine natürliche Aura als Teamweiser lässt grüßen – hehe J Doch damit nicht genug: zwei Mädels – des Englischen mächtig, brachten mir eine Tüte Pflaumen (nein, das war ganz bestimmt keine Anspielung) und ihre Telefonnummer, falls wir Hilfe brauchen. Eine ist Ärztin im Nachbarort – eine geile Geste, wie ich finde. Doch im Handumdrehen verschwanden sie auch direkt wieder. Natürlich habe ich die Nummer direkt in die Hosentasche gesteckt und natürlich habe ich sie auch nicht angerufen. Vielleicht war das gut so, vielleicht hätte ich es aber auch drauf ankommen lassen sollen und einfach am Vorabend mal angerufen. Man weiß es nicht… aber ich schweife ab.

Zum Frühstück bekam ich endlich den heiß ersehnten türkischen Kaffee – wow, das burnt. Ein Burner ist auch die Sonne, die uns auf den 90 km in Richtung Tagesziel brutzelt wie eine BRATWURST, Thüringen. Auf der D 10 fange ich langsam an, Tunnel zu lieben. Sie sind hier klasse ausgeleuchtet, erfrischend kühl und irgendwie fährt man darin mit halber Kraft trotzdem 30 km/h. Sie heißen übrigens „Tüneli“, ein Wort das die Schweizer wohl problemfrei kopieren könnten.

Trabzon itself präsentiert sich erstmal irgendwie unübersichtlich. Man fährt in einer Riesenschleife und 40 Höhenmeter hoch durch die ewig lange Vorstadt, vorbei am Stadion. Wir nehmen das erstbeste Hotel und feiern zugleich das erste 4er-Zimmer der Tour. Der Mann an der Rezeption könnte der Bruder von Michel Friedmann sein. Mit dem richtigen W-Lan-Code hat er aber so seine Probleme.

Wir erkunden die Stadt auf eigene Faust und es ist auffällig, dass das Treiben in den Strassen in einem krassen Missverhältnis zur Einwohnerzahl steht, vergleicht man es beispielsweise mit Samsun. Tobi sticht in den Gassen ziemlich heraus, überragt er doch die meisten Einheimischen um mindestens 1,5 Köpfe. Ebenfalls charakteristisch sind neben der Ford-Transit-Kolonnen auch die Jugendlichen der örtlichen Wiege-Mafia. Auf das traditionelle Abendessen folgte noch eine Torte, der Tobi und ich einfach nicht wiederstehen konnten.

Nach üblicher musikalischer Unterhaltung im Hotelzimmer am Abend beschließen Tobi, Claudia und ich noch einen kleinen Nachtspaziergang zu unternehmen, während Jan doch eher sein Bett bevorzugt. Die eben noch umtriebigen Gassen präsentieren sich uns nun fast menschenleer. Nur ein Pickup fährt durch die Gegend und sprüht eine mysteriöse Substanz in die Umgebung. Aber die werden schon wissen, was sie da machen.