<< 9. Etappe, 04. August: Kovanli - Yilgin >>

Distanz
121,55 km
Fahrzeit
5 h 57 min 21 sec
Geschwindigkeit
20,41 km/h
gefahrene Höhenmeter
469 m
Höhe Zielort
15 m
Musiktipp Jan
Doves - Winter Hill

Twitter-Text
Genießen mal wieder den sonnenuntergang. Die ersten 20km waren super schön. Habe aber 70km gebraucht um mich einzufahre …

Jan: Der zweite Tag am Meer: Tee-Kampftrinken mit Al Pacino und eine weitere perfekte Camping-Location im Kingdom of Findik

Tatsächlich stand Alperen um 7.30 vor unseren Zelten und unterhielt sich noch bis 9 Uhr mit Christian über Galatasaray, Haselnüsse, Deutschlandbilder usw. mit uns, während wir ein von seiner Mutti liebevoll hergerichtetes Frühstück mit Börek (wohl, weil Christian gestern nachgefragt hatte) und Meerblick einnahmen. Um 9 Uhr schaffte es dann auch Christian, sich vom eloquenten Teenager loszueisen, und wir kämpften uns bis Persembe (das heisst dann Donnerstag) weiter die verschlafene Küstenstrasse hoch und liessen uns immer wieder auf den Meeresspiegel herunterrollen. Die ersten Pause legten wir bei km 33 in Ordu ein. Dort wurden wir das erste und einzige Mal irgendwo verscheucht (von dem Besitzer eines armseligen Strandimbisses, der aber wohl im Recht war - hätte uns aber trotzdem einen Tee anbieten können), wie es in Deutschland wohl Usus wäre. Das machte dafür bei km 68 der "türkische Al Pacino", wie seine Boyband-Crew ihn nannte (ich fand, er erinnerte mehr an einen Mensch gewordenen Hund), mehr als wieder wett, als er uns während unseres Aufenthalts an der opet-Tankstelle gleich 5 Tee pro Person servierte. Den vierten hatte ich schon in meine Trinkflasche abgefüllt, bevor er wiederkam, sah, dass ich keinen Tee in der Hand hatte, und den fünften brachte. Erst seine Boyband (von der einer forsch Christian gleich seine E-Mail-Adresse, die auf deutsch "Süsses Kind 28" bedeutet, ins Tagebuch schrieb und ihn auch gleich nach Facebook fragte) konnte ihn davon abhalten, das wohl schon automatisierte Teezapfen noch auf eine zweistellige Konsumeinheit pro Person zu steigern. Vielen Dank :)

Gut gestärkt und aufgeputscht fuhren wir durch Giresun, was vor einer Woche von einem Starkregen heimgesucht worden war, und weiter an der perfekt ausgebauten D-10 durch Espiye, wo wir noch Bier und Brot für den Abend, einkauften. Das wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn kurz nach Ortsausgang wurden wir wiedrum fündig auf der Suche nach einem Campingplatz, wo wir umsonst übernachten dürften, falls wir hier essen (was wir taten: Köfte, wie immer ohne Sosse) und trinken. Eine nicht ganz unattraktive Ärztin ("I am from S.P.A.", auf Deutsch: "Ich bin aus Espiye") schenkte uns noch Pflaumen und gab uns ihre Telefonnummer, falls es Probleme gäbe. (Gab es aber nicht). Dazu ein steiniger Strand und die lärmende D 10 im Hintergrund. Wir haben nun schon zwei Tage herausgefahren und der Plan ist daher, noch einen 2600er im Hinterland zu bezwingen.

Aber das ist "Schnee von morgen" (Jens Jeremies). Erstmal geniessen wir unser Efes und evtl. gleich noch die Pflaumen, obwohl die sanitären Anlagen in der Türkei ja vielbesungen sind.

Grüsse aus dem Reich der Haselnuss, Jan.

 

Christian: Same procedure as yesterday

Wir sind weiter an der Küste und es gibt bisher keinen Grund hier weg zu wollen. Wir rollen nahezu direkt nach Osten, nachdem wir uns bei Alperen, der extra um mit uns weiter zu schnacken frühs aufgestanden ist, loseisen konnten. Die Kilometer vergingen, wohl auch ob der grün gepunkteten Küstenstraße, wie im Flug bis Ordu die erste Pause einläutete. Laut Jans Referat die einzige links regierte türkische Stadt am Schwarzen Meer, was ein ansässiger Teeverkäufer ad absurdum führte, der uns anstatt einen Tee anzubieten von seinem Gestühl vertrieb. Verkehrte Welt, wo die geschäftstüchtigsten Personen in einer angeblich linken Stadt anzutreffen sind. (Anm. Jan: Naja, jemanden von seiner leeren Strandbar zu vertreiben, sehe ich nur bedingt als geschäftstüchtig an. Er hätte uns ja auch einfach die Speisekarte bringen können)

Diese Scharte wetzte dann aber der türkische Tankstellengrandpa aus, der uns 30 km weiter mit sage und schreibe jeweils einem Liter Tee geglückte. Jan bekam sogar noch einen Becher mehr, weil er vorhin schnell einen Tee in seine Radflasche kippte – eigentlich mit der Intention, eben diesen Tee NICHT mehr trinken zu müssen. Aber zack bekam er schon einen neuen in die Hand gedrückt. Mit aufgeschwemmten Magen radeln wir weiter durch die Haselnussfelder der Schwarzmeerregion. Tobi entschließt sich flugs 3 kg Brot zu kaufen ,und wenig später finden wir einen Zeltplatz for free, sofern wir hier auch zu speisen beabsichtigen. Die türkische Verwalterin (Anm. Jan: sie gab sich als Tscherkessin aus) hat laut Meinung der anderen einen französischen Akzent. Hmmm, kann ich nicht so bestätigen, aber zumindest höre ich heraus, dass sie Deutsch spricht. Eine Tatsache, die man hier zwar nicht erwarten sollte, die aber doch öfters eintritt als man erwartet.  

So, ich muss nach 3,5 Efes nun unbedingt nochmal in die keramische Abteilung und dann mache ich das Licht im Zelt aus, auch wenn meine innere Lampe schon deutlich brennt. Hoffentlich kann ich schlafen, denn die Party-Türken neben uns scheinen noch nicht an den Matrazenball zu denken. Gute Nacht!